Abrechnung mit dem Ex
von
Stella G.
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Was für ein Tag! So beschissen wie jeder andere! Warum denk ich noch darüber nach? Es ist doch längst klar, dass das alles keinen Sinn mehr ergibt. Ich meine, nicht umsonst hänge ich jeden Abend an der Flasche und kann nicht mehr damit aufhören. Das hat doch alles seine Logik, ich bin es nicht mehr wert auf dieser Welt zu sein. Der liebe Gott da oben bemüht sich täglich, mich unter die Erde zu bekommen durch den ganzen Alkohol. Das ist doch inzwischen ganz offensichtlich. Jeden Tag trinke ich mehr, sogar das normale Bier reicht schon nicht mehr aus. Ich weiß zwar nicht, wie ich das noch lange finanzieren soll, aber darüber mache ich mir jetzt erst einmal keinen Kopf. Irgendwie werde ich schon an das Geld kommen, und wenn ich es mir irgendwoher klauen muss. Ist doch sowieso alles scheißegal! Anfangs waren es noch ein, zwei Flaschen, die ich mir abends so aus Langeweile genehmigte. Doch inzwischen wird es fast jeden Abend eine Flasche mehr. Seit letzter Woche trinke ich zum Abschluss auch noch einen kleinen Jägermeister, und wenn es mir so richtig dreckig geht auch etwas Süßes zum Nachspülen.
Ich glaube, ich bin jetzt bei der achten Flasche, der Abend soll also noch lang werden. Aber ich bin doch jetzt schon so müde... Trotzdem weiß ich, dass ich nicht vor der zehnten Flasche einschlafen kann. Und ohne Jägermeister sowieso nicht. Und mit diesen Tränen auf der Wange auch nicht. Woher kommen denn gleich nochmal diese Tränen? Ach ja, ich habe mich an diese Sekunden nach der Arbeit erinnert... Das war ein Schock! Der wird wohl nicht mehr so schnell aus den Adern fließen. Ich bin wie gewöhnlich und nichts ahnend mit den Bus nach Hause gefahren, als ich doch tatsächlich meinen Exfreund an der Bushaltestelle sehe. Ihm mit seiner Freundin. Ich wusste gar nicht, dass er eine Neue hat. Nach so kurzer Zeit. Ich meine, wir sind gerade mal eine halbe Woche auseinander... Aber sie ist allem Anschein nach wohl der Grund, dass ich keinen Liebsten mehr an meiner Seite habe. Er meinte zwar, dass es keinen Zweck mehr mit uns hat, weil wir ja soo verschieden wären. Aber Lügen war noch nie seine Stärke... Wohl wollte er nicht, dass ich mir etwas antue, an diesem Abend, als er mir am Handy mitteilte, dass es aus ist zwischen uns. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht mehr ohne ihm leben kann - mein Gott, ich fange schon wieder an zu heulen - und hatte diese Klinge in der Hand. Natürlich teilte ich ihm dies auch mit. Nach der neunten Flasche wird mein Hirn immer so schwummrig und ich quatsch all das aus, was ich niemals in meinem Leben bekannt geben würde. So war es auch an diesem Abend. Am nächsten Tag werden mir diese Fehler immer bewusst, aber dann ist es natürlich viel zu spät. Ich glaube, damals wollte er mich vor dem Schlimmsten bewahren, und meinte, dass ich schon einen anderen, einen besseren als ihn, finden werde. Mag sein, aber er kann mich nicht für immer von meinen Taten abhalten. Vielleicht wird es ja auch doch noch mal etwas zwischen uns, irgendwann. Doch dazu müsse noch ein wenig Zeit vergehen, so sagte er mir. Ich glaube allerdings, dass diese Zeit zu lange ist, und es bis dahin schon längst zu spät sein wird. Aber das braucht er ja nun wirklich nicht zu wissen. Sowieso war das doch alles quatsch, was er mir sagte! Er hat eine Neue, und wahrscheinlich war er schon mit ihr im Bett, als ich noch sehnsüchtig auf eine Nachricht von ihm wartete, ob wir uns nicht doch am nächsten Tag irgendwo treffen wollen. Aber sicher musste es so gewesen sein! Klar hatte er damals noch gesagt, dass er bei Freunden ist, oder dass er kein Geld für den Bus hat. Kein Geld, pah! Damals, als wir zusammengekommen sind, meinte er, dass er davon immer genug hat. Also diese Widersprüche, das ist schon irgendwie krass, die sind mir noch nie aufgefallen. Vielleicht sollte ich mir noch einen Schluck genehmigen, das macht mein Hirn rein, irgendwie. Irgendwie komisch, aber es scheint zu wirken.
Oh, es ist schon viertel zwei, ich glaube ich werde morgen wieder verschlafen. Aber das ist ja nicht so schlimm, mein Chef wird es mir schon nicht übel nehmen, da wir ja derzeit eh nicht so viel zu tun haben in der Firma. Und sollte er mich doch kündigen, was soll’s? Ich hab ja mein Bier. Umso besser eigentlich, dann hätte ich viel mehr Zeit zum trinken. Das ist doch sowieso viel sinnvoller, bei meinem verpfuschten Leben! Ich wollte doch eh schon immer mal arbeitslos sein, einfach nur auf der faulen Haut liegen, ausschlafen können und Bier trinken, den ganzen Tag; zum Frühstück, zum Mittag, und abends. Ja, das ist bestimmt geil! Aber noch bin ich nicht arbeitslos, noch muss ich morgen wieder zeitig aufstehen um den Bus nicht zu verpassen, um sinnlos auf Arbeit herumzusitzen, und um irgendwann wieder gestresst nach Hause zu fahren. Ja, um meinen Exfreund an der Bushaltestelle zu sehen, mit seiner neuen Freundin. Die sieht doch überhaupt nicht hübsch aus, wie kann er sie nur gegen mich eintauschen?! Das gibt mir doch den Anlass, noch einen Schluck zu nehmen... Was? Ist die Flasche etwa schon wieder alle? Na dann werde ich wohl aufstehen und mir den heißgeliebten Jägermeister holen. Der ist doch viel besser als mein Ex... schmeckt viel besser, und ist viel lieber zu mir. Er bringt mich sogar hin und wieder auf lustige Gedanken. Und manchmal, wenn ich das Bedürfnis habe, meine Klinge zu nehmen, spüre ich die Schmerzen dank ihm gar nicht mehr. Klinge...? Ja, das wäre doch mal was, so als kleine Abwechslung heute. Einen Grund habe ich ja wohl. Diese hässliche Frau an der Seite meines Geliebten, wäre das kein Grund? Aber sicher doch! Und außerdem spüre ich die Schmerzen ja eh nicht... Ich glaube, ich werde auch gleich mein Eisen bereitlegen, damit ich es morgen nicht zu Hause liegen lasse. Dann können die beiden erleben, was passiert, wenn man mich so einfach hintergeht. Ich hoffe für sie, dass sie sich nie wieder unter meine Augen trauen...
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