Als Gott anrief
von
Izabela Tomala
Als Gott mich anrief regnete es draußen. Woher hatte Gott meine Nummer? Und rief er mich willentlich an oder brauchte er nur irgendjemanden zum reden und hat meine Nummer willkürlich gewählt? Warum wollte Gott mit mir, einem Menschen, reden? War es ihm im Himmel zu langweilig geworden? Mochte er die Engel nicht mehr? Sie machten immerhin alles was er wollte! Oder war es gerade das? Seitdem Luzifer weg war, war nämlich nichts mehr los im Himmel! Seltsam was einem alles durch den Kopf geht, wenn jemand am anderen Ende der Leitung behauptet, er wäre Gott. Der Gedanke, dass ich verarscht wurde und jetzt auflegen sollte, nahm kaum Gestallt in meinem Hirn an, als er schon von Gott unterbrochen wurde. Er machte sich gar nicht erst die Mühe irgendetwas zu erklären und legte gleich los: Wie langweilig es im Himmel doch sei. Und dass er so allein ist seit Anbeginn der Zeit und bis zu seinem Ende. Dass die Erschaffung der Erde auch nur eine geringe Ablenkung war und dass sie ihn nicht mehr wirklich amüsierte doch bis zum Weltuntergang würde er wenigstens nicht so allein sein. „Die Welt wird untergehen?“ fragte ich und Gott meinte, natürlich alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. (War Gott Matrix-Fan?) „Und wann?“ fragte ich, Gott seufzte und sagte, dass er mir das nicht sagen würde, weil es schon genug Gerüchte, Prophezeiungen und Propheten gebe. Ohnehin würde ihm das mächtig stinken, die falsche Auslegung seiner Worte. Besonders die Offenbahrung des Johannes dürfe man nicht auf die Goldwaage legen. Gott redete sich richtig in Rage! Was die Menschen bloß für seltsame Vorstellungen hätten von dem Untergang der Welt und den Engeln und von ihm auch. Gerade zu lächerlich, sagte Gott und er lachte auch. Gott hat ein schönes Lachen. Warm und angenehm. Nachdem er seinem Ärger Luft gemacht hatte, traute ich mich endlich ihn zu fragen, warum er nun angerufen hätte. Warum? Das wisse er nicht genau, er hatte einfach das Bedürfnis sich mit jemanden zu unterhalten. Da es im Himmel ziemlich langweilig war. Er bereute, glaube ich, Luzifer verbannt zu haben. Ich hätte gerne mehr über Luzifers Beziehung zu Gott gewusst und Gottes Beziehung zu Luzifer, das sagte ich ihm, doch er stieg nicht darauf ein. Er meinte, dass würde nur Luzifer und ihn was angehen. Ich gab klein bei. Schließlich war es Gott. Ich fragte ihn, warum er mich gewählt hatte und er antwortete, dass ich einer von den Menschen wäre, die keine Vorurteile haben und ich auch nicht enttäuscht wäre oder gar in Hysterie verfallen würde wenn er mich anriefe, außerdem war meine Nummer einfach auswendig zu lernen. Gott, dachte ich, Gott hat ja Sinn für Humor! Und Gott lachte darauf hin laut. Habe ich Gottes Lachen schon beschrieben? Es ist das schönste Geräusch was man sich vorstellen kann. Es klingt, wie Schokolade schmeckt. Falls jemand was mit dem Vergleich anfangen kann. Ich habe festgestellt, dass Gott voll die Ahnung von der Welt hat und er hatte auch keine Schwierigkeiten meinen Ausführungen zu folgen, doch war seine Wortwahl recht altmodisch, dafür entschuldigte er sich, er habe ja schon lange nicht mehr mit einem Menschen gesprochen. Eigentlich unterhielt sich Gott ja nicht wirklich, sondern er sprach und die verzückten Gläubigen hörten zu, schoss es mir durch den Kopf und Gott gab mir Recht. Ob er was falsch gemacht hätte mit den Menschen, fragte er mich. Ich konnte ihm darauf keine Antwort geben. Ich hatte Angst, dass er die Menschheit ausrotten würde wenn ich ja sagte. Aber es war ja Gott und ich konnte ihm doch nicht einfach nichts sagen! Am anderen Ende der Leitung wurde es still. „Hallo? Bist du noch da?“ flüsterte ich in den Hörer. Ja, sagte Gott. Und ich war ehrlich erleichtert. „Diese Frage finde ich zu schwer.“ gestand ich ihm und ich hatte das Gefühl, dass Gott wissend nickte. Wieso fragte mich Gott was? Ich meine wieso telefonierte Gott? Weil das lang nicht so erschreckend sei wie eine Vision oder ähnliches, damit hätte er keine guten Erfahrungen gemacht antwortete er, er verwies mich damit wieder auf Johannes. Gott wusste ganz genau was in der Welt vor sich ging. Und er beschwerte sich darüber. Aber das war nun mal nicht seine Welt. Das versand ich nicht und Gott fing an es mir zu erklären, er war kein bisschen herablassend, was anzunehmen gewesen wäre. Es stimmte schon, dass er die Welt erschaffen habe, aber er habe sie dann an die Menschen verschenkt, also wäre sie jetzt unsere und wir müssten uns um sie kümmern. Ich merkte, dass es Gott traurig machte, was mit diesem Geschenk passierte, doch ich wusste nicht, was ich dagegen tun sollte. Ich versuchte Gott zu trösten. Das hatte er dringend nötig. Niemand kümmerte sich nämlich darum, wie es Gott ging. Man erwartete immer alles von ihm, er soll heilen, beschützen, sich um die Seelen der Toten kümmern und alles in Schuss halte. Ja, er gab schon zu, dass er Hilfe hatte von den Engeln, aber die meisten waren einfach nur froh im zu dienen und er brauchte auch jemanden, der ihn verstand oder herausforderte oder auch tröstete. Denn, das sagte mir Gott auch, manchmal war auch er traurig. Nur, dass Gott niemanden hatte zum Ausheulen oder so. Er sagte, auf der Erde würde es zugehen wie im Tollhaus! (Ich glaube, um mich nicht mit seinen Problemen zu belasten, wechselte er das Thema.) Und ich stimmte ihm zu. Wir unterhielten uns eine ganze Weile über die Welt und die Engel und über mich, obwohl ich glaubte, dass es ihn langweilen würde, aber er versicherte mir, das würde es nicht. Gott würde nämlich nicht jeden Menschen beobachten. Er würde nur auf einige aufmerksam werden. Manchmal positiv aber meistens eher negativ, dann wurde er ärgerlich und ließ es regnen oder so etwas um seiner Wut Ausdruck zu verleihen, das wäre für ihn wie für uns malen oder schreiben, sagte er. Und ich verstand sofort was er meinte. Ich habe festgestellt, dass Gott so ganz anders ist, als ich es dachte und auch als andere Menschen es sich vorstellen. Denn im Grunde ist Gott auch nur ein Mensch. Mit all den Schwächen und Eigenschaften, die einen Menschen so ausmachen. Aber das hätte uns doch klar sein müssen, meinte Gott, schließlich schuf er doch den Menschen nach seinem Ebenbild, steht doch in der Bibel. Ich gab zu bedenken, dass wir nicht alles wörtlich auslegen, was in der Bibel steht. Sehr vernünftig, meinte Gott, aber diese Stelle könnte man wirklich wörtlich nehmen. Das Gespräch mit Gott war ziemlich spannend auch wenn wir uns eher allgemein unterhielten und er nicht im Detail auf sein Reich einging, es soll ein Geheimnis bleiben, aber mir würde ohnehin niemand glauben, sagte ich zu Gott, doch er wollte es nicht riskieren. Eigentlich schade, sagte ich ihm, dass ich nicht mit anderen Menschen über ihn reden könnte, weil die mich nämlich in die Anstallt einliefern würden. Ach ja, die Menschen und ihr Glaube, seufzte Gott und ich glaube, ich habe ihn mit diesen Worten traurig gemacht. Ich entschuldigte mich sofort dafür, doch Gott lachte nur und sagte es wäre nicht so schlimm, ich solle mir keinen Kopf machen. Ich machte fast einen Luftsprung vor Erleichterung. So gut ging es mir! Leider kann auch Gott nicht unendlich lange telefonieren, er verabschiedete sich, sagte, dass er bald mal wieder von sich hören lässt und legte dann auf. (Er begründete es mit einer immensen Rechnung, schließlich war das ein Außer-Welt-Gespräch und die Tarife wären höllisch hoch!) Ich sagte doch, dass Gott Sinn für Humor hat!
Kommentare
Shaya schrieb am 2007-03-08 12:45:32:
Ich finde diese Geschichte wunderbar und amüsant geschrieben, Dickes Lob! =)
peperoni86@web.de schrieb:
Hey!
*erster-Kommentar-freudentanz-aufführ*
Ihc find sie schön. DIe Art wie du an die Sache rangehst ist eine sehr menschliche, sogar ein bisschen eine naive. Das macht die Sache sehr schön. Ich habe es gern gelesen. Gott ist auch nur ein Mensch.
edzard667@onlinehome.de schrieb:
ich fand die geschichte sehr amüsant. leider war mir gott zu christlich dargestellt. trotzdem eine tolle geschichte!
cora_schubert@yahoo.de schrieb:
Mir hat die Geschichte echt gut gefallen. Wie Gott mit allen seinen Gefühlen dargetellt wurde, aber vielleicht solltest du beim nächstn mal etwas mehr Absätzte rein tun.
Cora
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