Amster-dam-age Doctors
von
Dante
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Die Angst trieb ihre Schritte voran.
Sie glaubte nicht an die Lügen welche ihr an den Kopf geworfen wurden.
Schreckliche Bilder und Schreie bestimmen ihre Gedanken.
Sie verleugnete alles was die Anderen sagten.
Doch sie erwachte und sah das Unheil mit ihren eigenen Augen.
Sie konnte nicht verstehen, gestern war noch ein ganz normaler Tag.
Aber in dieser eisigen Nacht sollte nichts so sein wie vorher.
Sie verabschiedete sich von Ben. Es ging ein wunderschöner Winterabend zu Ende. Ben hatte sie um 18 Uhr zuhause abgeholt und zu einem romantischen Candle-Light Dinner ausgeführt. Es gab Austern in Weißweinsoße. Sie genoss es sichtlich in Bens nähe zu sein. Ja, sie liebt Ben. Das war ihr schon klar als sie ihn das erste Mal sah. Doch sie lies es sich nicht anmerken. Ben sollte den ersten Schritt wagen. Sie war ein schüchternes Mädchen.
In der Nacht fiel das Thermometer bis weit unter Null Grad. Das neue Jahr war noch Frisch und so sollte es noch eine Weile dauern bis die ersten Sonnenstrahlen die Haut wärmen konnten. Der Wind fegte durch die engen Häuserschluchten der Stadt und der unerbittliche Schneesturm ließ einen kaum etwas erkennen.
Ben näherte sich ihrem Gesicht. Sie wusste er würde sie Küssen. Sie wollte das er über Nacht bleibt. Doch sie traute sich nicht zu fragen. Sie wich ein kleines Stück zurück. Sie wollte das Ben um sie kämpft. Zeigt das er sie liebt. Doch Ben entfernte sich erschrocken. Er verabschiedete sich und hob verunsichert die Hand. Sie stand nun da. Alleine und unglücklich. Sie konnte sich nicht bewegen. So hatte sie es nicht beabsichtigt.
Sie stand noch lange an der Straße. Sah Ben in das Auto steigen. Er fuhr weg. Schon nach wenigen Metern konnte man die Lichter nur noch erahnen. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie wird ihn morgen anrufen.
Sie zog ihr weißes langes Schlafkleid an und legte sich schlafen. Immernoch standen ihr Tränen in den Augen. Das Licht der Straße erhellte das Zimmer. Sie fühlte nichts. Ihr Gehör war durch das stetige Rauschen des Windes betäubt. Sie schlief traurig ein. Trauriger als sie je ein Mensch zuvor gesehen hat.
Plötzlich erschreckte sie. Sie blickte auf die Uhr. Es war kurz nach halb 3. Sie verspürte Angst. Sie nahm das säuseln des Windes wahr. Sie spürte das sie nicht allein war.
Irgendetwas war in ihrem Bett. Sie spürte eine gewisse Vertrautheit. Es war Ben. Er lag neben ihr. Sie war beruhigt und blickte ihn an doch es war zu dunkel. Sie sah nur seine Umrisse. Ben flüsterte. Sie konnte es nicht verstehen. Sie sagte er solle lauter reden. Ben flüsterte deutlicher. Sie könnte es immernoch nicht verstehen. Hitze stieg in ihr hoch. Sie bettelte ihn an er solle lauter reden. Doch Ben verstummte. Sie blickte ihn mit aufgerissenen Augen an. Ein vorbeifahrendes Auto erhellte das Zimmer. Sie sah ihn. Er war entstellt. Sein Gesicht voll Blut. Seine Hand war nicht mehr vollständig. Das war das einzige was sie in dem kurzen Lichtschein erkennen konnte. Sie wollte vor Angst schreien doch es blieb ihr im Hals stecken. Ben streichelte ihren Arm und begann zu flüstern. Sie konnte es diesmal verstehen. Sie lauschte ängstlich.
"Du bedeutest mir so viel."
"Ich liebe dich."
"Was wenn alles stimmt was sie dir erzählen?"
"Was wenn alles wahr ist."
"Was wenn dich alle verlassen die du liebst?"
"Was tust du wenn der Tod an deiner Tür klopft?"
"Wirst du sie öffnen?"
"Was wenn du heute Nacht sterben musst?"
"Wirst du darauf vorbereitet sein?"
"Wirst du heute Nacht sterben?"
Ben verstummte.
Ihre Augen waren weit aufgerissen.
Sie atmete unregelmäßig und schnell.
Sie schreckte auf.
Stille durchflutet den Raum. Sie blickte auf die Uhr. Es war kurz vor 2 Uhr. Sie hatte nur 20 Minuten geschlafen. Eine innere Unruhe machte sich in ihr breit. Sie dachte über den Traum nach. Sie blickt aus dem Fenster. Der Schneesturm und die unerträgliche Kälte halten immernoch an. Sirenen schießen die Straße entlang. Sie hüllen ihr Zimmer in rotes Licht. Sie steht auf und geht langsam zum Fenster. Sie schiebt den Vorhang zur Seite und blickt den Feuerwehrautos und Krankenwagen hinterher. Sie denkt an ihren Traum.
Plötzlich klingelt das Telefon. Sie erschrickt. Ihr Herz beginnt zu pochen. Es schlägt immer schneller als würde es gleich aus dem Brustkorb springen wollen. Sie rennt zum Telefon. Doch bevor sie es abheben kann verstummt es. Sie bekommt Panik. Muss aus dem Zimmer. Muss aus dem Haus. Sie rennt aus ihrer Wohnung, bekleidet nur mit ihrem blütenweißen Nachthemd. Sie geht die Straße entlang. Die Angst treibt ihre Schritte voran. Ihre unbedekten Füße hinterlassen deutliche Spuren im Schnee. Sie spürt die Kälte nicht. Sie sieht nur das Ende der Straße. Sie will rennen, doch ihre Beine sind zu Müde dazu. In ihren Gedanken spielen sich schreckliche Bilder und Schreie ab. Kreidebleich huscht sie die Straße entlang. Vorbei an all den Hochhäusern. Das Leben scheint still zu stehen. Nur sie bewegt sich durch die Gassen. Stetig voran. Sie weiß nicht wohin. Sie hat Angst. Am Ende der Straße blinken die Lichter der Rettungswagen. Ein heller Schein erleuchtet den Nachthimmel. Sie nähert sich dem Spektakel. Ihre Angst lässt sie nicht mehr los. Sie schmeckt wie Blut ihren Mund füllt. Bei jedem Herzschlag verdunkelt sich ihr Blick. Tränen laufen ihr über das Gesicht. Verzweifelt streckt sie ihre Hand aus. Sie sieht ein Auto. Es brennt. Sie sieht Notärzte. Sie beugen sich über einen Körper. Drücken hastig auf seine Brust ein. Das Auto hängt verkeilt in einem Laternenmast. Die Notärzte lassen von dem Körper ab. Sie erkennt. Es ist Ben.
Tränen schießen ihr aus den Augen. Sie dreht sich um. Glaubt nicht was sie gerade erblickt hat. Sie beginnt zu laufen. Sie denkt so viel. Gedanken wechseln sich sekündlich ab. Verzweifelt rennt sie ziellos durch die Gassen. Tastet sich an kalten Mauern entlang. Die Tränen lassen sie nur noch verschwommen sehen. Sie ist wie betäubt. Sie ertastet am Ende eines Weges eine Tür. Sie geht hindurch. Schritt für Schritt erklimmt sie die Treppe. Ein Stock nach dem anderen zieht an ihr vorbei. Es kommt ihr vor als würde sie schon Stundenlang immer die gleichen Stufen hinaufgehen. Sie geht durch eine weitere Tür. Der Wind bläst ihr die Haare ins Gesicht. Ihr Nachthemd entfaltet sich wie Engelsflügel im Sturm. Sie geht geduckt über das Flachdach. Unter dem Schnee spürt sie Steine. Sie erkennt das Ende des Daches. Langsam richtet sie sich auf. Sie überblickt die ganze Stadt. "Eine wunderschöne Stadt", denkt sie sich. "Eine Stadt ohne Sorgen und Leid". Sie blickt auf den Hell erleuchteten Freizeitpark. "Als Kind war ich fast jeden Tag dort", sagt sie leise in sich hinein. "Diese Stadt hat mir alles genommen was ich geliebt habe". Sie tritt einen Schritt nach vorne und blickt über die Kante in die Tiefe. Sie schließt die Augen, breitet ihre Arme aus und flüstert nocheinmal leise. "Ben". Sie spürt nur noch wie der Wind leise an ihrem Gesicht vorbeizieht.
Sie öffnet ihre Augen.
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