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Kategorien > 2. Weltkrieg > Spannung

Abtransport

von King - Karados

Der Zug ratterte. Die Wagons die über die eisigen, Frost überzogenen
Schienen schlitterten, schlugen lauthals gegen einander, wenn dieser die
Richtung wechselte. Anna stand in Mitten diesem von Menschen überfüllten
Zuges, der für sie Leben aber auch den Tod bedeute könnte. Sie zitterte.
Krampfhaft versuchte sie ruhig zu bleiben, doch es gelang ihr nicht. Sie
durfte jetzt nicht die Nerven verlieren, dachte sie und schaute nach ihrer
Tochter. Anna hielt sie an der rechten Hand um sie nicht im Gewirr der
Menschen zu verlieren. Das kleine Mädchen war abgemagert, bleich und ihre
glasigen Augen starrten ins Leere. Sie hatte viel mit angesehen, zu viel.
Ihre kleine Seele war zersprungen, zersprungen wie all das Glas in der
Reichskristallnacht. Anna sah sich um. Etwa 50 Menschen drängten sich in
diesen Wagon und alle erwartete das gleiche, grausame Schicksal. Der Zug
wurde langsamer. Unruhe kam auf. Etliche drängten sich weg von der Tür, aus
vergeblicher Hoffnung nicht entdeckt zu werden. Der Zug hielt. Es wurde
still im Wagon und jeder lauschte den strammen schritten, die sich dem Tür
von außen näherten. Ein Schlüssel drehte sich im schloss und die Tür wurde
mit einem Ruck zu Seite gezogen. Sonnenlicht drang in die Dunkelheit und
blendete Anna für kurze Zeit. Sie hörte eine grobe, raue Stimme:
"Aussteigen! Ihr Russenpack." Annas Augenlicht kam langsam wieder und sie
trat langsam hinter den Anderen aus dem Zug. Es war kalt, eisig kalt. Also
mussten sie noch in Russland sein. Anna war erleichtert. Sie sah keine
Mauern oder Zäune, kein KZ. Sie standen auf einer Brücke. Der Wind blies
stark und der Soldat, der unverkennbar durch seine rote Armbinde ein
Deutscher war, hielt sich mit der linken Hand den Schnee aus dem Gesicht.
Außer ihm standen noch etliche andere Soldaten auf der Brücke. Sie öffneten
die anderen Türen der Wagons und zogen die Gefangenen aus dem Dunkeln.
"Aufgepasst! Alle Russen in einer Linie an die Brüstung stellen!" schrie ein
Soldat und schupste einen Russen in Richtung Brücken Ende. Anna fasste die
hand ihrer Tochter fester und folgte den Anwesungen. Die Anderen folgten
ihr. Sie hatte Angst. Die Deutschen vor sich und den Fluss hinter sich, kein
Ausweg. Ein Soldat schritt vor ihnen auf und ab. Er schien zu warten, dass
die restlichen Wagons geleert und ihre Gefangenen an der Brüstung standen.
Plötzlich durchschnitt ein wütender schrei die Stille. "Ein Russe flieht,
ein Russe flieht!" Ein großer, blonder Mann brüllte die Worte zu seinen
Leuten. Es wurde unruhig. Man konnte sehen wie die anderen Gefangenen ihre
Fluchtchancen ausrechneten und dann entweder hinter ihrem Genossen die
Brücke entlangliefen oder an Ort und stelle zu bleiben. Es waren nur etwa 5
Leute die sich für die Flucht entschieden, der Rest starrte gebannt den
Flüchtenden nach und hofften, dass diese es bis zum Ende schaffen würden.
Doch vergeblich. Ein deutscher Offizier stieg aus dem letzten Wagon aus und
legte auf die Rennenden an. Die Schüsse saßen perfekt, einer nach dem
anderen vielen auf den Schneebedeckten Boden. Langsam trat wieder Ruhe ein.
Eigentlich war es eher eine bedrückende Stille, die von den Gefangenen
ausging. Der Offizier schritt gemächlich etwa in die Mitte der Reihe von
zitternden und ängstlichen Menschen und musterte sie. Nach einer kleinen
Ewigkeit fing er an zu sprechen. "Ihr hab gesehen was passiert, wenn man
nicht tut was wir sagen! Also von nun an wird getan was, ich sagen sonst
fahrt ihr gleich eine Station weiter, direkt nach Auschwitz! Verstanden?"
Niemand sagte etwas. Der Offizier grinste zufrieden. Ein Soldat mit einer
großen Rolle Stacheldraht kam auf sie zu. Er wartete darauf, dass ihm sein
Offizier ein Zeichen gab und suchte sich dann hämisch grinsend sein erstes
"Opfer" aus. Ein dürren Mann und sein Sohn hatte er sich ausgesucht. Er ging
auf sie zu und rollte etwas des verrosteten Metallsdrahtes ab. Alles war
still. Der Soldat rückte das rechte Bein den Vaters und das Linke des Sohnes
zusammen und wickelte der Stacheldraht brutal um diese. Die Stacheln bohrten
sich ins Fleisch und der Rost brannte fürchterlich. Die Luft war erfüllt von
Schreien und wehklagen, der Zusammengebundenen. Anna zog sich ihren
unauffällig ihren Schuh aus und gab ihn ihrer Tochter. Er war höher als
ihrer und sollte verhindern, dass die Stacheln in ihre Haut stachen. Dann
waren die Soldaten schon bei ihr. Erst legte der junge Mann, in Uniform, der
Draht ganz leicht um ihr Bein. Für einen kurzen Moment glaubte sie er wolle
sie verschonen. Doch dann zog er fest. Es trieb ihr die Tränen in die Augen.
Der Schmerz war unvorstellbar. Sie hatte keinen Schutz am Bein, nur nacktes
Fleisch. Ihre Hand krallte sich in die Hose, sie schloss die Augen, doch sie
gab keinen Laut von sich. Die Soldaten brauchten etwa eine Stunde um immer
Zwei an sich zu fesseln. Noch verstand keiner warum. Die Soldaten bauten
sich vor den ersten 5 Paaren auf. Dann fing der Offizier an zu lächeln und
nickte kurz. Die Schüsse kamen unerwartet. Die Soldaten hatten immer nur auf
einen der Paare geschossen, doch Beide stürzten von der Brücke. Keiner der
gefangenen wagte es sich umzudrehen, doch jeder hörte den Aufschlag der
Körper auf dem Wasser. Noch einige Sekunden konnte sich der Lebende an der
Oberfläche halten, dann wurde vom Gewicht des Toten unter Wasser gezogen. Er
ertrank. Die Soldaten luden nach. Die nächste Halbe Stunde war die Luft rund
um die Wolga mit Bitten und Flehen derer gefüllt, die sich noch nicht in ihr
Schicksal gefunden hatten. Dann war Anna an der Reihe. Der Soldat vor ihr
war der gleich wie zuvor. Anna wollte nicht das er auf sie schießt, sie
wollte, nicht das ihre Tochter elendig ertrinken sollte. Doch das konnte sie
nicht vor ihr sagen. Sie würde es nicht verstehen. Es gab nur eine
Möglichkeit. Anna nahm ihre Tochter in die Arme und wartete bis die Soldaten
anlegten, dann ließ sie sich nach hinten fallen. Ihre Tochter stieß einen
spitzen Schrei aus, als sie die Brücke hinunter fielen. Anna hörte noch den
Knall und glaubte die Kugel über ihnen lang zischen zu sehen, doch dann
tauchten sie schon ins Wasser ein. Das Wasser war kalt, viel zu kalt. Anna
wusste, dass sie aus dem Fluss mussten, sonst würden sie erfrieren. Prustend
tauchten sie auf. Ihre Blicke gingen nach oben. Es hatte niemand bemerkt.
Sie hatte den Richtigen Zeitpunkt ausgesucht. Nun hatte sie es geschafft.
Nun hatte sie eine neue Chance. Eine Chance die sie nutzen wollte. Anna zog
sich und ihre Tochter an das Ufer der Wolga und blieb kurz vor Anstrengungen
liegen. "Nur kurz", dachte sie, "nur kurz". Dann wurde ihr Schwarz vor
Augen.

Kommentare

Vally schrieb am 2008-03-19 09:31:40:
Gut erzählt und voll spannend. Bitte bitte einen 2. Teil!
fgfgfgfg schrieb:
Achte mehr auf deine Rechtschreibung, ansonsten ist diese Kurzgeschichte gut gelungen.
schrieb:
Gibts davon auch einen 2 teil?
annika-maus@gmx.net schrieb:
die geschichte ist ein bisschen brutal aber sonst war sie ganz spannend allerdings war mir schon am anfang klar, dass anna und ihre tochter nicht sterben würden!!!
drgnmertm schrieb:
anna ist doch gestorben
kn-tuning@gmx.de schrieb:
Die Geschichte ist eigendlich gut,nur die Rechtschreibfehler nicht besonders.
handball_causevic@yahoo.de schrieb:
die seite von ihnen ist ganz schön, aber das ist nicht so ausfürlich geschrieben aber es ist woirklich schon das muss ich nochmal sagen sie haben viele geschichten finde oich gut=)

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