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Kategorien > Aus dem Leben > Sucht

Alex

von mortisha

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wenn man ein teenager ist findet man, wissenschaftlich belegt, alles scheisse. die welt ist zum kotzen, ungerecht und überhaupt ist immer alles schlecht und alle sind gegen einen.
mir ging es da nicht besser als allen anderen. im gegenteil. ich war ätzend. die welt war gegen mich, niemand verstand mich und die gesamtsituation war nie, niemals erfreulich.
wie man unschwer erkennt war ich damals leicht melodramatisch angehaucht.
jedenfalls habe ich nach einem abendlichen streit mit meiner mamsch meine sachen gepackt und bin abgehauen.
damals war ich fünfzehn.
nach einem marathon verschiedener umzüge, man wohnt eigentlich nirgendwo, man ist geduldet und macht das beste draus, zog ich zu meiner omi. von dort zu einem befreundeten schwesternpaar.
die mädels wohnten selbst noch zuhaus, ein häuschen auf drei etagen mit einer lieben mutter und einem leicht cholerischen vater der aber durchaus freundlich war wenn mal alles nach plan lief, was es äußerst selten tat.

in dieser zeit lernte ich alex kennen.

er war alles andere als ein normaler, durchschnittlicher teenager.
er sah anders aus, immer gestriegelt und gebügelt. hatte oft, völlig aus dem rahmen fallend, bundfaltenhosen an und vermittelte den eindruck vertreter für irgendetwas zu sein.
während wir anderen gern dance und techno hörten stand er auf roland kaiser und machte daraus auch kein geheimnis.
er war eben anders.
ich habe in gesprächen erfahren das sein leben, so wie meins damals, eher steinig war.
er trieb sich im kinderheim rum und hatte dort eine auswahl an freunden von denen keine mutter begeistert gewesen wäre.
mit einem leicht schwulen touch, der gelfrisur und dem unkonventionellen outfit hatte er es doch geschafft eine ausbildungsstelle in einem großen modehaus zu ergattern.
wir freundeten uns an und diese freundschaft wurde mit der zeit tief, tief genug um recht häufig nach unserer beziehung zueinander befragt zu werden. alles konnten wir einander erzählen und alles haben wir miteinander ausprobiert.
alles, auch drogen.
es fing an mit gras und den üblichen joints. da es alle taten und es damals wie heute verboten war fühlte es sich gut an. wir gingen aus und kifften, wir gingen aus und tauschten gras gegen ecstasys um auch die einfach mal auszuprobieren.
es war ja nichts dabei, alle taten es.
jedenfalls alle mit denen wir uns umgaben.

wir mussten irgendwann anfangen uns geld zu besorgen um die drogengeschichten zu finanzieren. mit alex gehalt allein konnten wir uns nicht unterhalten und mein gehalt war mehr als überschaubar.
meine geldquelle war mein nebenjob, später dann das kleine taschengeld welches man für ein freiwilliges soziales jahr bekommt.

wir fingen also an zu verwandten zu fahren und lammfromm und freundlich kuchen zu essen und kaffee zu trinken. es ist uns nicht zuviel geworden auch weite strecken in kauf zu nehmen wenn wir uns sicher waren dort einen beträchtlichen geldbetrag mitnehmen zu können.
auch die kaffeetrinken waren willkommen da wir nicht selten kein geld mehr für essen erübrigen konnten.

schon damals hatte ich seit geraumer zeit eine beziehung- die auch heute noch bestand hat.
diese beziehung, eher unüblich, hatte wesentlich mehr tiefen als höhen.
besonders meiner melodramatik zu verdanken.
wir sahen einander eigentlich recht häufig. doch wenn ich die wahl zwischen meinem freund und meinem freundeskreis hatte entschied ich mich regelmäßig für meinen freundeskreis.
zu dem er nicht gehörte.
da wir gut fünf jahre auseinanderlagen empfand er meine freunde als kindisch und dumm.
besonders die drogengeschichten, von denen er weniger als die hälfte mitbekam, waren meinem freund ein dorn im auge.
er sorgte sich, wie ich fand völlig grundlos, da ich alles unter kontrolle hatte und immer nur mitkiffte und ausprobierte wenn es alle anderen auch taten und wenn es kostenlos für mich war. zumindest hatte ich den eindruck das es kostenlos war.
wenn ich heute darüber nachdenke habe ich die drogen mitfinanziert.
während alex sein geld für drogen und, gottlob, seine miete ausgab, zahlte ich eben lebensmittel und zigaretten.

während dieser zeit teilten alex und ich alles miteinander. oft auch seine wohnung.
als schlafplatz, kinoraum, begegnungsstätte.
ich erinnere mich noch gut an seine karaokeanlage. wir haben gesungen, gelacht und gelästert.
er war meine beste freundin.

zu einem wirklich verschneiten und kalten jahresende bin ich sogar mitgefahren zu einem roland kaiser konzert.
ich weiss nicht mehr wo es war, aber ich erinnere mich noch an meine klamottenwahl.
leicht bekleidet in röckchen, high heels und top, ein mäntelchen drüber fuhren wir mit dem zug nach bonn oder köln oder so. es war ausgemacht das mein freund uns dort nach konzertende abholte, was er wegen schlechter winterreifen und der witterungsverhältnisse natürlich nicht tat.
das hatte zur folge das wir stundenlang am bahnhof standen aus dem wir kurze zeit vorher entfernt wurden weil bahnhöfe leider nur geöffnet sind während auch züge fahren, was an diesem abend aber nur noch einem wunsch entsprach.
so standen wir vor dem warmen bahnhof in der eiseskälte. alex mantel fest um mich geschlungen um nicht vor lauter zittern wegzuhüpfen.
die zündende idee war trampen.
ein netter mensch nahm uns mit nach remscheid, damit wir nicht erfrieren mussten.
die fahrt hat ewig gedauert, alex saß vorn beim fahrer und hatte ein auge auf ihn, falls er anstalten machte einen "besonderen" preis fürs mitnehmen zu verlangen.
machte er nicht, aber er hätte mich beschützt.

wir entdeckten die, damals für frauen noch kostenlosen, flirtlines für uns und hatten wochenlang abendfüllende beschäftigung damit. im wechsel wurde angerufen, oft in einer gruppe weil alex wohnung wieder voll war mit unseren freunden.
wir hatten soviel spaß.

währenddessen ging er oft nicht zur arbeit, meldete sich krank weil wir die nacht zum tag gemacht hatten.
wenn er mal arbeitete wurde er von uns besucht, was natürlich ungut ankam
und irgendwann hatte er den job nicht mehr.

ich erinnere mich nicht mehr woran es im endeffekt lag.
an den krankentagen, dem zu spät kommen, dem zustand wenn er kam und wir gekifft hatten bis in den frühen morgen oder tanzen waren.

auch erinnere ich mich nicht mehr wann er begann zu stehlen um flüssig zu sein,
geld zu beschaffen für unsere exkursionen.

die leidtragenden waren seine familie. verhöckert wurde alles was man unter den arm nehmen und einem händler verkaufen konnte.

aber an die ausflüge nach den lsd pilzen erinnere ich mich.
eines abends, wir hatten die dinger geschenkt bekommen oder gegen gras getauscht, haben wir sie gegessen.
viel zu viele, weil wir keinen plan hatten wie die wirkung wohl sein würde und was uns erwartete.
der hunger und die leichtigkeit kamen schnell.
auf den wenigen metern zur imbissstube schaffte ich es mir in die hosen zu machen vor lachen, was nicht besser wurde als ich mir im imbiss ein schnitzel bestellte und der typ mich ernsthaft

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Kommentare

Lesemaus schrieb am 2010-11-20 15:41:57:
Keine schlechte Idee, aber eine furchtbare Rechtschreibung, die es sehr schwer macht, den Text nachzuvollziehen.

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