Der Autor über sich
Ich bin 30 Jahre alt, blind und komme aus Berlin. Durch meine Sehbehinderung habe ich großes Interesse an dem Medium Internet und freue mich auf jede E-Mail.
Veröffentlichungen
Der Selbstbedienungsladen
von Peter Fischer
Es war Mittag in der Innenstadt. Ich stolperte herum um mir ein neues Notebook zu kaufen. Irgendwie war alles anders. Die Straßen leer gefegt, die Kaffeehäuser und Imbiss-Stuben ebenfalls leer. Was war hier los?
Plötzlich sah ich es. Ein Glasbau mit dem Namen „allround electric“ als Leuchtschrift direkt über dem Haupteingang. Und hier waren auch die ganzen Leute, die sonst in den Kaffees herumlungerten. Ich ging hinein. Irgendwie sah alles anders aus. Es gab kein Verkaufspersonal. Jetzt war ich neugierig. Dann fand ich mein gesuchtes Notebook nach langem Suchen endlich. Als Reporter braucht man schon was Perfektes. Ich suchte die Kasse. „ Bei dem Gewühle findet man ja gar nichts“, dachte ich. Irgendwann traf ich einen Mann, der wie so ein Verkäufer aussah. Aber es war keiner. Auf seinem Schild stand Haustechniker. „Können Sie mir helfen? Ich suche die Kasse ?“ Der Mann guckte mich so komisch an. Ist das so ungewöhnlich? „Sie sind wohl nicht von hier! Ich verstehe. Sie müssen am Terminal 5 bezahlen“, antwortete er. Terminal 5 klang nicht menschlich. Überhaupt war hier alles so unmenschlich. Ich wollte doch nur mein Notebook bezahlen und Geld einer Maschine anvertrauen. Nein! Ich gab das Suchen auf. Also wenn kein Mensch an der Kasse sitzt, könnte ich ja versuchen, das Notebook so, ohne Bezahlung, aus dem Geschäft zu bringen. Gesagt, getan.
Ich ging zum Ausgang. Als ich fast draußen war, ertönte ein schrilles Klingeln. Plötzlich schob sich vor und hinter mir eine Tür hoch, die den Ausgang wie ein Käfig verschloss. Jetzt war ich eingesperrt. Also auch Computer bemerken Diebe, dachte ich. Und jetzt, muss ich jetzt ins Gefängnis? Was kann ich jetzt tun?
Die Leute guckten mich komisch an. Die Türen waren ja ganz aus Glas. Mir war das so peinlich. Ich stellte das Notebook ab. Da blinkte auf einmal ein Schriftzug worauf stand: „Rückgabe“. Darunter stand mein Name und mein Beruf. Woher die das wohl haben? Ich ging zu diesem grau-braunen Kasten, auf dem „Terminal 8“ stand und stellte das Notebook hinein. Dann ging die Klappe zu. Die Türen öffneten sich automatisch und ich verschwand schnell. An der nächsten Straßenecke hielt mich jemand an der Jacke fest. „Warten Sie doch mal“. „Was ist los?“, antwortete ich. „Ich weiß, dass sie das Notebook nicht stehlen wollten. Wir kennen Sie doch. Sie sind doch Reporter.“ „Stimmt, wie kommen sie darauf?“ „Unser System hat sie erkannt. Wir registrieren jeden Besucher. Ihre Personenkarte wurde gescannt. Wir gehen davon aus, dass sie nur unser Sicherheitssystem testen wollten.“ „Ja. Funktioniert gut.“ „Dann habe ich eine Überraschung für Sie. Sicherheitstester müssen wir belohnen. Sie wollten doch ein Notebook kaufen. Bitte sehr.“ Da hielt ich ihn in der Hand. Den Koffer mit dem Notebook, mit dem ich fast in Schwierigkeiten gekommen wäre. Ich dachte so bei mir, ein Selbstbedienungsladen ist eben nicht zu unterschätzen. Hier haben Kriminelle keine Chance.
Ich ging nach Hause, packte mein Notebook aus und begann meine Programme zu installieren. „Eigentlich gar nicht so schlecht, so ein Selbstbedienungsladen. Aber wenn das jeder Geschäftsmann machen würde. Ich mag gar nicht daran denken.“
Geschichten, die der Autor geschrieben hat: