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Kategorien > Brief > Abschied

Abschiedsbrief von Wellensittich Manky II.

von Tina

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Vorwort:

Mein Wellensittich war sehr krank, aber was er genau hatte, wusste auch der
Tierarzt nicht. Morgens brachte ich ihn wieder zum Tierarzt hin, fuhr
danach zur Arbeit. Als ich gegen Nachmittag nach Hause kam, lag er tot im Käfig.

Um die zahlreichen Erlebnisse mit ihm festhalten zu können, ließ ich ihn einen Abschiedbrief schreiben, in dem er unsere gemeinsamen Erinnerungen Revue passieren lässt. Die Ereignisse, die hier geschrieben stehen, sind wirklich genau so passiert!

Inzwischen erfuhr ich durch eine Obduktion, die ich durchführen ließ, dass der Kleine eine Megabakteriose (Going-Light-Syndrom) und außerdem ein Lungenödem hatte.



06.08.2007
Liebe Tina,
wenn Du das hier liest, werde ich nicht mehr da sein. Es war okay, dass Du mich heute morgen nochmal schnell zum Tierarzt gebracht hattest, aber genützt hatte es leider nichts mehr. Mach' Dir keine Vorwürfe, Du hast alles erdenkliche für mich getan und Tierärzte sind auch nur Menschen. Ich weiß, wenn ich über die Regenbogenbrücke fliege, dass ich meine drei Freunde wieder sehen werde und darüber freue ich mich.

Erinnerst Du Dich noch an Tweety, den "Normal-blau-weiß"-Wellensittich mit der chronischen Atemwegserkrankung? Er wollte mich erst gar nicht in seiner Nähe haben, kletterte immer von mir weg, wenn ich zu ihm kam. Drei Wochen lang habe ich um seine Gunst gekämpft und erst, als ich ihm sein Köpfchen kraulen durfte, war das Eis gebrochen. Von dem Tag an waren wir die dicksten Freunde.

Ich habe ihn spüren lassen, was Lebensfreude beinhaltet. Durch meine Anwesenheit hatte er sich wieder getraut, längere Zeit außerhalb des Käfigs zu verbringen, denn früher hatte er sich nur im Käfig sicher gefühlt. Ich hatte ihm gezeigt, dass es unheimlich Spaß machen kann, Papier anzuknabbern und diese Schnüre mit den bunten Holzteilen vom Regalbrett aus herunterzuwerfen. Du hattest uns ja regelmäßig mit neuen Spielsachen versorgt, damit wir keine Langeweile bekommen.

Tweety erzählte mir, dass er Dich sehr gern hatte, denn Du warst ganz anders mit ihm umgegangen, als seine vorherige Familie. Da war doch dieses noch sehr kleine Mädchen, das immer mit ihren Händchen in Tweetys Käfig grabschte, weil sie ihn für ein lustiges Spielzeug hielt. Und ihre Eltern waren auch nicht wirklich vorbildlich, beide rauchten stark, obwohl sie doch wissen sollten, dass Nikotin gefährlich für Wellis ist. Kein Wunder, dass Tweety sich da was weggeholt hatte.

Aber durch Dich war er ja fast wieder gesund geworden. Du hattest ihn immer wieder beobachtet und ihm sofort ein Meersalzdampfbad hingestellt, wenn er mal schlecht Luft bekam. Das hatte ihm gut geholfen. Tweety hatte mir viel von Dir erzählt, auch aus den Zeiten, als er noch allein mit Dir war.

Er hatte mir auch von Pucki erzählt, dem Welli, der Deiner Oma gehörte und eingeschläfert werden musste, weil er schwer krank war. Du hattest sofort erkannt, dass es ihm alles andere als gut ging, aber dass er sterben musste, darauf warst Du nicht gefasst. Und da niemand anders da war, mit dem Du hättest reden können, hattest Du dich Tweety anvertraut und er spürte sofort, dass Du sehr traurig warst.

Tweety hatte Dich genauso beobachtet, wie Du ihn und er hatte viel von Dir gelernt. Es gefiel ihm, dass er anhand Deiner immer wieder kehrenden Gesten ablesen konnte, was wann passiert, z.B. wann Du aufstehst und wann Schlafenszeit ist. Und Du hattest ihn wissen lassen, dass Du Dich darüber freust, wenn er aus dem Käfig herauskam und eine Runde im Wohnzimmer herumflog. War es wirklich so, dass er an diesem traurigen Pucki-Tag vier große Runden drehte, ohne zu hecheln? Da kann ich mir gut vorstellen, dass Du glücklich über seine Aktion warst, denn das war für einen Welli mit chronischer Krankheit eine stramme Leistung.
Ja, ich hatte Tweety sehr vermisst, als er über die Regenbogenbrücke flog, aber in seinen letzten Tagen war er einfach zu schwach geworden und konnte nichts mehr fressen. Da war es durchaus angebracht, ihn erlösen zu lassen.

Nach Tweety kam ja Thommy zu uns, ein "Grauflügel-normal-blau"-Wellensittich, der es faustdick hinter den Gehörgängen hatte. Er kam vermutlich aus derselben Züchtung, wie ich. Irgendwie bin ich mit dem Kleinen nie ganz grün geworden, aber ... was tut man nicht alles, um nicht allein bleiben zu müssen. Du weißt ja selbst, dass ich ein friedfertiger Welli war, der Streit lieber aus dem Weg ging.

Thommy war ein kleiner Lausbube, der ständig irgendetwas anstellte oder etwas anknabberte und sich dann wunderte, dass er entweder Schimpfe von Dir oder einmal sogar Bauchweh bekam und zum Tierarzt musste.

Erinnerst Du Dich noch an seinen ersten Ausflug außerhalb des Wohnzimmers? Ich wusste, dass der Perlenvorhang dazu da war, damit wir "Zwerge" im Wohnzimmer blieben. Thommy war das anscheinend nicht klar und da der Vorhang ein Stück zu kurz ist, war der kleine Weltenbummler nicht mehr aufzuhalten. Ich hatte mehrmals nach Dir gerufen, aber Du warst wohl zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu Hause.

Ich weiß nicht, wie lange Du weg warst, aber als Du zurückkamst, hattest Du Thommys Verschwinden schnell bemerkt. Leider können Wellensittiche nicht sinngemäß sprechen und so musste ich eine Pantomimensprache anwenden, um Dir begreiflich zu machen, dass Thommy hinter dem Vorhang zu suchen war. Also flog ich, nachdem Du mich fragtest, wo Thommy denn sei, auf den Perlenvorhang zu und wieder zurück zum Käfig. Aber erst nach dem dritten Flug hattest Du begriffen, was ich meinte.

Natürlich war ich sofort bereit, Dir zu helfen, Thommy wieder zurück zu lotsen, denn schließlich war ich für den Kleinen ja mit verantwortlich und als Artgenosse auf jeden Fall ein guter Assistent. Ich hatte - auf Deine Bitte hin - Thommy gerufen, damit er antwortete und Du ihn finden konntest und gemeinsam haben wir ihm dann den Weg zurück ins Wohnzimmer gezeigt. Eine gut gelungene Teamarbeit. Diese Aktion hatte Thommy sich anscheinend gemerkt, denn danach hatte er nicht mehr versucht, aus dem Wohnzimmer auszubüxen.

Wenige Wochen später entdeckte Thommy einen neuen Landeplatz auf der Gardinenstange und fühlte sich sichtlich wohl dort. Du hingegen warst alles andere als begeistert darüber. Als Du vom Einkaufen wiederkamst, konntest Du uns erst nicht finden. Deine nach uns rufende Stimme klang sehr sorgenvoll, also beschloss ich, Dich nicht im Ungewissen zu lassen und machte mich leise zwitschernd bemerkbar. Erstaunt blicktest Du zu uns hoch und während ich mich verlegen räkelte, machte Thommy ganz unbekümmert sein Mittagsnickerchen. Dir gefiel es nicht, dass wir täglich dort oben hockten, aber verbieten konntest oder wolltest Du es uns auch nicht.

Thommy hatte ein vermehrtes Schlafbedürfnis, was uns beiden Sorgen machte, aber der Tierarzt konnte nichts ungewöhnliches an ihm feststellen, bis Thommy eines Tages aus heiterem Himmel Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle bekam. Dann war - nach entsprechender Behandlung - wieder alles im Lot und wir

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Kommentare

Frau Sonnenschein schrieb am 2008-10-30 10:19:27:
.. mir war es ein bißchen zu viel Vogelgezwitscher. Ich habe dann wieder angefangen zu überfliegen...
Aber die Idee ist großartig und sehr sehr süss... und auch gut geschrieben. Mir persönlich nur mal wieder zu lang :-)
LG
Traumfänger schrieb am 2008-10-28 09:20:19:
Wunderschön!

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