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Kategorien > Humor > Seltsames

An einer roten Ampel

von Johannes Beck

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An einer roten Ampel

Der Bus hielt und ich stieg aus. Es waren nur wenige Meter bis zu meiner Wohnung. Vorher musste ich nur die Straße überqueren.
Die Ampel war rot.
Ich blieb stehen.
Auf der gegenüberliegenden Seite kam mir ein Mann mittleren Alters entgegen. Er sah kurz nach links und rechts, dann ging er über die Straße.
Den Kindern ein Vorbild, dachte ich mir mit einem ironischen Lächeln.
Als der Mann etwa auf der Hälfte war, beschloss ich, ihn darauf anzusprechen.
„Warum gehen Sie bei rot über die Ampel? Wissen Sie nicht, dass das verboten ist?“
Ich schlug einen traurigen Ton an, warum, wusste ich nicht. Aber vielleicht wirkte das besser, als wenn ich ihn angeschnauzt hätte.
Der Mann sah mich überrascht an, dann sagte er:
„Es kam doch nichts. Und gesehen hat es auch niemand.“
Innerlich lächelte ich. Ich bin also ein niemand.
„Sie meinen also, es sei kein Vergehen, nur weil es keiner gesehen hat?“
Ich beschloss dabei zu bleiben, dass ich gar nicht da war und deshalb auch gar nichts sehen konnte.
„Na ja“, es schien, als denke er kurz nach, „ im Prinzip richtig. Solange es niemand sieht ist es in Ordnung.“
„Ist das Ihre generelle Meinung?“, fragte ich fast unschuldig.
„Ja. Schon.“, er antwortete, als sei es die natürlichste Sache der Welt.
„Na dann könnte ich Ihnen ja jetzt den Hals umdrehen. Es sieht niemand und deshalb ist es kein Verbrechen.“ Ich gab meiner Stimme einen gutgelaunten Ton und lächelte den Mann herzallerliebst an.
Verdutzt runzelte er die Stirn.
„Verzeihen Sie, wie meinen?“
„Ich sagte: ich könnte Sie jetzt ermorden. Offensichtlich ist niemand hier, der es sehen könnte. Damit wäre es ja kein Verbrechen. Oder sind Sie da anderer Meinung?“
„Also hören Sie mal“, sagte er aufbrausend, „ein Mord ist ja wohl kaum damit zu vergleichen, über eine rote Ampel zu gehen. Da liegen ja Welten dazwischen...“
Ich unterbrach ihn.
„Warum? Im Prinzip gelten doch alle Gesetze, immer und auch auf die gleiche Art und Weise. Wenn es also verboten ist, über eine rote Ampel zu gehen, dann ist das prinzipiell genauso ein Verbrechen, wie jemanden zu ermorden. Sicherlich sind die Strafen unterschiedlich hoch, aber trotzdem bleibt das Überqueren einer roten Ampel ein Verbrechen.“
Der Mann lachte nur abfällig, dann ging er weiter. Als er, diesmal sich, arrogant wie er war, nicht nach dem Verkehr umsehend, die nächste rote Ampel überquerte, wurde er von einem vorbeirauschenden LKW überrollt.
„Tja“, sagte ich und ging über die rote Ampel.

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Kommentare

franke, sina schrieb am 2008-03-10 18:26:02:
hallo,
ich habe mal wieder zeit, geschichten zu kommentieren und habe mir diese asgesucht, weil ich noch nie eine geschichte unter dieser Kategorie gelesen habe. ich kann sie mit ncihts vergleichen, fand sie abe4r wunderbar. einfach genial. unhd witzig!!!! ironisch und sarkastisch, aber sehr witzig *g*
find ich klassen, hoffe du findest mal zeit und kommentierst meiine neuste geschichte -dann ist der himmel ciht mehr- würde mich freuen.
liebe gruesse
ich
Denise Rüegg schrieb am 2008-02-14 17:28:43:
Woow... genial!
Mehr fällt mir dazu nicht ein...
Lg Denise
Aurora schrieb am 2008-01-03 17:05:19:
Hui^^ Mir gefällt die Geschichte, sie ist wirklich gut und sinnvoll geschrieben.
rommee schrieb am 2008-01-02 21:16:39:
oha das ist ein gutes ende, hab ich mir zwar schon zu beginn so ähnlich gedacht, aber finde es echt gut das es dann auch so kam.. aber lustig finde ich es eigentlich nicht..

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