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Kategorien > Alltag > Gefühle

A la paya

von Azul Martinez

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Die Sonne brannte wie Feuer. Sengend legte sich die Hitze wie ein unsichtbarer Nebel über den flachen Hügel und verarbeitete die halbnackte Menschenmasse in sich pellende Grillwürstchen. Am Fuße breitete sich der Strand des kleines Sees aus und lud diverse Sommersüchtige zum Planschen ein. Rechter- wie auch linkerhand umrahmten Schilfshäufchen das sonnige Schauspiel auf dieser feuchtfröhlichen Wasserbühne und boten gleichzeitig geeigneten Platz für die Brutstätten aller möglichen heimischen Wasservöglein. Nicht eine einzige weißflockige Wolke verunzierte das fast schon zu leuchtende Himmelblau. Ja, die Szene hätte aus einem x-beliebigen Bilderbuch stammen können und ich musste mich zusammenreißen angesichts dieser viel zu hohen Klischeedichte nicht kotzen zu müssen. Es war wirklich jedes Jahr die selbe Scheiße! Sobald sich die Sonne für eine halbe Sekunde das erste Mal im Jahr blicken ließ, gerieten alle total aus dem Häuschen und veranstalteten immer das selbe Ritual des Sonnenanbetens, als wäre der Mensch an der Spitze der Evolution zu nichts anderem geschaffen worden, als sich allertags in die Sonne zu knallen und wie eine aufquellende Bockwurscht im siedenden Nass auf ihr Platzen zu warten (verzeiht den erneuerten Vergleich mit einem Fleischverarbeitungsprodukt, aber das passt nun mal am besten angesichts dieser hirnlosen Fleischmasse in diesem überdimensionalen Backofen).
Ich lag auf einem Handtuch mittendrin, eingeschmiert mit mindestens zwei Kilo Sonnencreme, und versuchte so zu tun, als wäre mir recht wohl zumute. War mir allerdings nicht! Neben mir lag, ebenfalls halbnackt, eine wunderschöne Frau, die ich seit Ewigkeiten kannte. Jetzt könnt ihr euch vielleicht auch ausmalen, warum ich mich dieser fragwürdigen Tortur aussetzte, an einem meiner wenigen freien Tage zum Arsch der Welt zu dackeln, nur um meine Birne im sommerlichen Tageslicht braten zu lassen (welches ich normalerweise mied, wie Dracula es wohl tun würde), nur weil eine wunderschöne Frau neben mir lag. Dabei waren sexuelle Absichten überhaupt nicht im Vordergrund, oh nein, so weit dachte ich noch nie im Voraus, aber seien wir mal ehrlich: nur um die Gegenwart einer wunderschönen Frau zu genießen, taten Männer ja wohl zunächst erst einmal ungefragt alles, selbst wenn sich jede Faser in ihnen dagegen sträubte. Wahrscheinlich gab es dafür auch nur die wunderschönen Frauen. Damit wir faules Männerpack mal außer Haus kommen und den Fernseher abgeschaltet beziehungsweise das Bier ungeöffnet im Kühlschrank lassen zu können. Ist natürlich nur eine Theorie von mir.
Neben dieser Frau also, der wunderschönen, die ich seit Ewigkeiten kannte, lag ich Torfdepp nun und auf der anderen Seite von ihr lag eine andere Frau und blätterte in einem IKEA-Katalog herum. Ihre Freundin. Nicht unbedingt hässlich aber auffallend weniger wunderschön. Das war aber nicht der Grund, warum sie mich nicht interessierte. Ich kannte diese Freundin nur nicht, das war alles.
Links neben mir lag ein Kerl, den ich auch nicht kannte, ebenfalls halbnackt, und versuchte die ganze Zeit ein Gespräch mit mir anzufangen. Ein Unterfangen, welches ich die ganze Zeit erfolgreich zu ignorieren vermochte. Versteht mich nicht falsch, er war kein Hornochse (mit Hornochsen versuche ich nämlich auch immer nicht zu reden - besonders wenn sie es mit mir versuchen), nein, augenscheinlich schien der Kerl sogar echt was auf den Kasten zu haben und immerhin so viel Humor zu besitzen, dass er mein Interesse wecken könnte. Trotzdem wollte ich mich nicht mit ihn beschäftigen, denn ich hatte weiß Gott anderes im Kopf.
In meinem Schädel wummerte es so wie in solch einen Techno-Zappelschuppen, wo man allein von der Lichtanlage epileptische Anfälle bekommt. Meine Gedanken zwiebelten von A nach B (und witzigerweise auch hin und wieder nach C), so dass ich bereits vor Stunden aufgegeben hatte, den Überblick zu behalten. Sich gegenseitig bekriegende Geistesblitze, angereichert mit bizarren Visionen, entfachten unter meiner Schädeldecke ein Feuerwerk, welches in der Realität seinesgleichen suchte und hinterließen bei mir stark den Eindruck, dass mein Gehirn sich schon mal vorsorglich einen Platz in der Klapse reserviert hatte, ohne mich zu informieren. Dies schien man mir auch von außen anzusehen, denn plötzlich sprach die zum notzüchten schöne Frau neben mir mich direkt an:
»Alles okay bei dir?«
»Ja...hm, ja.« antwortete ich.
Das war natürlich glatt gelogen. Eigentlich wusste ich bereits, was ich ihr sagen sollte, oder vielmehr, was ich ihr sagen wollte. Ich konnte es nur nicht. Natürlich durchschaute sie meine Lüge sofort, denn sie war eben nicht nur wunderschön sondern auch überhaupt nicht auf den Kopf gefallen. Dennoch ging sie nicht weiter darauf ein und wandte sich wieder ihrer Freundin zu. Um mich abzulenken, versuchte ich einfach deren Gespräch zu folgen. Ohrenscheinlich ging es um Träume im Allgemeinen und Tagträume im Besonderen.
»Wusstest du, dass Zahlen und Buchstaben in Träumen meist verkehrt herum oder kopfüber zu sehen sind?«, fragte der nicht ganz so wunderschöne Frau.
»Verkehrt herum?«, erwiderte die weitaus Schönere.
»Na so wie spiegelverkehrt halt.«
»Du meinst Spiegelschrift?!«
»Ja genau, oder eben auf den Kopf halt. Oder manchmal nur rückwärts, also halt so ähnlich wie Spiegelschrift.«
Sie benutzte oft das Wort „halt“. Ich denke mal mehr als Lückenfüller. Als ob dadurch, wenn man mehr zu sagen hat, dem Besagten auch mehr Bedeutung zugemessen würde
»Und wo hast du das her?«, fragte nun die Schönere (und wie ich mittlerweile dachte auch Klügere). »Hast du das irgendwo gelesen?«
»Nee.« (Natürlich nicht. Im IKEA-Katalog steht so etwas nicht.) »Hab ich in 'nem Film gesehen.«
Natürlich wusste ich genau, welchen Film sie meinte, ja konnte sogar die entsprechende Szene fehlerfrei herunterbeten. Es handelte sich um den qualitativ fragwürdigen Peter Hyams’ Streifen “End of Days” mit Arnold Schwarzenegger und Gabriel Byrne. Darin geht es um den Teufel höchstpersönlich, der in menschlicher Gestalt anno 1999 auf die Erde herumgurkt, um das Ende eben dieser herbei zu führen, indem er eine Auserwählte bumst. Arnie versucht natürlich dem Ganzen mit möglichst großkalibrigen Argumenten entgegen zu wirken. Das geht natürlich gründlich in die Hose, denn den Teufel kann man ja nicht einfach so mir nichts, dir nichts Peng!-du-bist-tot-mäßig über den Haufen ballern. Am Ende sieht Arnie dann ein, dass er nur mit seinem längst verlorenen geglaubten Glauben gewinnen kann (das soll dann wohl auch die Moral des Films sein, aber alles, was das nicht so hübsche Mädchen damals mitgenommen hatte war: Buchstaben und Zahlen erscheinen in Träumen immer spiegelverkehrt oder kopfüber - oder eben rückwärts). Ziemlich hohler, wenn auch recht amüsanter Film. Zu Mal der Ex- Mister Universe sich als Möchtegernschauspieler eines recht belustigenden Kult nicht erwehren konnte - auch wenn er seinerzeit so wenig mit Schauspielerei zu tun hatte, wie ein

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