Alice...
von
Audrey
1
Eine Hälfte meiner selbst.
Elayne.
Die andere Hälfte.
Alice schwindet.
Ich spüre es, ich weiß es. Ohne es zu bemerken, sehnt sich jede Pore meines Körpers zurück zu ihr. Ich bin noch immer nicht ganz, etwas fehlt, etwas versickert, hinein ins schwarze Nichts meines Unterbewusstseins, hinein ins schwarze Nichts des Vergessens.
Alice wurde ersetzt, das Loch, welches ich ohne sie empfinde, wurde ausgefüllt, mit Luft, wie es mir scheint. Grauer, eiskalter Luft, die mir die Seele zudrückt, wenn ich atme.
Etwas fehlt, mein Kopf verlangt danach, die Leere in meiner Magengegend rührt von dem her, was nicht da ist. Alice ist nicht da. Sie wird immer durchsichtiger, ich sehe sie nicht mehr, ich spüre sie nicht. Nur noch ein Hauch...ein Hauch, welcher schwindet. Alice schwindet.
Wenn ich abends das Licht lösche, und in völliger Dunkelheit liege, höre ich ihr leises Atmen nicht mehr, noch sehe ich das schwache Licht der Straße in ihren Augen aufblitzen, wenn sie mich anguckt, wie ich dort liege, angsterfüllt und starr. Niemand nähert sich mir dann, niemand flüstert mir Beruhigungen zu, niemand beobachtet mich bis ich nicht eingeschlafen bin. Alice ist fort. Nur manchmal denke ein Augenpaar in der Schwärze meines Zimmers zu erkennen, es schwebt dann in der Luft, ich sehe nur zwei unendlich dunkle Augen die mich anstarren. Aber niemals kommt die Gestalt, der diese Augen gehören, näher, sie verschwindet immer nach ein paar Minuten. Ich sehe Alice nie, und diese Augen, die den ihren so unvorstellbar ähnlich sehen, sind wahrscheinlich auch nur Ausgeburten meiner Fantasie.
Nicht das Alice nicht auch eine wäre. Eine Ausgeburt meiner Fantasie, ein Trugbild, der Ersatz für das, was verloren ging, wie Dr. Fine meiner Tante sagte. Aber Alice ist echt, so echt, dass ich sie spüren kann, in meinem Kopf drin, tief in meinen Gedanken verstrickt. Ich kann sie nicht anfassen, aber ich sehe sie. Und ich höre sie, als einzige, Alice gehört mir, sie ist ich. Sie ist ein Teil von mir, der Teil, der mir genommen wurde und der eine Wunde hinterlassen hat, als er ging. Eine klaffende, hässliche Wunde, ein schwarzes Loch, bedeckt mit meinem Körper, mit Haut, Blut, Haar. Gefüllt mit der eisigen Leere, die mich verfolgt, egal was ich mache.
Ich habe sie verloren. Ich habe den Ersatz für das verloren, was ich eigentlich verloren habe. Ich habe mich verloren, ich habe Alice verloren.
Eine Hälfte meiner selbst.
Elaine.
Die andere Hälfte.
Alice schwindet.
1
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen