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Kategorien > Nightlife > Eine störrische Nacht?

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von Deathinteressent

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Es war eine sehr störrische Nacht. Konnte man das sagen? Eine störrische Nacht? Die Nacht lies nicht locker, die dämmrigen Straßenlaternen konnten die Dunkelheit kaum erhellen, die Bäume sahen auch nicht so aus als würden sie dem heftigen Wind noch länger standhalten können. Die Schneeflocken waren klein und flink, sie wirbelten durch die Luft wie kleine Tänzer. Im Licht der Straßenlaternen konnte man sie tanzen sehen. Zwielichttänzer. Die Kälte umschloss mich, hüllte mich ein, floss in die kleinste Ritze meines Mantels und nahm mich gefangen mit ihren eisigen Händen. Mein Atem wurde zu weißen Dampfwolken, als wollte die Kälte auch noch das letzte bisschen Wärme aus mir heraussaugen. Meine Lippen waren blau, meine Haut schneeweiß, meine Wangen und meine Nase rot. Die Kälte und die Stille der, wie ausgestorbenen Stadt, machte mich müde. Ich blinzelte ein paar mal und rieb mir die Augen mit meinen tauben Händen. Schnell steckte ich sie zurück in die warmen Taschen meines Mantels. Es war leer. Die Stadt war menschenleer, als hätte die Kälte alle Leute in die Flucht geschlagen. Verlassen, die Stadt war wie ich, verlassen, leer und kalt. Der Schnee knirschte unter meinen Stiefeln oder war es das Streusalz, welches ihn langsam in eine graue, matschige Masse verwandelte? Alles war vergänglich. Die Straße war gesäumt von großen, einst sicher prächtigen Kastanien. Jetzt waren sie kahl und streckten ihre dürren Äste gen Himmel, als würden sie nach der Sonne greifen um noch das letzte bisschen Licht des Winters in sich aufzunehmen. Ein trauriges Bild. Dichte Wolken verdeckten Mond und Sterne, eine wahrhaft dunkle Nacht. Ich wusste nicht wohin ich ging. Aber langsam nestelte sich die Kälte in meinem Körper ein und ich zitterte. Länger hier draußen zu bleiben wäre Selbstmord, ich sah mich um und entdeckte eine Treppe, welche in das warme Innere einer U-Bahnstation führte. Wie einladend. Die Neonleuchten gaben ein unbehagliches Licht ab, dass sich in dem von Schneematsch verdreckten grauen Boden und an den von Graffiti übersäten Wänden brach. Fast so ungemütlich wie draußen, dachte ich. Ich setzte mich auf den Boden und ließ meine Beine über die Kante des Gleises baumeln. So ganz in Gedanken versunken merkte ich nicht, wie eine U-Bahn, vermutlich eine der Letzten die um diese Zeit noch fuhren, auf mich zukam. Das scharfe Geräusch einer Klingel schreckte mich aus meinem Halbschlaf, der Fahrer guckte mich ärgerlich an. Ich beschloss, einzusteigen. Außer mir war die Bahn vollkommen leer. Wahnsinnig schnell sauste sie durch das verzweigte Tunnelsystem, als wolle sie niemals mehr anhalten. Als würde sie wegrennen und nicht nachdenken, einfach fliehen. Die U-Bahn war wie ich, leer und in einer weit verzweigten Welt, in der sie sich kaum auskannte, vor ihren Problemen fliehend. An der nächsten Station stieg jemand ein. Ich beobachtete ihn durch die matte Scheibe. Dunkelbraunes, fettiges Haar, ausdrucklose, fast traurige Mine und die blaugefrorenen Hände im Schoß gefaltet. Er schloss die Augen, als wollte er sie vor der ganzen Welt verschließen und lehnte den Kopf an die Scheibe, wo er bedenklich hin und her gerüttelt wurde. Der Typ gefiel mir. Als hätte er meine Blicke bemerkt öffnete er die Augen und sah mich mit leerem Herzen an, hoffnungslos. Ich musste ihn wohl genauso ansehen, denn plötzlich stahl sich für einen kurzen Moment ein winziges, ja ein Hauch eines Lächelns über seine Lippen und brachte kleine Grübchen zum Vorschein. Ich lächelte zurück. Erst sah er weg aber dann schien er sich doch anders zu entscheiden und ließ sich gegenüber von mir nieder. Ich sah ihn misstrauisch an, im ernst, eigentlich wusste ich nichts über diese Person und dennoch ließ ich es zu, dass er sich mitten in der Nacht, in einer leeren Bahn vor mich setzte. Einfach so. „Wohin fährst du?“, fragte er. „Ich weiß es nicht“ „Aber warum bist du dann gerade in diesen Zug gestiegen?’’, er sah mich ruhig an, als wäre meine Antwort das normalste auf der Welt gewesen. Als wäre diese ganze Situation überhaupt total gewöhnlich. „Welchen Zug nimmt man, wenn man nicht mehr weiß, wo man hinsoll?“

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