Aribald unterwegs
von
Sina Röhrs
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„Was, ist es schon morgens?“, die kleine Maus Aribald gähnte herzzerreißend und lugte aus seiner blau-weiß-geringelten Socke, in der er immer schlief. Im Mäusenest war schon eine Menge los. Aribalds ältere Schwestern halfen Mama-Maus beim Kochen, seine jüngeren Geschwister liefen herum und spielten. Seine Familie lebte in einem großen, prachtvollen Haus, das einer sehr reichen Familie gehörte. Sie verließen das Haus nie, es war ja auch nicht nötig, alles was sie brauchten, hatten sie in ihrem Heim.
Aribald war eine sehr kleine, dicke und faule Maus, er war stets der letzte, der aus seiner Socke kroch. Grade wollten sein Vater und seine älteren Brüder los, um in der Küche ein Stück Schinken oder Käse zu stibitzen. Bisher hatten sie Aribald immer ausgeschlossen, da er zu langsam war und sie fürchteten, er könnte einer der Katzen des Hauses in die Pfoten geraten. Aber gestern hatte der Vater so etwas angedeutet, dass Aribald nun Hoffnung schöpfte, heute mit zu dürfen, denn es war sein sehnlichster Traum, einmal das Nest verlassen zu dürfen. „Duuu, Papa…nimmst du mich heute vielleicht mit? Ich werde mich auch doll anstrengen, um nicht zurück zu bleiben!“, versuchte er nun, seinen Vater zu überreden. Der schaute ihn einen Moment prüfend an und sah dann fragend Aribalds Mutter an. Die machte sich stets am meisten Sorgen um den kleinen Aribald an und seufzte: „Meinst du wirklich, mein Kleiner, dass du dafür schon alt genug bist?“. Sie sah ihn sorgenvoll an, doch Aribald beruhigte sie: „Ach Mama, bitte vertrau mir, mir wird nichts geschehen!“. „Also dann komm, mein Junge, wir müssen los. Tschüss Liebes, ich werde gut auf ihn aufpassen!“, sagte sein Vater und sie machten sich auf den Weg. Aribald passte gut auf, um nicht den Anschluss zu verlieren. Er hielt sich immer dicht beim Vater, schaute, was der tat und tat es ihm gleich. So gelangten sie unbemerkt in die Küche. Mühelos kletternten Aribalds Brüder die Tischdecke hinauf, um auf dem Tisch nach etwas Essbarem zu suchen. Da er ein wenig dicker und weniger kräftig war als sie, kam er nur langsam hinauf, aber schließlich schaffte er es doch. Von hier oben konnte er die ganze Küche überblicken. Nein, was gab es hier alles zu sehen! Viele Schränke große und kleine, einer davon brannte obendrauf, ob die Menschen das wohl wussten? Aribald wusste nicht, dass der „brennende Schrank“ ein Herd war, auf dem die Menschen ihr Essen kochten. Auch ein Waschbecken, das an der Wand hing, hatte er noch nie gesehen. Grade, als er darüber nachdachte, wofür das Rohr gut sein mochte, das über einer Schale hing und aus dem es tropfte, hörte er die Stimme seines Vaters: „Kinder, alle zurück ins Nest! Die Katzen kommen!“. Aribald sah sich erschrocken um. Was sollte er tun? Wo war sein Vater? „Aribald! Hierher!“, da sah er seine Brüder schon über den Küchenboden flitzen, zu seinem Vater, der aus einer Spalte zwischen einem Schrank und der Wand guckte und sie zu sich rief. So schnell er konnte ließ sich Aribald am Tischtuch herunter und lief so schnell, wie er noch nie gelaufen war, auf seinen Vater zu. Fast hatte er es geschafft als er plötzlich gebremst wurde. Sein Schwanz schien irgendwo festzuhängen, doch als Aribald sich umdrehte, sah er, dass eine Katze mit der Pfote auf seinem Schwanz stand. Er versuchte sich loszumachen, doch zu spät, die Katze hatte ihn bereits ins Maul genommen und rannte mit ihm durch die Hintertür hinaus in den Garten. Aribald sah nur noch, wie sein Vater hilflos versuchte hinter der Katze herzu rennen, dann fiel er in Ohnmacht.
Als er die Augen wieder öffnete, lag er im Gras und die Katze saß vor ihm: „Hallo hallo hallo, wen haben wir denn da?“, die Katze schaute ihn aus funkelnden Augen gierig an. „I…ich…ich bin Aribald. Bi…Bitte, bitte tu mir nicht weh, ich, ich…!“, stotterte Aribald angsterfüllt. Die Katze lachte ihn aus: „Aribald also, ja? Und nun sag mir doch auch noch, mein lieber Ari, wieso sollte ich auf so eine kleine, unbedeutende Maus, wie du nunmal eine bist, hören?“. Aribald dachte angestrengt nach, wie er der Katze entkommen könnte, da erinnerte er sich an einen Trick, mit dem seine großen Brüder ihn schon oft geärgert hatten. „Weil du doch etwas viel Besseres als mich kleine Maus haben könntest!“, sagte er also, „Schau nur dort, der Vogel, der hinter dir auf dem Boden sitzt!“. Und tatsächlich, es funktionierte! Die Katze drehte sich um, so einen Leckerbissen konnte sie sich schließlich nicht entgehen lassen. Doch seltsam, kein Vogel war zu sehen und bis sie begriffen hatte, dass Aribald sie reingelegt hatte, war der schon im hohen Gras verschwunden. Die Katze zuckte nur die Schultern und lief zurück zu ihrem Haus, um sich bei der dicken Köchin ein wenig Milch zu schnorren.
So viel war Aribald noch nie gelaufen und schon nach kurzer Zeit ließ er sich erschöpft ins Gras fallen. Er schaute sich um, doch Gott sei Dank, die Katze schien ihm nicht gefolgt zu sein. „Aber wie komme ich denn jetzt nur wieder nach Hause?!“, stieß er schließlich hervor und fing an zu weinen. „Hey, warum weinst du denn, Büble?“, hörte Aribald Jemanden sagen und er öffnete die Augen. Vor ihm stand ein Dachs, grau und schwerfällig, er schien schon sehr alt zu sein. Im ersten Moment wäre Aribald am liebsten sofort wieder davon gelaufen, aber dieser Dachs sah wirklich nicht so aus, als würde er noch einer Fliege etwas zu leide tun. „Na na, brauchst dich doch nicht zu fürchten. Der alte Fridolin tut niemandem etwas. Sag einmal, warum bist denn hier so ganz allein? Bist doch noch so ein kleiner Kerl!“. Und Aribald erzählte ihm von der Katze, die ihn von zu Hause verschleppt hatte: „Und jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich nach Hause komme!“, schloss der Kleine schließlich seinen Bericht und bekam schon wieder Tränen in den Augen: „Na na“, sagte der alte Fridolin wieder, „nun hör mal auf zu heulen, des haben wir gleich!“. Und er führte Aribald durch einen Wald hindurch bis zu einer kleinen Kirche am Waldesrand. „So, da sind wir“, sagte er dort, „hier wohnt eine Mäusefamilie, das sind gute Freunde von mir, die helfen dir bestimmt gern!“ und damit drehte er sich um und ließ Aribald allein. Zögernd klopfte er an die kleine Tür, die die Mäuse neben die große der Menschen gebaut hatten. Nach kurzem Warten öffnete sich die Tür und ein kleines Mäuse-Mädchen streckte seinen Kopf heraus. „Wer bist du denn?“, fragte sie und musterte Aribald von oben bis unten. Der besah sich ebenfalls dieses kleine, dünne Mädchen in dem zerschlissenen Kleid und bekam zum ersten Mal eine Ahnung davon, dass es auch Mäuse gab, denen es nicht so gut ging, wie ihm und seiner Familie. „Hallo“, sagte Aribald schließlich, „mein Name ist Aribald. Ist deine Mama vielleicht da?“. Die Kleine sah ihn noch einmal an, drehte sich um und schrie plötzlich los: „MAMA! Da ist eine fremde Maus an der Tür!“. Die Maus, die nun erschien, sah sehr erschöpft aus, fragte aber in sehr freundlichem Ton: „Guten Tag, wo kommst du denn her?“. Und wieder erzählte Aribald seine Geschichte. Als er
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