Aber das Leben ist trotzdem schön
von
Kalliope
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“Er hat mich gestern drei mal angerufen.”
“Er hat was?”
“Mich drei mal angerufen.”
“Ja, ich weiß schon.”
“Warum fragst du dann?”
“Warum sollte er das tun?”
“Ich weiß es nicht. Er hat mich verlassen. Er soll mich in Ruhe lassen.”
“Aber du liebst ihn doch?”
“Du weißt es?”
“Mir kannst du nichts vormachen.”
Sie schnaubte. Wenn es doch so wäre.
“Ich konnte es dir nicht sagen. Aber er hat es jedesmal eine halbe Minute klingeln lassen. Wenn er Geld auf dem Handy hat, dann hat er es nur für zwei Tage, und dann wieder keins.”
“Du hasst ihn.”
“Natürlich.”
“Und was machst du jetzt?”
“Warten, bis er wieder Geld auf dem Handy hat und mich drei Mal anruft. Oder auch nicht. Ich
erwarte es nicht. Es war Zufall. Vielleicht geh ich auch ran. Er ist der Einzige, der mich anruft.”
“Und dann? Was willst du ihm sagen?”
“Nichts. Ich werde so tun, als wäre es wie immer. Ich tu immer als wäre es wie immer. Es gibt
sozusagen gar kein richtiges immer, weil ich ja immer so tue, als wäre es wie immer. Verstehst
du?”
“Nein, tut mir Leid.”
“Ich meine, ich werde so tun, als wären wir Freunde und alles, und ihm ausweichen, wenn er mich treffen will.”
“Aber du wolltest ihn doch auch schon treffen!?”
“Ja, weil ich ihn liebe.”
“Aber dann bist du ihm auch ausgewichen?”
“Ja, weil ich weiß, dass es nicht geht, verstehst du? Wir dürfen uns eigentlich gar nicht kennen! Das ist doch krank! Warum konnten wir nicht einfach Schluß machen, dann hätte ich nie wieder etwas von ihm gehört! Warum musste er einen auf tolerant machen? Muss man sich wirklich eine Freundschaft bewahren, wenn die Beziehung kaputt gegeangen ist? Das macht das ganze doch nur schlimmer!”
“Ich wünschte, ich könnte es dir sagen. Aber davon habe ich keine Ahnung, du weißt ja.”
Sie schnaubte erneut. Musste sie ihr es auch noch unter die Nase reiben? Sie fuhr fort.
“Aber ich glaube nicht, das es das ist, was du wirklich willst, oder?”
Sie schüttelte den Kopf. “Nein. Ich will ihn. Und ich will ihn nicht. Ich weiß nicht, was ich will.”
“Und wenn ich es ihm sage?”
“Nein. Das wäre albern. Es ist völlig albern. Jemanden zu lieben, den man seit anderthalb Jahren
nicht mehr gesehen hat. Außerdem hat er sich doch entschieden.”
“Aber er hat dich drei mal angerufen.”
“Er meint, er müsste sich für seine Toleranz rühmen. Das ist das, was mich kaputt macht.”
“Toleranz ist das Schlimmste, was es gibt.”
“Ja.”
“Und wenn es nicht so ist?”
“Das möchte ich lieber nicht wissen. Denn auch dann darf ich nichts mit ihm zu tun haben, um
mich nicht selbst zu beleidigen. Ich muss so tun, als wäre ich stark und hätte meinen Stolz. Um
meiner selbst willen, ich darf nicht einen Fehler zwei mal machen.”
Schweigen.
“Also, du wolltest es ihm am Liebsten sagen aber du darfst es ihm nicht sagen.”
“Ja, ich wöllte ihm alles entgegenschreien, den Schmerz der Trennung und die Beleidigung seiner Freundschaft und die Qual meiner Liebe und die Torheit meiner Gefühle und ich wollte es mir eingestehen, dass es trotzdem so ist. Und ich möchte ihn beleidigen und ihn schlagen und für seine Dummheit tadeln und für seine Pseudo-Liebe hassen und ich möchte ihn küssen und ihm sagen dass er mich ja nie wieder verlassen soll. Aber ich darf nicht. Und ich könnte auch gar nicht. Wenn ich mir etwas wünschte, dann dass ich meine Gefühle ohne Scham und ohne Überwindung preisgeben könnte wann immer ich wöllte.”
Schweigen.
“Und du darfst nicht mit ihm zusammen sein und er darf den Kontakt nicht abbrechen und nicht
aufrecht erhalten.”
“So ist es.”
“Dann kann dir keiner helfen.”
“Nein.”
Schweigen.
“Und dass trägst du anderthalb Jahre mit dir herum?”
“Zwei Jahre.”
“Aber warum?”
“Ich sagte dir doch bereits, ich könnte es niemanden sagen.”
“Aber jetzt hast du es getan.”
“Es fühlt sich an als hätte ich kotzen müssen.”
”Ich verstehe, auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann.”
“Tia.”
“Ich hätte dich niemals, niemals auch nur für eine Sekunde verlassen dürfen.”
“Nein, das hättest du nicht.”
“Aber du weißt, dass das nicht geht?”
“Ja.”
“Du...du hast ein Problem.”
“Nein. Ich habe viele Probleme.”
“Man kann sie nicht lösen.”
“Nein kann man nicht. Aber ich will auch kein Mitleid deswegen.”
“Darum lebst du, als ob nichts wäre.”
“Es ist nichts.”
Schweigen.
“Du hast doch gesagt, dass Einzige was zum vollkommen Glück führt ist die beidseitige Liebe.”
“Ja.”
“Und du hast auch gesagt du wirst ihn bis ans Ende deines Lebens lieben.”
“Ja, das werde ich.”
“Und du hast gesagt, du kannst nur einen Menschen lieben.”
“Nein. Vielleicht ist es so. Ich weiß es nicht.”
“Aber du hast Angst, dass sich nie jemand in dich verliebt.”
“Ja, und dass ich mein Leben lang allein bleiben werde.”
“Dann wirst du niemals glücklich werden.”
“Nein. Aber das Leben ist trotzdem schön.” Sie lächelte.
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Kommentare
Adlatus schrieb am 2007-11-12 11:19:47:
Hallo, sicher gut geschrieben aber es zeigt die Gefühlswelt eines Teenagers. Du kannst sicher sein, in spätestens 10 Jahren denkst, fühlst und schreibst Du anders. Ehrlich;-)
Kalliope schrieb am 2006-07-13 14:18:31:
Danke!
Wenn ich die Idee für den Titel und den Schluss nicht gehabt hätte, hätte ich nicht gewusst, wie ich es sonst machen sollte.
Ansonsten glaubst du doch nicht ernsthaft (ich bring dich um wenn du jetzt Doch! sagst) dass es Jungen gibt, die auf einen zukommen und sagen: "Hey! Du schreibst nicht zufällig, oder?! Dann wärst du nämlich meine Traumfrau!" oder "Das Hobby/ die Persönlichkeit eines Menschens ist mir das Wichtigste."
Nee, ich weiß ja, du meinst es nur gut, aber ich red mir lieber erst keinen Schwachsinn ein.
LG Kalli
Vinicius schrieb am 2006-07-03 16:36:49:
Hallo
Was ist das nur für eine schrecklich tief(er)greifende Geschichte! Einglück du hast sie aufgeschrieben und sie bleibt für immer erhalten.Naja fast.
Zum Sachlichen: guter Dialog fast Stichometie;) und vor allem lebensnah."Das Leben ist totzdem schön" besser hättest du Titel und Ende nicht wählen können!Allgemein schöne Abwechslung des Gespräches!
Bestimmt findest du jm. Neues den du lieben kannst + der dich lieben wird
(bei so tollen schriftstellerischen Fähigkeiten!) .....
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