Abschiednehmen fällt immer schwer
von
Barbara Creep
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Zu oft schon habe ich den schweren Gang zum Tierarzt hinter mich bringen müssen. Zu oft habe ich mich schweren Herzens von meinem geliebten Kameraden für immer verabschiedet. Und doch werde ich es immer wieder tun, da ich mir ein Leben ohne den besten Freund des Menschen nicht vorstellen kann!
Wieder und wieder schwor ich mir, dass es das letzte Mal sei und ich mir keinen weiteren Hund anschaffen würde. Bisher konnte ich diesen Schwur jedoch nicht einhalten.
Mit dieser autobiografischen Erzählung möchte ich allen, denen es genauso ergangen ist wie mir, ein wenig Trost spenden und Mut machen. Und all denjenigen, die nicht verstehen können, warum Menschen um ein Tier so »übertrieben« trauern, verdeutlichen, warum ich so fühle und handel, und ein wenig von meinen bisherigen Erfahrungen berichten.
Häufig bekam ich zu hören, dass es doch nur ein Tier sei, welches verstarb. Aber für mich, sowie vielen anderen, ist eben nicht nur ein Tier!
Ich bin mit einigen Arten, die sich in unserem Haushalt aufhielten, groß geworden. Auch meine Eltern liebten ihre Tiere sehr. Einige Hamster, zwei Meerschweinchen, zwei Hunde, eine Katze, ein Wellensittich, unzählige Brieftauben und Kaninchen, eine weiße Maus und sogar ein süßes Ferkel, das sich später zu einem ausgewachsenen Schwein entwickelte, lebten mit uns zusammen.
Schon als Teenager besaß ich, obwohl ich das Wort »besitzen« ungerne benutze, einen kleinen Mischlingshund, den ich sehr lieb gewonnen hatte, wie alle anderen Vierbeiner auch. Aber diese Kleine gehörte nur mir - obwohl sich meine Mutter zu Anfang größtenteils um Pflege und Futter kümmerte.
Nur wenige Monate, nachdem ich meinen heutigen Ehemann kennenlernte, musste ich diese Hündin im Alter von elf Jahren einschläfern lassen. Sie litt an Krebs im Maul und drohte zu verhungern. Lange hatte der Tierarzt alles Mögliche unternommen, um meinen Liebling zu retten. Vergeblich!
Anfangs konnte Reinhard nicht nachvollziehen, obwohl auch in seinem Haushalt drei Katzen lebten, warum ich so lange um meinen verstorbenen Freund geweint habe. Zwar tat es auch ihm leid, dass die Hündin eingeschläfert werden musste, aber bis zu diesem Zeitpunkt wurde er noch nicht mit solch einer Situation konfrontiert. Außerdem waren seine drei Stubentiger erst wenige Monate alt und ihm blieb keine Möglichkeit mehr, um eine engere Verbindung zu meinem Hund aufbauen zu können.
Damals schwor ich mir zum ersten Mal, nie wieder solch eine tiefe Bindung zu einem Hund einzugehen und auch keinen weiteren Vierbeiner zu mir zu holen. Doch wie jetzt sicher sofort diejenigen denken werden, denen es genauso erging wie mir, ist es nicht bei diesem Vorsatz geblieben.
Vier Jahre später kam eine dreimonatige weiße Schäferhündin zu uns. Fast dreizehn Jahre begleitete Gina uns und bescherte uns viel Freude. Aber als auch sie eingeschläfert werden musste - Gina hatte ein schwaches Herz und höchstwahrscheinlich einen Herzinfarkt erlitten, von dem sie sich nicht erholte - machte auch mein Mann die bittere Erfahrung, sich von einem geliebten Freund zu verabschieden.
Er hing mittlerweile fast noch mehr an diesem Hund als ich und weinte bitterlich. Es fiel ihm sehr schwer, sich damit abzufinden, dass Gina plötzlich nicht mehr da war. Mir brach es das Herz, als ich ihren leblosen Körper in das ausgehobene Grab bettete und sie mit Erde bedeckte. Da schwor ich mir erneut, dass ich mir nie wieder einen Hund anschaffen würde.
Manch einer denkt nun vielleicht, dass ich übertreibe. Aus meiner Sicht, und sicher auch der von vielen anderen, die ihre tierischen Freunde ebenfalls sehr lieben und als Familienmitglied ansehen, übertreibe ich sicher nicht.
Für mich gelten Hunde, Katzen, Pferde und alle anderen Arten als Lebewesen, die genauso ein Recht darauf haben, geliebt zu werden, wie wir Menschen. Nur weil wir aufrecht gehen und denken können, besitzen wir noch lange nicht das Privileg in den Himmel gehoben zu werden. Und wer weiß schon, ob Tiere nicht doch denken können?
Manchmal höre ich die Worte: Tiere sind die besseren Menschen. Und denke dann: Da ist was dran! Jedenfalls kenne ich keine Gattung, welche aus purer Habgier oder Machthunger raubt und tötet.
Unsere Wegbegleiter lieben uns so, wie wir sind. Es ist ihnen egal, wie wir aussehen und ob wir reich oder arm sind. Sie beten uns an, auch wenn sie leider zu oft schlecht behandelt werden. Sie setzten sogar ihr Leben aufs Spiel, um uns zu beschützen. Ich nenne solch ein Verhalten bedingungslose Treue. Sind sie vielleicht doch die besseren Menschen?
Wenn ihre Zeit zu gehen gekommen ist, wollen wir uns einfach nicht von ihnen trennen. Wir wünschen uns, dass sie wenigstens noch ein paar Jahre bei uns bleiben können, obwohl wir wissen, dass es nicht möglich ist. Außerdem haben wir uns viel zu sehr an ihre Nähe gewöhnt, an ihre herzerwärmenden Blicke, die uns sagen, wie sehr sie uns mögen. An die täglichen Rundgänge, die wir gemeinsam unternommen haben. An den Unsinn, den sie als Welpe angestellt und uns damit zum Lachen gebracht haben und stets bringen.
Sie geben uns mehr, als sie von uns erhalten, und sind dankbar für jede Streicheleinheit, die sie von uns bekommen. Sie begrüßen uns freudig und trösten uns, wenn es uns schlecht geht. Sie fühlen mit uns, wenn wir krank sind, und heitern uns auf, wenn wir traurig sind. Für mich sind unsere Haustiere eine Bereicherung für geistiges und körperliches Wohlbefinden. Und sie sind wahre Freunde, auf die wir uns konstant verlassen können. In guten sowie in schlechten Zeiten.
Wenn sie uns dann verlassen müssen, sollten wir sie auch in Würde gehen lassen, denn sie haben ein Recht darauf. Ich weiß, dass es leichter gesagt, als getan ist. Und ich versuche schon jetzt, obwohl unser neues Familienmitglied, Bonny, erst viereinhalb Jahre alt ist, mich auf diesen schweren Tag vorzubereiten. Noch schiebe ich es weit von mir, aber ich weiß nur zu gut, dass dieser kommen wird.
Erst vor Kurzem war ich sehr traurig, als ich hörte, dass der Hund von einem netten Nachbarehepaar eingeschläfert wurde. Ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen und nachempfinden, was in ihnen vorging.
Ein anderes Mal sprach mich eine ältere Dame an, als ich mit Bonny vor einer Bäckerei auf meinem Mann wartete. Die Frau hatte wie gewohnt ein Leckerchen in der Tasche und fragte mich, ob sie es meiner Hündin geben dürfe - natürlich hatte ich nichts dagegen. Und als sie es Bonny reichte, stiegen Tränen in ihre Augen. Ich verstand sofort, warum es der Frau sehr schwer fiel, nicht lauthals zu schluchzen und bekam augenblicklich einen dicken Kloß im Hals.
Die Dame erzählte mir, nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatte, dass sie sich erst vor wenigen Tagen von ihrem geliebten Cockerspaniel getrennt hatte. Sie wollte es einfach noch nicht wahrhaben, dass ihr treuer Freund nicht mehr da war.
Wieder konnte mich in deren Lage versetzen. Obwohl Gina bereits über vier Jahre tot war, konnte ich mich noch genau daran erinnern, wie ich mich damals fühlte, als sie
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