Als der Wind das letzte Laub davonbließ...
von
blacknight99
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Als der Wind das letzte Laub davonbließ
"Reich sind wir zwar an dreißig Millionen Autos, aber arm, bettelarm, an reinem Trinkwasser und gesunder Atemluft." Hubert Weinzierl (*1935), dt. Naturschützer
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Roter Staub wehte über verdorrte Felder und vertrocknete Flussbetten.
Es ist nicht wichtig welcher Tag, welcher Monat oder welches Jahr heute ist. Es ist nur wichtig, dass wir Menschen endlich Erkenntnis gefunden hatten. Die Erkenntnis, dass wir nichts besonderes sind.
Wir sind wie die Dinosaurier. Für einige tausend Jahre beherrschten wir diese Welt, doch nun sollten wir verschwinden, genau wie sie.
Doch an dieser Stelle sind wir sogar ein wenig interessanter als die Echsen. Während diese durch eine Katastrophe ausgelöscht worden waren, haben wir es sogar geschafft, uns selbst auszulöschen.
Meinen Namen kenne ich nicht. Wozu auch? Wem in dieser tristen Einöde sollte ich ihn schon nennen.
Mein Blick schweifte über die unendliche Wüste, auf der einst Kühe grasten, Hummeln durchs Laub stoben und Kinder spielten.
Es war gar nicht schwer gewesen uns selbst in den Suizid zu stürzen. Die immer größere Zahl der Menschen und die rasend schnelle Geschwindigkeit, in der Wälder gefällt, Öl gebohrt und Mineralstoffe gefördert beschwörten schon bald einen Krieg um die letzten Rohstoffquellen herauf.
Am Ende würde das besiegte Volk mit leeren Händen da stehen, ohne Trinkwasser und Strom. Doch es gab nur Verlierer.
Zu viel Eisen wurde für Panzer gebraucht. Zu viel Wald zerstört...zu viele Bomben gezündet.
Nun streichten die letzten Menschen, die den Krieg überlebten, durch die unendlichen Wüsten.
Doch ich bin kein Nomade wie sie. Ich bin ein Gärtner, ein Wächter.
Der Wächter über den letzten, lebenden Baum.
Ich betrachte die knorrige,alte Linde.
Drei letzte Blätter hingen an den Zweigen.
Bald würden auch sie abfallen, weggeweht werden von den roten Winden.
Ich nahm meine blecherne Gießkanne und bewässerte den Baum.
Die winzige Pfütze in der Kanne leerte sich und ich hatte mein letztes Trinkwasser für einen Baum vergeudet.
Die Blätter schienen ein wenig Kraft zu tanken und leuchteten scheinbar ein wenig grüner als zuvor.
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Drei Gestalten kamen hinter einer Sanddüne hervor und liefen auf mich zu.
Sie waren mit Pelzen bekleidet und hatten tüscher als Mundschutz.
Es waren Outlaws.Jäger,auf der Suche nach den letzten Schätzen.
Breitbeinig stellte ich mich vor den Baum.
"Geh zur Seite,alter Mann!"sagte einer, wahrscheinlich ihr Anführer.
"Nein! Niemals!"entgegnete ich entschlossen.
"LIegt dir wirklich soviel an dem Gewächs?"
"Es ist der letzte aller Bäume!"
"Ist mir scheiß egal!" sagte der Mann und zückte eine Pistole.
Er entsicherte sie und richtete sie auf mich.
"Schieß doch! Es ist mir egal!"sagte ich trotzig.
"Aha!"sagte der Mann,zielte auf ein Blatt am Baum und schoss es weg.
Dann zielte er auf das Zweite und drückte ab.
Halb wahnsinnig vor Wut packte ich das Handgelenk des Mannes und riss ihm die Waffe aus der Hand.
Zornig schlug der Mann mir ins Gesicht, nahm die Waffe und schoss mir in den Brustkorb.
Ungerührt stand ich wieder auf.
Der Mann verschoß sein ganzes Magazin und die Kugeln durchsiebten meinen Körper.
Doch ich verspürte weder Schmerz noch Todesangst.
Stur lief ich auf den Mann zu. Schritt für Schritt.
Der Outlaw legte ein neues Magazin ein. Dann schoß er das letzte Blatt vom Baum.
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Als der Outlaw das letzte Blatt vom Baum geschossen hatte, verschwand der Gärtner plötzlich spurlos.
"Wer war er?"fragte der Outlaw.
"Ich glaube er war der, der diese Welt erschaffen hat und die letzte Hoffnung auf Leben in seiner Schöpfung verteidigt hat!"meinte ein alter Outlaw.
"Aber du meinst doch nicht etwa das,dass..."
Der alte Mann sah den Outlaw lange an.
"Oh...!"
Schweigend verließen die Outlaws den Ort.
Die drei letzte nBlätter wehten durch den Wind. Die Rinde des Baumes wurde schwarz und der starb.
Doch dort, wo der Gärtner verschwunden war, lag ein Samen im Sand...
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Kommentare
Nessi schrieb am 2008-10-20 20:10:56:
Die drei vorherigen Kommentare sagen wirklich alles! Dem kann ich mich nur anschließen!
An Deiner Geschichte ist kein Wort zu wenig oder zu viel - echt gut gemacht!!
Kat. schrieb am 2006-08-27 19:39:37:
Dickes Lob!Die Geschichte ist toll geschrieben, und ich finde es total wichtig ma zu scheriben,was man so denkt.Der Hoffnungsschimmer am Ende-Ich glaub nicht.das es ihn geben wird,aber is ok.
Kat. schrieb am 2006-08-27 19:35:06:
Super Geschichte!!!!!Ich denke oft Über so was nach und finde,die geschichte bringts auf den Punkt.
christoph schlüter schrieb am 2006-08-23 07:57:40:
Am Anfang dachte ich "ach schon wieder so eine typische Endzeitgeschichte", aber je weiter ich las, umso besser gefiel sie mir. Besonders gefällt mir deine Symbolik und das Ende. Sehr gut gelungen, gut verpackte Kritik.. Macht zugleich traurig, aber auch nachdenklich. Und der Schluss verheisst sogar etwas Hoffnung.
Sehr gut geschrieben. Wirklich.
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