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Kategorien > Liebeskummer > Herzschmerz

Abfuhr = abgefahren ???

von Hösemöhöh

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Erwachen.
Kopfschmerz... Gefühl von abgrundtiefem Ekel vor sich selbst : Der Geschmack im Mund : Eine Mischung aus dem gestrigen Alkohol- und Nikotinkonsum ... und ein bisschen Erbrochenes ist auch dabei ... es könnte kaum besser sein.
Die Hand greift zur Wasserflasche am Bettrand ... aber sie greift ins Leere. >So ein Mist aber auch... vergessen, sich Wasser mit ans Bett zu nehmen. Und die Fenster sind auch verschlossen ... einfach abgefahren.< Jäher Schmerz durchforstet ihn... ein anderer Schmerz, als den, den Alkohol im Kopf verusacht... ein anderer, als den, den man sich am Türrahmen oder auf dem Fußballplatz, auf der Treppe oder bei einem Unfall holt.
Er sitzt an einer Stelle, wo man sich nicht kratzen kann ... wohin kein Zugang gelegt werden kann
und wo medikamentöse Behandlung nur sporadisch hilft. Alkohol ... das betäubt den Schmerz .. hat ihn betäubt ... aber das war gestern ... was bleibt sind die Nebenwirkungen (Kater !) und ein Wiederaufkommen dieses unerbitterlichen Schmerzes. Vergebliche Bemühung, ihn zu lokalisieren... irgendwo zwischen Herz und Gehirn... ja vllt auch im Rückenmark liegt er, der Schmerz... weil jegliche Bewegung wie ein Triathlon erscheint: man nimmt sich die Kraft, blendet alles andere aus - man führt die kurze Bewegung, sprich, ein Drehen auf die andere Seite, sodass man nun die Wand anguckt, aus - das Wiedereinblenden der Gedanken.
Es ist wie immer ein fester Tritt in die Magengegend ... und schnell hat sich der Schmerz wieder dahin verfrachtet, wo er unerreichbar ist.
Ja ... abgefahren war das Wort, das im Augenblick die Schmerzen auslöste... nur warum ?
weil abgefahren aus selbem Wortstamm wie Abfuhr stammt... und das machte ihm Schmerzen.
In höchster Zuversicht hatte er sie gefragt.... es war offen gestanden unromantisch, aber das war egal... es war nicht wichtig, weil sie "ja" sagen würde, sie würde sicher "ja" sagen.
Es kam ein sehr höfliches, sicher nett verpacktes "nein" ... zumindest glaubte er, dass es nett verpackt war. Denn, nach dem sie lange nichts gesagt hatte und nur da saß und nervös lächelte, hatte sie sich dazu gerrungen zu sprechen. Und es war effektiver als jedes Betäubungsmittel der Welt: ein einfaches Wort : "nein"... das einzige, was er an diesem Abend verstand. Sie sprach weiter, er hörte nicht mehr zu. Er war in Trance, nein schlimmer, er war innerlich ruiniert. Für diesen einen Moment dachte er an nichts anderes als : "abgefahren"... "abgefahren, dass man sich so miserabel fühlen kann"...
es gibt für alles eine Steigerung ... das hatte er an diesem Abend begriffen... selten hatte er solchen Kater gehabt, eigentlich noch nie , jedenfalls nicht in diesem Ausmaß ...
jeder Gedanke an sie : ein Schlag ins Gesicht. Nein ... eigentlich nicht ins Gesicht... und auch kein Schlag... weil der Schmerz jede einzelne Nervenfaser seines Körpers erreichte... und es schien sich vom Herzen aus auszubreiten.
Nein, heute würde er nicht mehr an sie denken wollen.
Heute nicht.
Heute will er etwas unternehmen.
Morgen.
Morgen ist auch noch ein Tag.
Leider.
Nein... es wird auch wieder Tage geben, an denen man glücklich ist, dass es nicht der letzte war.
Was heute angeht... so dürfte es ruhig der Letzte sein.... da hätte er nichts dagegen.
Morgen.
Eines ist sicher: Morgen bin ich immer noch abgefahren !

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Kommentare

Dr.Soltberg schrieb am 2010-05-16 22:28:44:
Mein Gott, lieber Autor.

Dein Protagonist leidet ja wirklich.
Aber es ist ein schönes monologähnliches Werk, was du da erschaffen hast.
Ein schönes Konstrukt aus Emotion und Realität.

Und enden tut es natürlich, wie es immer enden muss.
Ja, man kann wirklich gut mitfühlen.
Die Stilmittel sitzen wirklich und Alles scheint sehr persönlich.

Eine rundum gelungene Geschichte,

mfG,
Dr.Soltberg

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