ANGST
von
Adrian Young
Wißt ihr, wie es ist Angst zu haben, nackte Angst ? Wißt ihr überhaupt, was Angst ist ? Ich glaube nicht. Es fängt ganz harmlos an, mit einem kalten Schauer. Auf diesem folgt die Gänsehaut, bei der sich jedes Haar am Körper aufrichtet. Dein Herz fängt an schneller zu schlagen und kalter Schweiß rinnt von deiner Stirn. Die Angst durchdringt dich, umgibt dich, verschlingt dich. Jede Vernunft wird ausgeschaltet, die Furcht übernimmt die Kontrolle. Die Gedärme ziehen sich zusammen bis es schmerzt, die Gliedmassen zittern. Und der Atem wird schneller und kürzer. „ Lauf “, schreit etwas in dir, „ lauf, solange du noch kannst “, aber deine Beine gehorchen nicht mehr, der letzte Funke rationalen Denkens ist verschwunden. Du bist allein.
Doch kein Wort, keine Formulierung, keine Phrase reicht aus das zu beschreiben, was ich wirklich fühlte, als mein Commander mich und meine Jungs schickte ES zu fangen. Wer wir sind ? Wir sind diejenigen, die gerufen werden, wenn die Besten nicht mehr ausreichen. Wir sind Special Troopers for Identifying, Searching and Eliminating. Kurz die S.T.I.S.E.s. Unsere Aufgabe ist es die Menschheit vor Individuen zu schützen, vor denen sich sogar die Monster aus euren Alpträumen fürchten.
Unser letzter Klient war für eine Reihe von brutalen Morden verantwortlich, deren Ausmaß an Grauen unbeschreiblich war. Nur soviel, wir haben Wochen gebraucht alle Teile der Opfer zu finden. Nicht gerade hilfreich dabei war die Tatsache, dass einige Teile fehlten, die heraus gebissen wurden. Die Presse, unwissend wie sie immer ist, gab dem Wesen eine menschliche Bezeichnung. Der Schlächter. Die letzte Zählung ergab sechzig Tote, und sie wird weiter steigen, wenn nicht jemand eingreift. Und wer räumt wohl den Dreck weg ? Genau, wir.
Unsere Informanten haben das Wesen bis zu einem alten Fabrikgelände zurückverfolgt, wo es sich in einem der alten Lagerhäuser verstecken soll. Sofort haben unsere Leute das Gebiet abgesichert und so jeden Weg hinaus blockiert. Nun waren wir an der Reihe. Mein Team, bestehend aus fünf Mitgliedern, wurde hinein geschickt um diese Ausgeburt des Bösen zu finden. Lee, der Scharfschütze, Bones, der Sprengexperte, Cain, der Computerfreak, und Stony, der Mann mit den schweren Geschützen, bilden die wohl beste Truppe bei S.T.I.S.E.. Natürlich darf man einen nicht vergessen. Mich. Mein Name ist Django, seines Zeichens Meister aller Klassen. Nicht umsonst bin ich der Kopf dieser faulen Truppe, die ich mittlerweile gewohnt bin Familie zu nennen. Andere Freunde zu haben, oder sogar eine Familie gründen, ist ausgeschlossen. Ihr mögt euch vielleicht fragen, warum jemand freiwillig einen Job macht, bei dem man nur verlieren kann. Es ist der Reiz, der Nervenkitzel der Jagd. Es mag riskant, oder sogar gefährlich sein, aber irgend jemand muss diesen Job machen, und ja, verdammt, ich liebe ihn. Bis zu diesem einen Auftrag.
Ausgestattet mit einem Ganzkörperpanzer und Elektronik vom Allerfeinsten wagten wir uns in die Höhle des Löwen. Alte Fabrikgebäude, die kurz davor waren einzustürzen, mußten einzeln abgesucht werden. Etage für Etage, Raum für Raum durchstreiften wir die dunklen Bauwerke und sicherten sie. Routine, wie ich dachte. Ruhe vor dem Sturm, wie sich herausstellen wird. Zwei Teams schlichen sich in das letzte Gebäude, der ehemalige Sitz der ArmorTeck Incorporation. Eines ging über das Dach, das Zweite, meines, durch das Untergeschoß.
Die leichte Railgun, die Allzweckwaffe bei STISE, im Anschlag, durchschritten wir das Tor zur Hölle. Da es mittlerweile dunkel wurde und unsere Taschenlampen nur ein schwaches Licht in der Dunkelheit waren, beeilten wir uns. Natürlich blieb dabei die Sorgfalt auf der Strecke, die wir gebraucht hätten um die Treppe zu bemerken, die in die unteren Etagen führte. Erst, als wir alle Räume mit unseren Taschenlampen erleuchtet und nichts gefunden haben und wir uns schon über ein warmes Bett freuten, wurden wir in die Lobby des ehemaligen Empfangsgebäudes gerufen, wo unser General uns aufs freundlichste darauf hinwies, dass wir etwas vergessen haben.
Also rissen wir uns noch mal zusammen, schulterten unsere Waffen und gingen die Treppe hinunter. Wir fanden uns vor einem Tor wieder, dessen Tür aus Meter dickem Stahl bestand. Jedenfalls, soweit es die Überreste erraten ließen. Sie war aus ihrer Verankerung gerissen und gegen eine Wand geschleudert worden, die unter der Tonnen schweren Last nachgegeben hatte. Was für eine Bestie hat solche Kräfte. In diesem Augenblick fühlte ich zum ersten mal seit meiner Dienstzeit wirkliche Angst. Ich mußte nur kurz in die Augen der anderen sehen um zu erkennen, dass es ihnen ähnlich ging. Mit einer Handbewegung wies ich das andere Team an, dass es die Räume auf der linken Seite kontrollieren sollte. Langsam schritten wir voran. Immer unsere Augen auf die helle Stelle des Kegels unser Taschenlampen achtend öffneten wir jede Tür, kontrollierten jeden Korridor, bis wir auf einmal auf eine Spur gestoßen zu sein schienen. Blut. Wir hatten das Versteck des Schlächters gefunden.
Über Funk versuchte ich das andere Team zu rufen. Doch aus dem kleinen schwarzen Apparat kam nur Rauschen. Ich wechselte die Frequenz und versuchte es noch mal, aber vergeblich. `Mist, was war da nur los`, dachte ich noch bei mir, als die Lösung vor uns lag. Es waren zwar nur die zerfetzten Überreste einer Panzerung, an dem noch warmes Blut klebte, doch an den Emblemen und Abzeichen konnte man eindeutig ein Mitglied von STISE erkennen. Verdammt, was war das nur, was wir da jagten. Aber wahrscheinlich würden wir das früh genug herausfinden. Ich signalisierte meinen Leuten, dass sie ab jetzt auf alles achten sollten. Kein Mucks, und schön im Gänsemarsch. Um das Sehen etwas zu erleichtern schaltete ich den MSS, den Multi Spektral Scan, dazu. Es macht die Nacht zum Tage, wie man so schön sagt, oder es erlaubt einen die Wärmesignatur zu sehen. Recht nützlich, das kleine Teil, hat mir schon so manche fiese Überraschung verdorben. Was natürlich positiv gemeint ist.
Leider verbraucht es sehr fiel Energie, weshalb man sparsam damit umgehen sollte. Denn sowohl das MSS als auch die Railgun hängen an der gleichen Batterie. Es kommt echt nicht gut, wenn man vor dem Gegner ohne Energie dasteht. Hat schon viele gute Männer das Leben gekostet.
Aber in diesem Augenblick, als ich die Überreste des anderen Teams sah, dachte ich, es wäre eine guter Zeitpunkt. So verschwand die Dunkelheit und ich konnte alles sehen, zwar nur schwarz weiß, aber besser als gar nichts. Trotzdem konnte ich nichts auffälliges sehen, weder so, noch mit ThermalScan. Wir liefen so eine ganze Zeit durch die verschlungenen Wege und fanden nichts. Kein Wesen, keine anderen Mitglieder und der Funk blieb auch tot.
Dies änderte sich jedoch schlagartig, als ich hinter mir einen Schrei hörte. Noch während ich mich umdrehte fingen die anderen an zu feuern. Es hatte Bones erwischt. Und damit meine ich ES. Mein ThermalScan erfasste jedoch nichts, nur die grauen Umrisse des NachtsichtScans ließen etwas erkennen. Das Wesen mußte mindestens zweieinhalb Meter groß sein und breit wie ein Schrank. Es sah auf den ersten Blick aus wie ein Mensch, aber die Analyse meiner Scanner erkannten, dass sein Körper durch einen starkes Exoskelett geschützt wurde.
Es hatte seine mit langen Klauen besetzte Hand um Bones Hals geschlossen und zog ihn zu sich hoch an die Decke, wo es mit der zweiten Hand durch seinen Brustkorb stieß. Stony und Lee feuerten aus Leibeskräften, jedoch schien die geballte Feuerkraft von Railguns und Stonys schwerer Gatling nichts auszurichten. Sie trafen Bones zuckenden Körper und den Panzer der Kreatur, der aber im Gegensatz zu meinem alten Weggefährten nicht zerfetzt wurde. Es schien nicht mal einen Kratzer abbekommen zu haben.
Noch bevor ich meine Waffe auf das Wesen richten konnte, war es verschwunden. Man mag es nicht für möglich halten, wie schnell dieser Koloss war. Ich hatte nur geblinzelt, schon war es verschwunden. Jetzt hatte ich keine Angst mehr. Ich hatte Panik.
„ Was war das ! “ schrie ich den anderen zu, die sich hektisch umsahen. Lee griff in seine Tasche, holte einige Leuchtstäbe hervor und warf sie in die Gänge der Kreuzung, auf der wir von diesem Biest überrascht wurden. „ Sir, was sollen wir tun, Sir ? “ fragte mich Stony hysterisch. „ Raus hier, aber dalli ! “ rief ich noch, als plötzlich etwas über uns knurrte, besser kann ich es nichts beschreiben. Ich mußte nicht hochsehen, um zu wissen, was es war, und sprang rücklings, während ich meine Railgun hob und mein ganzes Magazin 0auf das Wesen abfeuerte, welches sich gerade zwischen uns niederließ.
Ich sah dem Wesen nur kurz in die Augen ( oder jedenfalls das, was ich für die Augen hielt ) und schon war es wieder verschwunden. „ Sir, wir müssen hier raus ! “ schrie Stony. Kein schlechter Vorschlag. „ Ok, Leute, ihr habt ihn gehört ! “ Ich ließ Stony und Lee los rennen und folgte ihnen in einigem Abstand. Ich konnte einfach nicht zulassen, dass es noch einen meiner Jungs erwischt, ich hab schon genug Beileidsbekundungen geschrieben. Auf dem Weg hinaus blieben wir nur einige Male kurz stehen, um ein Magazin in die Dunkelheit zu entleeren. Schließlich erreichten wir das zerstörte stählerne Schott. Der kalte Schweiß lief von meiner Stirn und ich drehte mich ein letztes Mal um. Mit dem MSS konnte ich nichts erkennen, aber ich wollte warten, bis meine Leute einigen Abstand zwischen sich und dem Gebäude gebracht hatten. Denn es war meine Aufgabe, dass dieses Biest hier nicht lebend raus kommen darf.
Ich griff mit zitternden Händen in meinen Rucksack und holte die MiniBomb hervor, ein KleinstNuklearSprengsatz, den ein Teamleader immer bei sich trägt. Die Endlösung sozusagen. Da hier draußen wieder die Funkverbindung stand, meldete ich meinen Plan den General. Seine Antwort bestand aus eisigem Schweigen. Wahrscheinlich wußte er, dass es der einzige Weg war. Mein Herz schlug mit unglaublicher Geschwindigkeit und meine zittrigen Finger machten das Tippen auf dem Zahlenschloss nicht gerade einfacher. In einiger Entfernung hörte ich einen tiefen Schrei. Es kommt.
Endlich hatte ich die Bombe scharf. Mit schnellen Schritten lief ich wieder zurück durch das Schott in den Korridor und stellte die Bombe auf zwei Minuten. Das musste ausreichen. Über einen schlechten Funkspruch teilte mir der General mit, das alle evakuiert waren. Jedenfalls ein gutes Zeichen. „ Komm zu mir, du verdammtes Biest ! “ rief ich in die Dunkelheit und bekam ein tiefes Grollen als Antwort. Ich warf einige Leuchtstäbe in den Gang, damit ich das MSS ausschalten und so Energie für meine Waffe sparen konnte.
Noch dreißig Sekunden. Dann ist alles vorbei. Der Schlächter hatte sich noch nicht gezeigt, aber warum nur. Ich wäre keine große Hürde für ihn. Vielleicht machte es die Bombe nervös, die munter hinter mir piepte. Noch zwanzig Sekunden. Etwas bewegte sich in der Dunkelheit. Ein Schatten, hoffte ich. Leider war es anders. Die Kreatur lief auf mich zu. Jetzt gibt es Streß, mein Freund.
Magazin für Magazin feuerte ich auf den Schlächter ab, es schien jedoch nur wenig beeindruckt. Noch fünf Sekunden. Wir standen fast Auge in Auge gegenüber. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit. Ich warf mich mit meinem ganzen Gewicht gegen die Bestie, was zwar nur wenig ausrichtete, aber was besseres viel mir nicht ein. Ein lautes Piepsen signalisierte mir, es würde gleich Bumm machen. Nur kurz war ein gleißendes Licht zu sehen. Und als ich mich zu dem Schlächter umdrehte, glaubte ich für einen Augenblick so etwas wie Angst in seinen Augen gesehen zu haben, als es erkannte, was da auf ihn wartete.
Und ich sah, dass es gut war . . .
Kommentare
Walterjost@gmx.de schrieb am 2006-08-27 21:46:40:
Warum schreibst du nicht mal eine eigene Geschichte? Abschreiben von anderen ist keine Kunst.
Ich schrieb:
Das war echt gruselig...voll cool
leider@geheim schrieb:
Sehr eindrucksvoll!
Ich habe großen Respekt vor Schriftstellern, die sich trauen, aus der Ich-Perspektive zu schreiben.
Ich weiß wie schwierig das sein kann und auf wie viele Einzelheiten man zu achten hat. Respekt!
Tu der Welt einen Gefallen und hör nicht auf zu schreiben!
Leichnambreitung@web.de schrieb:
Man merkt, daß Du gerne mal im Kino nen Action-Film anschaust. Deine Story ist aber nicht wirklich angsterzeugend. Es ist aber, gerade in heutiger Zeit, wohl immer schwieriger, überhaupt noch Angst erzeugen zu können. (Oder Grusel.) Wenn Du beim Hobby Schriftstellerei bleibst (und Du bist noch verdammt jung), wirst Du selber merken, wie Du von Story zu Story immer besser in die Gänge kommst. So, und nun lese ich noch paar andere Geschichten von Dir.
Diddl216713636@aol.com schrieb:
Hey die Geschichte ist echt voll cool ich hoffe du wirst noch so eine schreiben oder am besten gleich mehrere ich find die echt einsame spitzte!
Schick mir doch mal dein nächstes Werk zu ich würde mich wahnsinnig freuen!!!!!!!
Shakti1420@gmx.de schrieb:
Erinner irgendwie verdammt an John Sinclair aber der Schreibstil ist gut immitiert. Wenn du die nächste Storry drausen bitte Mail an mich. Danke!
Shakti1420@gmx s schrieb:
Sorry storry verwechselt.
daoc-item(at)gmx.de schrieb:
Ich finde die Geschichte nicht schlecht, aber umgehaun hat sie mich leider auch nicht. Dafür waren einige Stellen zu einfach strukturiert und ich finde auch das viel der Atmosphäre durch detailreiche Beschreibung entsteht und nicht durch "wir gingen durch die Gänge, die einen schickte ich Links" Das hört sich langweilig an und ist es auch.
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