Anton der Maler
von
Oliver Dauterich
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Anton fand einen umgestürzten Baumstamm als Sitzplatz und machte sich daran die Staffelei und all die anderen Malerutensilien auszupacken und in Reichweite zu plazieren
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Wie wir alle wissen, bedeutet dies bei Künstlern ein heilloses Durcheinander, daß bei Außenstehenden immer ein bewunderndes "Ah" oder "Oh" hervorbringen möchte, wenn der Erstgenannte völlig abwesend und von der Muße geküsst um sich greift und wie sich am fertiggestellten Bild zeigt, immer das richtige Werkzeug oder die passende Farbe erwischt hat (obwohl Banausen bei Picasso da ganz anderer Meinung sind ... aber dies nur am Rande).
Die Wahl des Motives war für Anton keine Frage. Schon als Kind liebte er Burgen und Schlösser mit allem was dazu gehörte.
Er fraß Geschichten und Legenden über Ritter, Drachentöter, Kreuzzüge und Könige geradezu auf.
Also soweit war alles klar, aber das Passende zu finden kostete doch noch einige Zeit und Geduld. Doch es heißt ja "wer suchet, der findet", so auch Anton.
Schon der Fußweg war ein Erlebnis für sich. Schwer bepackt bog Anton von der breiten Strasse, die direkt herunter in den Ort mit dem für die Umgebung so wichtigen Hafen führte, auf einen Stolperpfad ab, denn er wollte auf die Burg und einen Teil des Hafens, welcher ihr zu Füßen lag, von einem naheliegenden Hügel herab sehen, um eine für sein Werk einzigartige Perspektive zu erhalten.
Die Türme und Zinnen konnte er schon erkennen. Sein Herz schlug höher und all die Mühe die es kostete den äußerst unebenen und stetig ansteigenden Weg zu bewältigen, schrumpfte zu einer kaum erwähnenswerten Nebenwirkung.
Links und rechts am Wegesrand erstreckten sich Wiesen von saftigstem Grün, die in einiger Entfernung mit dem Horizont des Meeres eins wurden. Schafe standen überall und gingen gemächlich ihrem Tagewerk nach, Rasen mähen.
Ein solches Untier hätte Anton doch beinahe umgerannt, der seinerseits, mit dem Blick völlig auf sein Ziel fixiert, im Stechschritt vorwärts marschierte. Vor Schreck ließ er die Staffelei und die teure Leinwand fallen und gerade als er zu fluchen anfangen wollte, Bahnten sich etwa zehn weitere Wollproduzenten ihren Weg an ihm vorbei. Ein Phänomen, welches sich Anton seither eingeprägt hat, denn wo der Leithammel rennt, können seine Untertanen nicht weit sein.
Ziemlich ärgerlich über sein Mißgeschick, kickte er ihnen einen Kiesel hinterher und brüllte wütend :" Du Schaf !!!"
Als ihm bewußt wurde, was er gerade gesagt hatte, fing er fürchterlich zu lachen an und hätte fast noch die Tasche mit den Ölfarben fallen gelassen. Prustend sammelte er seine Habe ein und wischte sich die Tränen aus den Augen.
Immer wieder mußte er kichern und sich noch einmal umsehen als er weiterging, doch das Kichern blieb ihm im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken, als er erblickte was die Kuppe des Hügels ihm bis jetzt vorenthalten hatte.
Mit aufgerissenen Augen und offenstehendem Mund stand er da, überwältigt von den Eindrücken. Tausende Möwen saßen in den Felsen oder kreisten über dem Meer, daß trotz des strahlend klaren Wetters die Urgewalt der Natur zum Ausdruck brachte, als sich mächtige Wellen an ebenso mächtigen Felsen brachen und ein dröhnendes Rauschen erzeugten, welches alle anderen Geräusche zu übertönen schienen.
Tiefblaues Wasser und dunkle, scharfkantige Riffe bildeten die rechte Seite und der in einer kleinen Bucht gelegene Ort mit dem Hafen die Linke.
Über allem ragte in der Mitte auf einem Steilkliff, nur durch eine schmale Straße erreichbar, die Festung.
Majestätisch erhoben sich die Türme gen Himmel. Es waren drei an der Zahl, zwei zum Festland hin und einer welcher der Seeseite zugewandt war. Offenbar benutzte man Letzteren auch als Leuchtturm, denn man konnte bei näherem Hinsehen die große , metallene Schale erkennen, in der man das Brennmaterial verfeuerte.
Die Türme wurden durch mächtige Mauern verbunden, die wie Anton dachte, uneinnehmbar seien.
Tatsächlich strahlte die Festung eine enorme Widerstandskraft aus, die nicht zuletzt auch durch eine Vielzahl von Wachsoldaten, welche auf den Wehrgängen ihrer Pflicht nachgingen, unterstützt wurde.
Im Innern der Anlage, integriert in eine der Außenmauern, befand sich ein Bau mit Giebeldach, der wahrscheinlich die Quartiere des Burgherren und seiner Familie, sowie deren Wohnräume und Empfangshallen beherbergte. Und da dieses Gebäude das Einzige mit großen, teils mit buntem Glas geschmückten Fenstern war, fand Anton seine Annahme so gut wie bestätigt.
Die Unterkünfte des Hauspersonals und anderer Gefolgsleute, befanden sich wohl versteckt hinter den massiven Mauern, im Innern des Burghofes. Jedenfalls stellte es sich Anton so vor.
Fanfarengetöse lenkte nun seine Aufmerksamkeit endlich auf die große Wiese zwischen Festung und Ortschaft. Hier fand ein sehenswertes Schauspiel statt, ein Turnier um die Hand der Burgherrentochter. Der ganze Turnierplatz war gesäumt mit Menschen, offenbar war das ganze Örtchen auf den Beinen, froh eine Abwechslung vom alltäglichen Fischerleben zu haben.
Burgherr samt Familie saßen in einer eleganten Loge, die geschmückt mit Fahnen und Wimpeln, an der Längsseite des Kampfplatzes aufgebaut war. Gleich daneben wurde gerade die Flagge mit dem herzoglichen Wappen, ein Adler mit zwei gekreuzten Lanzen,
gehisst (daher auch der Radau mit den Fanfaren).
Die Zelte der Kontrahenten waren etwa 200 Meter voneinander entfernt und man bereitete sich dort aufgeregt auf den Kampf vor.
Zur besseren Unterscheidung trug einer der Ritter ein blaues, der Andere ein rotes Band um den Arm und eben als beide sich zur Huldigung vor der Loge verbeugten, gab der Blaue dem Roten doch glatt einen Schubser, daß dieser beinahe vornüber fiel.
Eine sehr unfreundliche Geste, dachte Anton bei sich.
Wie am Anfang erwähnt ließ er sich nun auf dem besagten Baumstamm nieder und begann nach einigen Vorbereitungen mit seinem Werk.
Der Kampf war nach relativ kurzer Zeit entschieden, der Ritter mit dem blauen Band am Arm stieß den Anderen vom Pferd und zwang ihn, mit dem Schwert an der Kehle, zur Aufgabe.
Auf dem Bild aber stellte es Anton gerade anders herum dar, sozusagen als kleiner Racheakt für die begangene Unsportlichkeit vor der Loge.
Plötzlich rief eine Stimme aus naher Entfernung :"Moin Herr Nachbar!"
Anton schaute von seinem Bild auf und sah Herrn Grulich aus 43b auf den Balkon heraustreten. "Was machen `sein gerade ?" fragte er neugierig.
"Guten morgen, ... ich male ein Bild wie sie sehen," gab Anton zur Antwort.
"Bilder? die mache ich auch, mit meiner neuen Spiegelreflexkamera. Ein dolles Gerät, man braucht überhaupt nichts mehr einzustellen, nur noch auf`s Knöpfchen drücken. Aber mal ehrlich, für den Ausblick auf Straße und Wohnblocks wäre mir schon ein einzelnes Bild zu schade."
Anton widersprach ihm nicht, denn damit hatte Herr Grulich ausnahmsweise mal recht.
Nach kurzem smalltalk ging Grulich mit der Begründung, es gäbe jetzt die Live-Übertragung des Grand Prix von Monte Carlo im
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Kommentare
Moni schrieb am 2008-07-22 15:22:06:
Ich erkenne mich darin, da ich auch überall abschalten und meiner Phantasie freien lauf lassen kann...
Schöne Geschichte, weiter so !!!
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