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Kategorien > Horror > Psycho

Albtraum

von Michael Behofsics

1

Wenn man mit Menschen unter einem Dach lebt lernt man sie im laufe der Zeit unweigerlich kennen. Man kennt ihre Stärken und Schwächen. Und man lernt die Geräusche kennen die sie machen. Wie sich ihre Schritte anhören wenn sie durchs Haus laufen.
Man kennt das knarren der Stufen wenn Vater Nachts noch in die Küche geht.
Sue wachte auf als sie Schritte hörte die sie nicht kannte.
Sie nahm ihren bunten Stoffhummer mit dem breiten Grinsen, und stieg ganz langsam aus dem Bett. Immer darauf bedacht kein Geräusch zu machen. Langsam ging sie auf die Tür zu. Ihr Herz klopfte hart gegen ihre Brust, und der Schatten den der Mond durch das Fenster gegen ihre Tür warf, schien sich bei jedem Herzschlag von Sue lösen zu wollen.
Die Schritte die sie hörte wurden lauter, je näher sie der Tür kam. Erschrocken blieb sie stehen als sie lautes Poltern vor ihrer Tür hörte. Schweiß brach auf ihrer Stirn aus.
Langsam ging sie weiter zur Tür und drehte vorsichtig den Knauf. Die Tür öffnete sich einen Spalt weit und Sue sah hindurch. Nichts. Nur der leere Gang der zu der Treppe führte.
Aber irgendetwas war seltsam. Sue trat einen Schritt von der Tür zurück und zog sie ganz auf.
Der Schatten den der Mond auf die Tür warf zog sich nun den Gang entlang.
Sue stand vor der Türschwelle und starrte in den Gang hinaus. Sie drückte mit einer Hand ihr Stofftier fester an sich, und mit der anderen strich sie ihr weißes Nachthemd mit den schwarzen Punkten glatt. Sie war nervös, und zitterte leicht.
Vorsichtig trat sie aus ihrem Zimmer. Sie blieb stehen und lauschte. Sie glaubte wieder schritte zu hören, und Stimmen. Nur ganz leise.
Sie sah sich um. Plötzlich hörte sie einen leisen Schritt, direkt neben sich.
Ein leiser, erstickter schrei entfuhr ihr, als sie an der Wand neben sich einen Fußabdruck entdeckte. Und noch einer, zierlich, wie von einer Frau. Als würde sie rückwärts stolpern.
Dann tauchten Plötzlich mehr Fußabdrücke auf, größer. Die Schritte waren lauter.
Sue presste sich erschrocken an die gegenüberliegende Wand, und verfolgte das Schauspiel.
Die Stimmen wurden lauter.
„Nein! Bitte hör auf!“ hörte sie eine Frauenstimme schluchzen.
„Halt die Schnauze!“ brüllte eine tiefe Männerstimme. Dann ein klatschendes Geräusch, wie von einer Ohrfeige. Dann Poltern und schluchzen.
Die Fußabdrücke des Mannes wanderten schnell vorwärts und hielten abrupt an, als würde er breitbeinig über der Frau stehen.
„Dir bring ich schon noch bei zu gehorchen!“ sagte die Männerstimme.
„Bitte leg das weg! Bitte! Oh mein Gott!“ schluchzte die Frauenstimme.
Ein schriller schrei ertönte, und wurde von einem dumpfen Schlag abgerissen.
Und noch einmal ein Dumpfer schlag. Langsam breitete sich Blut auf der Wand aus.
Sue presste die Augen zu. Sie hörte tiefes keuchen, dann ein klirrendes Geräusch wie von Metall das auf den Boden fällt. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust, sie hätte nichts lieber getan als die Zeit zurück zu drehen und einfach im Bett liegen zu bleiben.
Als sie ihre Augen öffnete sah sie, wie sich eine Blutspur langsam in Richtung Treppe bewegte, begleitet von einem schleifenden Geräusch und angestrengtem keuchen.
Sue folgte der grausigen Szenerie, wenn auch widerwillig. Als sie bei der Treppe ankam, hörte sie nach jedem Schritt wie etwas hart auf den Stufen aufschlug. Bei jedem Aufprall entfuhr ihr ein leiser schrei, ihre Augen füllten sich mit Tränen, und so konnte sie nur unklar die großen sternförmigen Spritzer erkennen die dabei entstanden.
Am Ende der Treppe hörten auch die Geräusche auf.
Sue war verwirrt, aber erleichtert.
Plötzlich stand sie in der Küche. Aber die Küche sah seltsam aus. Alt und irgendwie verlassen. Die Wände waren bräunlich und schimmelig. Der Fußboden war rissig und ebenfalls mit bräunlichen Flecken übersäht. Stühle waren umgeworfen. Auf dem alten morschen Holztisch standen Teller, aus denen verweste Überreste von Essen, oder sonst was, lagen. Fliegen schwirrten umher. Die Flackernde Glühbirne die über dem Tisch hing war schmutzig, und spendete gerade genügend Licht um Einzelheiten zu erkennen.
Sue drückte ihren Hummer an sich und ging vorsichtig auf das Waschbecken zu, von dem übler Gestank ausging. Eine dunkle, schleimige Flüssigkeit tropfte über den Rand. Sie musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um ins Becken zu sehen, obwohl sie eigentlich schon groß genug war. Sie hatte schon ein paar Mal den Abwasch gemacht. Aber jetzt musste sie sich auf die Zehenspitzen stellen.
Was sie dort in dem Becken sah drehte ihr den Magen um.
Es war voll mit Eingeweiden, sie schwammen in rostigem Wasser. Der Gestank und der Anblick der Innereien ließ sie sofort aufstoßen. Sie rannte ins Badezimmer und knallte die Tür zu. Das Geräusch das sie hörte ließ sie noch mehr erschaudern, es hörte sich an als würde eine Gittertür ins Schloss geworfen. Würgend stürzte sie zur Toilette.
Sue ließ ihr Lieblingsstofftier auf den Boden fallen.
Der Deckel war zugeklappt, und Blut quoll hervor. Sie atmete tief ein und klappte den Deckel auf.
In der Toilette lag der Kopf einer Frau. Die Augen brutal herausgerissen und der Mund formte einen lautlosen, entsetzten Schrei.
Sue schrie so laut sie konnte, doch die Übelkeit war stärker als das entsetzen, und so ging der Schrei in ein Würgen über. Dann kam die erlösende Ohnmacht.
Schwitzend und keuchend schrak Sue in ihrem Bett hoch. Ihre Decke und ihr Nachthemd waren besudelt mit Erbrochenem.
Draußen vor der Tür hörte sie das vertraute Knarren der Stufen wenn ihr Vater Nachts noch einmal in die Küche ging.

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Kommentare

bondgirl schrieb am 2010-02-02 17:04:36:
Boar ich hab foll Gänsehaut
Wie widerlch das ist man muss sich mal forstelllen im schlaf zu brechen
anni schrieb am 2008-08-10 20:07:49:
super geschichte!! hat mir total gefallen .. echt gelungen , respekt
Michael Halwax schrieb am 2007-12-02 15:10:19:
Gute Geschichte. Hat mir gut gefallen! Hast echt ein tolles talent als Autor! Ein nettes Artwork währ dazu auch nicht schlecht ... ;-).

Nur eines verstehe ich nicht ganz. Sieht Sue nur die Fußabdrücke, und höhrt die Stimmen der Personen, oder sieht sie sie auch? Zumindest am Anfang des Stücks hast du von Fußabdrücken geschrieben, doch später findet Sue den Kopf der Frau in der Toilette....
Das ist die einzige Stelle die ich ein wenig verwirrend finde, sonnst ist es eine echt gute Storry!

Mfg
Amica schrieb am 2006-11-09 19:26:30:
Der Titel ist wirklich nicht gelungen. Sonst aber: Wirklich schöne und spannende Geschichte! Schön! Man kommt fast nicht davon los ^^

Ami
Michael Behofsics schrieb am 2006-10-16 16:11:23:
danke, ich freue mich immer über konstruktive kritik, besonders über gute. was den titel betrifft,
bin ich eurer meinung. Allerdings hab ich ihn gewählt und möchte ihn nichtmehr ändern.
christoph schlüter schrieb am 2006-10-10 23:55:19:
Kann mich Coils nur anschließen. Wirklich gelungen. Allerdings hat er auch recht, was den Titel betrifft.
Aber ansonsten echt gelungen! Klasse!
Coils schrieb am 2006-10-10 12:52:47:
Sehr cool geschrieben, Spannung baut sich ziemlich gut auf und Splatter kommt auch nicht zu kurz - leider finde ich den Titel falsch gewählt, den er verrät sofort, was vor sich geht!
Ansonsten echt Supi...

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