Adelstochter | 2
von
Hermione
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Der Vampir schenkte seinem Opfer ein schmales Lächeln.
Er blieb an dem Bettrand des Mädchens sitzen und sah ihr zu, wie sie langsam aus ihrem Leben gerissen wurde.
Mit dem Zeigefinger wischte er sich ihr Blut aus den Mundwinkeln und leckte es von dem Finger ab.
Das Mädchen, wahrlich eine Kindsfrau, betrachtete ihren Mörder mit weit aufgerissenen Augen.
Sie wollte aufspringen und fortlaufen, um Hilfe rufen, doch nichts regte sich, auch wenn sie es ihrem Körper befahl.
Ihr Körper war wie der einer Gelähmten – doch ihr Körper war tot.
Der Lebenssaft war ihr ausgesaugt worden, und sie spürte, wie auch ihr Verstand zu versagen begann.
Vor ihren Augen tanzten Punkte, die Umrisse des Mannes schienen zu leuchten, als wäre er ein Heiliger.
Das einzige, was sie noch klar wahrnehmen konnte, waren die smaragdgrünen, stechenden Augen, die sie pausenlos beobachteten, als könne sie jeden Moment aufspringen und tatsächlich flüchten wollen.
Sie blinzelte müde, wollte den Kopf schütteln, um sich wach zu halten, doch alles, was sie zusammenbrachte, war ein kurzes Zucken zur Seite.
Der Mann lächelte. Er streckte seine blasse Hand erneut aus, und strich ihr diesmal über den Haarschopf und die Wangen.
‚Noch weißt du nicht, was es heißt, wiedergeboren zu werden’, sagte eine samtene, männliche Stimme so plötzlich, dass das Mädchen erschrak.
Die Lippen des Vampirs hatten sich nicht bewegt – oder etwa doch?
Ihre Augen ließen ja nach…
‚Du wirst unsterblich sein. Niemand wird dir etwas antun können. Und du wirst Gott zeigen, dass nicht nur er über Leben und Tod bestimmen kann.’
Nein, er sprach nicht; aber sein Lächeln war breiter geworden.
Was würde passieren, wenn sie für einen kurzen Augenblick die Augen schloss? Nur für einen kleinen, kurzen Augenblick…
Unsichtbare Gewichte hingen an ihren Augenlidern und zwangen sie…
Langsam erhob er sich und schien dann lautlos über den Boden zu schweben, zum geöffneten Fenster.
Mit einer Leichtigkeit stieg er auf den Fenstersims und warf einen letzten Blick auf die schöne Kindsfrau zurück, die im Sterben lag.
Mit dem leisen Rascheln seines Umhangs verschwand er.
Langsam fraß sich die Hitze in den Docht der weißen Kerze und gebar eine rotgoldene Flamme.
Die Kerze spendete dem stockfinsteren Raum ein wenig Licht und erhellte nur die Umrisse der sich im Raum befindlichen Möbel.
„Danke, Mutter“, piepste ein Kind.
Das Rascheln von Stoff ertönte und Schritte folgten.
Eine junge Frau stellte die entzündete Kerze zurück auf das Nachttischchen und setzte sich an den Bettrand.
Ein kleiner, blasser Junge mit deutlich erkennbaren dunklen Ringen unter den Augen schenkte seiner Mutter ein kleines, müdes Lächeln.
„Jetzt musst du aber schlafen“, sagte diese, beugte sich nach vorne und hauchte dem Jungen einen Kuss auf die Wange. „Es ist niemand hier, der dir etwas antun könnte.
Gute Nacht, Leuvinius.“
Sie erhob sich, ging zur Tür und lächelte ihrem Sohn noch einmal zu, bevor sie die Tür schloss.
Der Junge lauschte ihren Schritten, und als diese verklangen, schlug er die Bettdecke zurück und tappte auf Zehenspitzen zu dem geschlossenen Fenster.
Gekonnt öffnete er es, obwohl er wusste, dass es ihm verboten war.
Es herrschte schwärzeste Nacht, und eine leichte Brise wehte durch die Bäume.
Nackte Füße stiegen nach wenigen Sekunden vorsichtig auf dem Dach des Hauses herum.
Mit ausgestreckten Armen bewegte er sich langsam auf die Spitze des Daches und kletterte dann an den Rand davon.
Das alte Haus war dreistöckig, und er bewohnte zusammen mit seiner Mutter die Dachgeschoßwohnung.
Langsam breitete er seine kleinen Arme aus und ließ sich nach vornüber fallen.
Wer dachte, dass der Junge einen Selbstmordversuch ausführte, der irrte sich.
Elegant gleitete er zur Erde, die Arme noch immer von sich gestreckt.
Den Boden berührte er mit seiner Zehenspitze, bevor er auf beiden Füßen stand.
Leuvinius wusste, dass das, was er tat, nicht ungefährlich war: wenn ihn jemand sah, würden sie die Jäger kommen lassen und seine Mutter und ihn gnadenlos töten.
Doch der kleine Junge konnte diese Gefahr noch nicht so sehr schätzen, sein kindlicher Willen war stärker.
Die gepflasterte Straße war nass und kalt, und an den Hausmauern stapelten sich Säcke und Kisten der Händler, die hier tagsüber ihr Geschäft betrieben.
Leuvinius tat ein paar Schritte, und blieb dann wie jeden Abend vor derselben Kiste stehen.
Nach wenigen Sekunden war ein leises Schaben zu hören und dann, ganz leise, ein klägliches Miauen einer Katze.
Der Junge ging in die Hocke und schnalzte sanft mit der Zunge, um das Tier zu sich zu locken.
Zuerst wurde der kleine, samtig schwarze Kopf des Kätzchens sichtbar, dann der Rumpf und zuletzt der freudig aufgestellte Schwanz; gurrend lief das Tier auf Leuvinius zu und strich ihm um die Beine.
Obwohl es sich bei dem jungen Tier um ein herrenloses handelte, war es wohlgenährt und das schwarze, glänzende Fell verriet, dass es kerngesund war.
Auch heute erwartete das Kätzchen Futter, strich eine knappe Weile laut schnurrend um Leuvinius’ Beine, um dann in ein fragendes, lautes Miauen umzugehen.
„Heute habe ich nichts für dich“, sagte dieser, fuhr der Katze mit der Hand unter den Bauch und hob sie auf seinen Schoß.
Das Kätzchen widersprach mit einem leisen Fiepen, ließ es sich dann aber doch gefallen, als Leuvinius ihm über das schöne Fell streichelte.
Er kraulte den Kopf des Tieres, wanderte dann langsam zum Hals und strich mit dem Zeigefinger über die Kehle.
Der Junge blinzelte, seine Nervosität stieg. Er wusste, es war ihm verboten.
Zärtlich fuhr die kleine Hand erneut über den Kopf des Kätzchens, glitt über den Hals und den Rumpf und kraulte dann wieder das Kinn.
Die Hand legte sich sanft auf den Hals, dann fester, noch fester, bis das Tier anfing, erstickt zu schreien, seine Krallen ausfuhr und die Haut des Jungen damit zerfetzte. Doch Leuvinius spürte den Schmerz nicht; seine Augen weiteten sich, traten nahezu schon hervor; sein Griff wurde eisern, so fest, wie der eines ausgewachsenen Mannes.
Die Katze schrie, ihn mit großen Augen anstarrend, bis sie nur noch erstickte Laute von sich gab und zuletzt ein lebloser, kleiner Körper zurück blieb.
Nachdem er sich vergewissert hatte, dass das Kätzchen tatsächlich tot war und ihn niemand beobachtete, erhob er sich und ging zu einer Kiste, um sich dann zu bücken und mit der Hand in den Zwischenraum zu fahren, den die Kiste mit der Hausmauer bildete.
Als er den Gegenstand gefunden hatte, nach dem er gesucht hatte, kehrte er zu dem Kadaver zurück.
Er legte den Hals der Katze frei, nahm den angespitzten dünnen Metallstab, den er einem Händler gestohlen hatte, und durchstieß damit ohne auch nur zu zögern die Haut und Muskulatur, bis das dunkelrote, im Mond schimmernde Blut das Fell durchtränkte.
Mit zitternden Fingern fuhr Leuvinius über die blutige Stelle, und zog dann seine Fingerkuppe zurück, die er im Blut hatte baden lassen.
Diesmal zögernd betrachtete er seinen Finger, schob
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Kommentare
BlackRose schrieb am 2007-12-28 23:06:35:
harrrrr-harrrrr geil ^^, adelstochter 1 hat mit schon super gefallen und das gefällt mir noch besser. Also hut ab.
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