...und eins für die Liebe
von
Siebenmeilen Stiefel
1
Da war eine Blonde und zuerst war ich sie
und sie war ich, und da war eine Brünette,
aber dann muss mir die Blonde irgendwie besser gefallen haben,
jedenfalls war ich plötzlich nicht mehr sie, sondern sie war sie
und ich war ich
und wir haben uns geliebt!
Wir irrten mit einer kleinen Horde
durch die Katakomben dieser unterkellerten
Hochhausruine. Es gab einen kaputten,
verrosteten Fahrstuhl, daran erinnere ich mich,
und überall wimmelte es von Vampiren,
ich glaube sogar, ich war auch einer,
aber das durfte keiner wissen, nur sie wusste es,
aber wir hielten zusammen wie Pech und Schwefel,
wir liebten uns!
Der Obervampir hatte zwei lange Dornen an
seine Flügeln und machte damit mächtig Wind.
Roter Schwefeldampf lag in der Luft,
es war wirklich ein heißes Pflaster,
es war verdammt gefährlich,
aber wir tanzten durch die Trümmer
und wir liebten uns!
Dann bin ich aufgewacht – es war schrecklich
und hätte der Vertreter der Hölle meine Klinke geputzt,
ich hätte ihn hinein gelassen, nur um zu ihr zurückzukommen,
zurück in diesen verlassenen Ort, an dem der Himmel blutet
und niemand unsere Schreie hört.
Ich versuchte wieder einzuschlafen – ohne Hoffnung
- doch manchmal passieren Wunder.
Ich stehe auf einem Schotterplatz in einem Bushäuschen.
Ein Fußballfeld! Sie ist nicht da. Ich muss sie finden.
Gegenüber steht dichtgedrängt die andere Mannschaft.
Bunte Kleidung – matschige Gesichter.
Jemand zieht einen Gartenschlauch aus
dem Bushäuschen und schreit:
„Los Leute, schießen wir ein Tor!“
Wir ziehen los. Die andere Mannschaft erwartet uns,
jeder mit einem Luftballon voll Wasser bewaffnet.
Wir kommen näher, dann entdecke ich sie,
sie steht in der zweiten Reihe,
ich winke ihr zu, und sie hat mich längst gesehen.
Sie versucht mich mit ihrem Luftballon Nasszuspritzen.
Sie sieht ein bisschen verändert aus, aber immer noch
so hübsch
so fröhlich
so natürlich...
Dann wache ich entgültig auf.
Ich kraxle aus dem Zelt, schaffe mich auf eine Isomatte.
Die Jungs haben den Grill angeschmissen.
Ich lasse meinen Blick über die Zeltstadt des
Festivalgeländes schweifen:
heile Zelte, kaputte Zelte, abgebrannte Pavillons
und hier und da ein zartes Rauchwölkchen.
Schließlich staube ich ein Schnitzel ab,
hohle mir ein Bier aus der Kühltasche und
denke an sie.
Wir haben uns geliebt.
Wo bist du?
Hast du es mit den anderen
über die Berge geschafft?
Haben die Vampire dich erwischt?
Denkst du manchmal an mich,
gießt du die Rosen auf meinem Grab?
Später ziehe ich mit den Jungs los,
wir trinken Bier und sehen uns die Bands an.
Im Getümmel verliere ich die anderen und
beschließe zum Zeltplatz zurückzugehen.
Überall Altrocker und Punker, die gegen die Zäune pinkeln,
Betrunken vom Alkohol und den Menschenmassen
stolpere ich über das Festivalgelände.
Ein heißes Pflaster.
Hey Master Vampir, wo bist du,
Come and fight!
Einmal liegt eine halbe Melone am Wegesrand,
„Pass auf deine Melone auf!“, will ich sagen,
da hebt jemand die Melone auf und schleudert sie
durch die Luft, und ein Halbstarker im Unterhempt
stößt seinen Kopf hinein, so dass die Melone
wie eine matschige Supernova in alle Richtungen
davonfliegt. Ich muss an die Blonde denken.
Ich kann sie sehen.
Wir haben uns geliebt!
All das ist jetzt fünf Jahre her
und ich habe sie nicht wieder gesehen.
Aber manchmal, wie damals auf dem Festival,
als die Supernova explodierte,
da kann ich sie spüren,
kann ich ihr Gesicht sehen,
dann ist sie bei mir,
dann tanzen wir auf den Trümmern
und dann weis ich,
wenn ich als alter Mann
im Schaukelstuhl
die Augen schließe,
bin ich nicht allein.
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Kommentare
Vicky schrieb am 2006-10-23 12:35:35:
Drum nimm es als eins der Viere und füge zusammen, was zusammen gehört.
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