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Kategorien > Aus dem Leben > Alltäglicher Wahnsinn

Alarm am Morgen

von Das A

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Montag morgen in der Brüder-Grimm-Str. 9, dritter Stock, Wohnung rechts schrillt die Klingel der Wohnungstür und reißt mich unsanft aus der Tiefschlafphase. Die letzten Reste meines Traums verkleben noch meine Wahrnehmung und ich brauche erstmal 10 Sekunden um zu checken wo ich bin.
"Richtig! Bett! Verpennt? Nein! Dunkel? Wie jetzt?"
Ein Griff zur Uhr klärt mich auf und vertreibt schlagartig den Schlaf aus meinen Knochen. 2:28 Uhr!? Ich springe aus dem Bett in Panik einer meiner greisen Hausgenossen bräuchte vielleicht Hilfe. Der Blick durch das Guckloch sagt jedoch etwas anderes. Niemand da!
Im Hausflur ertönt ein ausgereiftes Klingelkonzert. Für einen Augenblick frage ich mich, warum alle so tolle Töne machen, nur meine Klingel nicht. Da sprintet ein fahler Mittdreißiger in Boxershorts und T-Shirt die Treppe hinab und verschwindet auch schon weiter auf den Weg nach unten.
"Spochtlich, Kollesche! Ich könnte das nicht!" denke ich mir und warte nur auf das dumpfe Geräusch eines Aufpralls an der Fahrstuhltür im ersten Stock. Nichts! Dafür wird nun aber die Haustür im Erdgeschoss aufgerissen und der Frühsportler beginnt im lauten Flüsterton rumzuschnauzen. Eine Frauenstimme antwortet ihm. Der Fahrstuhl gibt sein markantes Klacken von sich und macht sich auf den Weg in den vierten Stock. Über mir beginnt ein höllisches Gepolter gepaart mit halblautem Geschreie des Treppenhaussprinters. Ich male mir aus, wie er die Psychotussi durch die Wohnung prügelt und sie mehrfach hart auf dem Boden aufschlägt. Dann wird es schlagartig ruhig. Für einen Augenblick mache ich mir Sorgen, ob es nicht meine Bürgerpflicht sei hinaufzugehen und nach dem Rechten zu sehen, dann entschließe ich mich dagegen und krieche zurück unter die Decke. Jede durchgeknallte Schnecke, die mich um 2:28 Uhr aus dem Bett klingelt hat nichts Besseres verdient. Außerdem höre ich die beiden nun in etwas leiserem Ton herumblöken.
Licht aus, Augen zu! Ich verbringe eine viertel Stunde damit meine alte Schlafposition wieder zu finden. Scheitere jedoch kläglich. Toll! Wirklich super! Ich rolle mich noch ein paar Mal hin und her und habe schließlich doch noch das Gefühl langsam wegzuduseln.

„Oh, sanfter Schlaf!“
RUMS - KLACK
"Sag mal geht's noch!? Da hat ja mal jemand gehörig einen an der Waffel!“ Der grauhäutige Boxershortsträger und seine Psycho-Ex haben das Schlachtfeld verlassen und meckern sich den Fahrstuhlschacht hinab nach unten. Dann schleift er sie aus der Eingangstür und sagt ihr unsanft "Lebewohl!".

JAAA! Feierabend! Endlich!
Es klirrt und die hysterische dumme Kuh fängt an zu heulen. Als Antwort erhält sie ein "So! Jetzt reicht’s! Dafür zahlst du!".
"Aber Gunnar, das hab ich doch nicht mit Absicht gemacht. Oh Gott, meine Hand!"
Das Trörö fängt von vorne an. Juhu!
Als guter Bürger beschließe ich nun doch mal was zu tun und zumindest vom Balkon darauf zu achten, dass die beiden nicht total durchdrehen. Jedenfalls solange mir der Mitternächtliche Pfandflaschen-Sammler bei den Mülltonnen gegenüber auffällt. Ich beschließe meine Verantwortung abzutreten und watschle zum Bett zurück. Der Flaschenmann ist sicherlich größer und stärker als ich und über dies eh viel näher dran.


Gefühlte kurze Zeit später kreischt der Wecker mir sein unsanftes "Guten Morgen!" entgegen. In wohl trainierter Weise klopfe ich auf dem als Nachttisch missbrauchten "Schaf"-Hocker herum und gebe dem penetranten Störenfried einen unsanften Klaps. Das ganze wiederholt sich drei Mal, dann kommt um zehn nach sieben die Müllabfuhr und macht jeglichen Versuch den neuen Tag zu ignorieren endgültig zunichte. Beim Fertigmachen überlege ich mir, welchen Dank ich dem Obermieter für die abwechslungsreiche, dramaturgische Darbietung der letzten Nacht bieten kann.
Auf dem Weg nach unten verwerfe ich jegliche Zeichen der Ehrerbietung wieder. Die hässliche Pflanzen, die unbekannte Visualattentäter in das Treppenhaus gestellt haben, sehen durch die frühmorgentlichen Sportlichkeit meines Nachbarn nun noch armseliger aus als vorher. Im Erdgeschoss pfeift der kalte Morgenwind durch ein faustgroßes Loch, welches die Terrorschachtel in die Glasscheibe geschlagen hat. Natürlich wurden die Scherben nicht entfernt. Macht nix! Hauswoche ist ja erst nächste Woche.
Genüsslich, lasse ich meine Schuhe beim Verlassen des Hauses über den knirschenden Boden tanzen.
"Ja, lieber Gunnar, denn man tau!"
...

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