Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Alltag > Flucht

Alltag

von Nero

1

Alltag
Ich gehe durch die leeren Straßen. Kein Mensch zu sehen. Links und rechts Hochhäuser. Einöde. Alles grau und schmutzig. In einer dunklen Gasse liegt ein Obdachloser. Auf einem Pappkarton. Langes graues Haar. Zerzauster Bart. Er sieht mich an. Ich erwidere seinen Blick nicht, doch er tut mir leid. Ich rede mir ein ich könne ihm nicht helfen. Rede mir ein, er will meine Hilfe nicht. Ich bin nicht besser als all die anderen. Ich lebe mein Leben wie all die anderen, versuche jedem Hindernis auszuweichen, widerspreche niemandem, verberge meine Sorgen. Zu Hause wartet mein Mann auf mich, wir reden schon lange nichtmehr miteinander, sind uns fremd. Nichtmehr dieselben wie früher. Damals dachten wir noch, wir könnten glücklich werden. Wir waren zufrieden mit unserem Leben. Mit dem kleinen Haus im angesehenen Viertel, mit der kleinen Familienidylle. Wir mochten unsere Nachbarn. Jetzt sind sie tot. Wir mochten unseren Job. Jetzt Burnout. Alles veränderte sich so schnell, doch es überraschte mich nicht. Ich laufe immer weiter. Mechanisch. Jeden Tag denselben Weg. Alles wie jeden Tag. Ich sehe die Menschen, wie sie stehen hinter ihren Fenstern. Schauen nach draußen. Voller Unzufriedenheit. Voller Gleichgültigkeit. Voller Hass auf das Leben. Sie alle kennen das Problem, doch keiner entflieht ihm. Mein Vater sagte mir immer, vor deinen Problemen kannst du nicht weglaufen. Dabei konnte er mir nicht mal in die Augen schauen. Ich betrete das Haus, gehe in die Küche. Er begrüßt mich. Halbherzig. Sieht dann wieder fern. Ich spüre sie. Die Kälte. Hier drinnen noch schlimmer als draußen im November. Wir gehen schlafen. Die Nacht war kurz. Ein neuer Tag beginnt. Seit fast zehn Jahren bitte ich Gott um Freiheit und Glück. Das war immer mein einziger Wunsch. Ich hinterlasse einen Zettel. Darauf steht: mein neues Leben beginnt heute, sag den Kindern Mami hat sie lieb. Auch ich verlasse das Haus. Heute zum letzten Mal.

1

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.