Ärzte ohne Grenzen
von
Ariane Rathsmann
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Ärzte ohne Grenzen
Es ist September. Aber in Kongo ist das nicht so aussagekräftig. Es gibt eine Regen und eine Trockenzeit und nicht vier verschiedene Jahreszeiten. Genauso wenig wie es in diesen Gebiet für die „Ärzte ohne Grenzen“ Tag und Nacht gibt. Es ist ständige Bürgerkriegsstimmung, das heißt ständige Bereitschaft. In äußerst schlechten Hygienischen Bedingungen sind von überall auf der Welt Ärzte bereit rund um die Uhr zu helfen. Aber dennoch sind es viel zu wenig für die Überzahl von neuen Verletzten. Geschlafen wird wenn Zeit ist. Und eine dieser Ärzte die in dieser „Klinik“ in Kongo ihren Dienst leisten bin ich. Seit fast fünf Jahren bin ich bereits hier und arbeite in diesem großen mausgrauen Gebäude, was eigentlich nur aus drei Hallen und einem Kammerkleinen Raum, welcher das Büro darstellt, besteht. Eine etwas kleinere Halle dient als OP-Saal und Behandlungsraum und ist nur durch Vorhänge in mehrere Bereiche abzutrennen. In den anderen liegen die Menschen auf Feldbetten in manchen Zeiten zusammengepfercht ohne Ende. In diesen Hallen werden die Menschen gepflegt. Viele Menschen sterben an dem Krieg und den Krankheiten, andere werden nie wieder richtig gesund, wurden von Soldaten verstümmelt.
Meine Eltern waren außer sich als ich ihnen mitteilte nach meinem Studium nach Afrika zu gehen. Besonders mein Vater der in Leipzig eine Klinik führt meinte „Dazu finanzieren wir dir kein Studium. Das du nach Afrika gehst und für einen Hungerlohn die Schwarzen versorgst und dich am Ende noch mit irgendeiner Seuche infizierst. Denk doch mal an meinen Ruf.“ Und meine Mutter meinte „Schatz mit deiner Begabung, mit fünf in die Schule, zwei Klassen übersprungen und dann willst du dein Talent in Afrika verschwenden wo es keine Hilfe mehr gibt? Nein mein Kind, Afrika ist viel zu gefährlich, also schlag dir das aus dem Kopf!“ Aber das habe ich nicht. Auch wenn nach der Meinung meiner Eltern alle Afrikaner so oder so an Aids sterben, ich wusste das es sich ums Leben zu Kämpfen lohnt. Ein Hungerlohn wie mein Vater meinte ist sogar übertrieben. Die Ärzte hier verdienen eigentlich nichts. Vieles läuft über Spenden und wir Essen und Leben so wie alle hier.
„Sarai, Sarai!“ ruft Gino und kommt in meine spärliche Hütte gelaufen. Ich liege auf meinem Feldbett, neben mir meine kleine Tochter Aileen, die 11 Monate alt ist. Aber ich bin seit sieben Monaten wieder schwanger mit Zwillingen. Vor drei Monaten, als ich mit meinem Mann spazieren ging, ist eine Mine hochgegangen. John war voraus gelaufen und auf der Stelle tot, die Kleine und ich blieben unverletzt. Ich glaube es versteht niemand von außen, warum ich nicht auf der Stelle das Land verlassen und meine Kinder und mich in Sicherheit gebracht habe. Aber darüber habe ich ehrlichgesagt nicht lange nachgedacht. Ärzte ohne Grenzen, das war meine Bestimmung. Diese Bestimmung hat mir eine Familie geschenkt und viele Menschen lachen lassen. Ich konnte nicht gehen, dass hatten zu viele getan. Ich wurde gebraucht. Das half mir über den Schmerz weg. Natürlich habe ich getrauert und geweint, das tue ich weiterhin aber inzwischen nenne ich Kongo mein zu Hause. Vor ein paar Tagen ist ein paar Meter entfernt von mir eine Mine hoch gegangen. Ein Splitter ist in mein Bein eingedrungen. Ich habe ihn mir dann gezogen und einen Verband um das Bein gemacht aber bis heute heilt die Wunde nur schlecht. Ich habe heute Fieber und müsste mich allgemein schonen, aber das geht nicht immer. „Gino was gibt es?“ frage ich ihn auf Suaheli „Es ist so viel los. Ein Autounfall nach Beschießung mit vier Schwerverletzten, eine Gehirnerschütterung, eine Verletzung durch eine Axt und ein dreijähriges Mädchen mit einem Gehirntumor. Du bist die beste Chirurgin in der Gegend und sollst das Kind übernehmen.“ „Okay ich komme.“ sage ich. Ich erhebe mich und binde mir Leenchen auf den Rücken. In diesem Land trägt jede Mutter ihr kleines Kind rund um die Uhr bei sich, manchmal sogar zwei bis drei. Die Kinder brauchen die Wärme und die Milch. Außerdem müssen die Eltern unter allen Umständen arbeiten. Ich muss meinen Dienst als Ärztin leisten. In Deutschland würde es keiner verstehen, wenn ich mit dem Kind auf dem Rücken einen Patienten untersuchen würde. Doch hier wo ich nun zu Hause bin, ist es was Natürliches. Man redet nicht so übertrieben von zu vielen Keimen und Ansteckungsgefahr. Hier werden Patienten so oft auch vor der Klinik behandelt oder so, das ist alles nicht vergleichbar. Auch die Hygiene ist hier nach deutschen Messpunkten sowieso als mangelhaft zu bezeichnen. Ebenfalls natürlich das ich mit meinem dicken Babybauch noch als Ärztin praktizieren muss, das wäre in den Industrieländern einfach unvorstellbar. Nicht zu lange Stehen. Sich schonen und ja nicht anstrengen. Keine OP mehr. Das kennt man ja alles wenn man aus so einem Land stammt und dort auch studiert hat. Aber in Kongo sind unsere Gesetze einfach nichtig, man kennt so etwas wie Mutterschutz gar nicht wirklich. Als ich zu der Klinik komme, sehe ich vor dem Gebäude eine Sulu auf der Erde sitzen und neben ihr ein kleines Mädchen. Ich kenne die beiden nicht. Das Kind ist nackt und hält sich weinend den Kopf. Das ist also meine Patientin. „Hallo ich bin Dr. Ahmur und werde die Behandlung ihrer Tochter übernehmen.“ Stelle ich mich auf Suaheli vor. Die Frau steht auf, wobei sie ihr Kind auf den Arm nimmt. „Bitte helfen sie Numa!“ Sagt sie und nimmt flehend meine rechte Hand. „Ich komme gleich zurück, ich muss mir ein Bild über die bisherigen Untersuchungsergebnisse machen.“ Darauf hin gehe ich in die Klinik. Mit bedauernder Mine drückt mir ein Spanischer Arzt, Dr. Zome die CT-Aufnahmen des Mädchens in die Hand. Dann streicht er kurz Leenchens Wange und macht sich an seine Arbeit. Er ist ziemlich im Stress.
Ich gehe an einen Lichtkasten der mitten im variablen OP- und Behandlungsraum hängt und schaue mir die Aufnahmen an. Der Tumor ist recht groß und sitzt sehr ungünstig. Ich sehe sofort das wir hier nichts machen können. In dieser Klinik haben wir nicht die Möglichkeit den Tumor zu entfernen. Das überschreitet die Grenzen der Möglichkeiten.
Leipzig denke ich, mein Vater er hat die Mittel und die Qualifikationen diesen Tumor zu entfernen. Und in dem Moment weis ich was ich zu tun habe, ich muss einen Eilantrag stellen auf die Finanzierung einer Krankenversorgung in Deutschland. Ich gehe ins Büro, dort gibt es zwei Computer. Per Mail kümmere ich mich um diesen Antrag und schicke ihn dann an die Stelle wo die Spenden verwaltet werden. Ziemlich oft werden solche Anträge abgelehnt, es gibt einfach zu viele Menschen. Aber hier ist es ein Grenzfall. Es ist ein kleines Kind und es geht um Leben und Tod. Nachdem ich diesen Antrag abgeschickt habe, gehe ich zurück zu Numa und ihrer Mutter Na’ama. Ich erkläre das Krankheitsbild von Numa und muss Wahrheitsgemäß sagen dass ich den Antrag gestellt habe und dass ich wenn er nicht bestätigt wird machtlos bin. Fassungslos schaut mich die Sulu an. Kurz darauf beauftrage ich
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Kommentare
Mondspiegelung@gmx.de schrieb am 2012-01-10 10:02:28:
Tolle Geschichte, nett geschrieben und mit viel Gefühl.
Da kann man über die einigermaßen schlechte Rechtschreibung hinweg sehen.
anne schrieb am 2008-03-20 15:49:25:
ich schreib meine meinung, ok?
also ich find du siehst das ganze sehr idiologisch... und vielleicht auch etwas tragisch...
ich weiß nich aber vieleicht soltst du mal versuchen dich als krankenschwester oder so zu bewerben...
Ariane schrieb am 2007-10-19 13:57:31:
Ich hab leider im Moment keine Idee wie ich an der Geschichte weiterschreiben koennte, wenn ihr Tipps habt koennt ihr die gerne schreiben. Ich schreibe eben immer ganz viel so zur gleichen Zeit weil die Gedanken raus muessen. Dann setze ich mal fort wenn ich wieder speziell zu einer Geschichte eine Idee habe... Aber vielen Dank fuer eure Kommis=)
Sarah schrieb am 2007-10-15 19:50:41:
Wow ich finds supr bis jetzt...echt klasse...
Ist das ein Oneshot oder ne längere Story mit nr Fortsetzung...Würd mich echt mal interessieren...Wenn ja: Schreib ganz schnell weiter...
zOe schrieb am 2007-10-11 20:06:11:
einfach toll...... sollte man gleich nach hollywood senden!
ich war auch noch nie da, aber ich kann mir alles, was du beschreibst genau vorstellen und ich zumindest finde, es klingt ziemlich real :-D good job! zOe
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