32 Faden
von
Slade
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Mehrere Dutzend Seemöwen glitten, vom vielen Kleintier auf dem Korallenriff angelockt, auf dem Wind und beobachteten interessiert das Treiben der Menschen unter sich.
»Scheint wohl heute doch noch schönes Wetter zu geben, was?«
Der Seegang war ruhig und Nat schaute auf. Nur wenige Wölkchen hingen am sonst strahlend blauen Himmel, doch die Sonne stand tief, der Tag war noch jung.
»Ich würde mich nicht darauf verlassen! Es wäre nicht das erste Mal, wenn wir plötzlich mit Badehosen im Regen stehen würden.«
Ryan lachte vergnügt. »Wie der Konzern nur so einen Pessimisten einstellen konnte!«
»Dieser Pessimismus hat mich jedenfalls bis hierhin gebracht«, entgegnete ihm Nat, »Ich würde mich vielmehr als... einen Skeptiker bezeichnen, und Skepsis ist doch nie unangebr...«
Plötzlich schlug die Tür auf. »Verdammt noch mal! Irgendwann drehe ich hier noch durch!« schrie Sarah wütend und schmiss die Tür hinter sich zu. Nat und Ryan warfen sich einen gehaltvollen Blick zu. »Und? Was ist diesmal das Problem?« fragte Ryan.
Sarah setzte sich seufzend zwischen die Beiden und fing an, kleine Brotreste ins Meer zu werfen. Sofort stürzten sich einige der Möwen gierig auf die Beute und nach einigen Sekunden - solange dauerte der Verzehr der Brotreste nämlich - warteten sie wieder auf neues Futter. Aufmerksam beobachteten die drei Forscher die Vögel.
»Das Projekt hat einfach noch nicht genug Geldspender erreicht. Unsere Ausrüstung ist mehr als dürftig und unseren Zeitplan werden wir wohl auch nicht einhalten können.« Sie warf wieder einige Reste ins Meer. »Es ist einfach noch zu früh, wir haben noch zu wenige Hinweise.«
»Hmm, ich denke, dass wir genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind. Eben mitten auf dem Ozean. Wir werden es finden, das habe ich im Gefühl«, versuchte Nat sie zu aufzumuntern.
»Sollten wir es nicht finden, finden es andere nach uns, das ist zumindest sicher«, sagte Ryan leise.
»Was wirst du machen, nachdem wir es geborgen haben?« Sie saßen in einem kleinen Raum, in dem die 4-köpfige Forschungscrew ihre Ausrüstung verwahrte. Einmal in der Woche kontrollierten sie die Geräte, so auch an diesem späten Abend.
»Wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle«, begann Ryan nach einer Weile, »werde ich nach Europa auswandern. Vielleicht halte ich Vorträge in Universitäten. Ich habe gehört, dass sie in London einige gute Wissenschaftler brauchen, die etwas über Tiefseeforschung und Meeresarchäologie verstehen. Ich werde da irgendwo in der Nähe ein Haus am Meer haben, eine schöne Frau, zwei oder drei Kinder, einen Hund, der mir jeden Morgen die Zeitung bringt, wenn ich noch im Bett liege...«
Sarah betrachtete eine Weile Ryans Gesicht. Manchmal überraschte er sie wirklich. »Du willst dich niederlassen? Ryan, der ewige Abenteurer und Träumer? Der Ryan, der mir wochenlang von der Freiheit auf dem Ozean geschwärmt hat?«
Er zuckte nur mit den Schultern und lächelte zögernd. Eine Weile saßen Sarah und er dann schweigend da und betrachteten die Ausrüstungsliste vor sich.
»Erzählst du es mir?« störte Sarah plötzlich die Stille. Ryan schaute verwundert auf.
»Was soll ich dir erzählen?« Er betrachtete ihre Augen. Sie waren blau und klar, einfach wunderschön. »Ich wollte dir nur...«, begann Ryan, doch plötzlich öffnete sich die Tür und Nat betrat den Raum. Völlig außer Atem lehnte er sich an die geschlossene Tür und verschnaufte einen Augenblick, bis er endlich wieder Puste zum Sprechen hatte.
»Wir haben es gefunden! Wir haben es endlich gefunden!« Sarah und Ryan warfen sich einen erstaunten Blick zu und standen auf.
Nat saß vor seinem Monitor. Sarah und Ryan standen hinter ihm und starrten auf den Bildschirm. »Ich verstehe es nicht«, sagte Nat fassungslos, »Ich verstehe es einfach nicht! Vorhin war an genau dieser Stelle nicht einmal eine Unregelmäßigkeit im Meeresboden und jetzt... jetzt ist plötzlich DAS da! Eigentlich kann es auch gar nicht hier an dieser Stelle gesunken sein, wir sind viel zu weit von den tatsächlichen Koordinaten entfernt.«
Dennoch zeigte der Bildschirm ein buntes Bild, das für Laien zwar völlig nutzlos schien, doch was Nat dort auf dieser flachen Glasscheibe erkannte, versetzte die drei Forscher in helle Aufregung. Ein zigarrenförmiger, metallener Körper lag ziemlich genau 48 Meter unter dem Bootsrumpf auf dem Meeresgrund. Es war ein Relikt aus dem 2.Weltkrieg. Ein U-Boot-Wrack.
Sarah und Ryan warfen sich mit einer geschmeidig routinierten Bewegung rücklings über die Bootsreling und durchbrachen den Meeresspiegel. Zwischen den hellblauen Wasserwänden, die von Sonnenlicht überflutet waren, beobachteten sie eine Weile das Auf und Ab des Bootsrumpfes über sich, bis ihnen keine Sauerstoffbläschen mehr die Sicht behinderten. Dann tauchten sie einige Meter tiefer zum Grund des Riffs und betraten damit eine andere Welt: riesige, braune Hirnschwämme, großartige Dornkorallenwälder, ein blaugelb schimmernder Ang-lerfisch, der anmutig an ihnen vorüber zog. Durch dünne, wogende Algenbüschel erspähten sie eine Marschbrigade von Taschenkrebsen, die zu Stein erstarrten, als sie ihre Bewegungen wahrnahmen.
Das Riff lebte. Fische schossen wir Vögel durch die Spalten zwischen den Korallen oder huschten in Löcher, um abzuwarten, bis die Bedrohung vorüber war. Neben ihnen trieb ein Heer von kleinen Seebargen. Ein paar Meter weiter oben schwamm ein Rochen, dessen Schwingen sich graziös hoben und senkten. Langsam entschwand er in die blaue Dämmerung.
Plötzlich stießen Sarah und Ryan zusammen, denn Ryan hielt inne bei dem Anblick, der sich ihm dar-bot: Direkt vor ihm gähnte Dunkelheit, düster, gewaltig und bedrohlich. Wenn es Gespenster gab, dann hausten sie wohl sicher in diesem schauerlichen Loch. Sie waren an eine Korallenwand angelangt, die steil in die scheinbar endlose Tiefe führte.
»Nat? Kannst du mich verstehen?«
»Laut und deutlich«, bestätigte Nat schnarrend durch die Lautsprecher in Ryans Taucherhelm.
»Wir sind jetzt am Abgrund«, meldete Ryan. »Tiefe: 11 Meter. Zeit: 910 Uhr.«
»Hab' verstanden. Passt auf euch auf!« »Ich werde euch Sarah wohlbehalten zurückbringen«, sagte Ryan lächelnd. »Ehrenwort!«
Nach einem letzten Blick an die glitzernde Wasseroberfläche zündeten Sarah und Ryan eine Magnesiumfackel und tauchten kopfüber die Tiefe. Nach einer Weile fiel Sarah auf, dass sie lange keinen Fisch mehr gesehen hat, wo doch in dieser Meeresregion riesige Fischschwärme ein gewohnter Anblick sind. Doch sie vergaß den Gedanken und achtete stattdessen auf ihre Atmung. Der Atem stieg in Form kleiner Kristallkugeln in regelmäßigen Abständen an die Oberfläche und erleichterte ihr so die Orientierung. Trotzdem ging es langsam voran, weil sich Sarah und Ryan alle paar Meter die Nase zuhalten und schnäuzen mussten, um den Druck in ihren Ohren auszugleichen.
Dann auf einmal bemerkte Ryan ein schwaches, metallenes Glitzern einige Meter tiefer und machte Sarah darauf aufmerksam. Sie nickte und einen Moment später erblickten sie
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Kommentare
Herr Schuld schrieb am 2008-01-16 15:55:25:
Hallo Slade!!
Danke für den Hinweis! Genau, es war "The Abyss", ein genialer Film!
Wünsche noch viele schöne Ideen!!!
lg Schuld
Slade schrieb am 2008-01-16 08:44:01:
Hallo Herr Schuld!
Die komplette Szene vom ersten Eintreten des Wassers bis zum Verlassen des Wracks ist eine Art Hommage an eine eindrucksvolle Szene aus "The Abyss" von James Cameron, welche mich zu der Geschichte inspiriert hat.
Zum Ende kann ich auch kaum mehr sagen als Sie.^^ Für beide Varianten gibt es Hinweise, z.B. schreibe ich "wandte sich der rettenden Wasseroberfläche zu", das hätte ich vielleicht offener formuliert, falls es für sie schlecht ausgehen sollte. Auf der anderen Seite kann das Wesen den Satz nunmal nicht zu Ende bringen, was ja mehr oder minder eindeutig dafür spricht, dass der Plan erfolgreich gewesen war.
Mein Glas ist stets halbvoll, deswegen bin ich persönlich davon überzeugt, dass es für beide Seiten gut ausging... :-)
In diesem Sinne...^^
LG
dream1969@msn.com schrieb am 2008-01-15 18:40:07:
Hallo "Slade"
Eine schöne Geschichte mit "ausserirdischem" Hintergrund. Die Szene, wo einer ertrinken muss ,während der andere überlebt und sie oder ihn wiederbelebt, die gabs sogar schon in einem berühmten Film....! Irgendein Katastrophenfilm.
Das Ende.....ist ein wenig offen, oder? Er kann den Satz nicht zu ende bringen, also ist sie gestorben....wird aber wohl wiederbelebt denke ich, oder??
liebe Grüße
Herr Schuld
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