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Arsarnwen & Armarion
von
Nelladell
Die Sonne ging gerade unter und tauchte die Wälder in schimmerndes Blut. Stille hatte sich über alles Land gelegt. In der Ferne, westlich der großen Wälder, sah man, wie sich hohe Wolkentürme bildeten. Eine triefend graue Masse, die sich langsam verbreitete. Ein kalter Wind begann zu wehen - der Vorbote eines Gewitters. Die Ruhe vor dem Sturm war eingekehrt. Man konnte es fast riechen.
Eigentlich war es sinnlos nun schlafen zu gehen. Arsarnwen lag wach auf ihrem Lager und blickte durch das kleine Fenster, durch das noch ein wenig Licht in den Raum fluten konnte. Sie wälzte sich herum. Auf dem Bauch liegend starrte sie dann auf die Holzwand vor ihr. Nicht lange und sie drehte sich wieder auf den Rücken, dann seufzte sie.
Ihre braunen Augen durchstreiften den Raum erneut. Dann schloss sie die Augen, aber es war unmöglich einzuschlafen.
Endlich rang sie sich dazu durch, sich aufzusetzen. Ihre nackten Füße berührten den rauen Holzboden. Es war nicht kalt, trotzdem fröstelte sie. Eine Strähne ihres braunen Haares fiel ihr ins Gesicht. Mit einer ungeduldigen Handbewegung wischte sie sie weg. Sie hatte schon öfter überlegt ihre Haare abzuschneiden. Für ihren Geschmack waren sie eindeutig zu lang.
Aber sie war doch irgendwie stolz auf ihr Haar.
Sie wickelte ihre Decke um ihren Körper und trat dann vor die Tür. Es war rasch dunkler geworden und die Wolken hingen nun beinahe über dem Wald. Irgendwo grummelte der Donner und kurz darauf zuckte ein Blitz über die Kronen der Bäume hinweg. Minuten später trommelte der Regen auf den Boden - tausend kleine Silberpfeile, die auf der Erde zersprangen.
Zu gewissen Zeiten war es eine wirkliche Herausforderung alleine, von jedem abgeschieden, zu leben.
Arsarnwen genoss den Regen, der ihr Gesicht benetzte. Die Decke klebte auf ihrer Haut. Erfrischt zog sie sich wieder in ihre Hütte zurück um ein Feuer zu entzünden.
Die Flammen knisterten fröhlich vor sich hin und spendeten Wärme und Licht. Gedankenverloren blickte Arsarnwen in das prasselnde Feuer. Vor ihrer Hütte heulte der Wind, das kleine Gewitter hatte seinen Charakter verändert und war zu einem tosenden Sturm geworden, der über das Land hinwegfegte.
Nun war Arsarnwen wirklich müde. Sie kroch auf allen vieren unter ihre Decke - sie war noch immer etwas feucht, aber es war ihr egal. Die Stunde war schon fortgeschritten. Mitternacht war schon vorüber gewesen.
Als sie am nächsten Tag wach wurde war ihr kalt. Das Feuer war schon seit Stunden heruntergebrannt. Gähnend öffnete sie die Tür der kleinen Hütte. Die Sonne schien, wie schon am Tag zuvor. Alles war nass und zeugte von dem nächtlichen Gewitter, das über sie hinweggezogen war. Wassertropfen glitzerten, wo man auch hinsah.
Arsarnwen hatte es schon oft gesehen und doch erfüllte es sie immer mit neuer Ehrfurcht, diesen Anblick genießen zu dürfen. Sie streckte sich und gähnte noch einmal herzhaft, dann durchforstete sie ihren kleinen Unterschlupf - irgendwo musste sie doch noch etwas Essbares auftreiben können. Aber sie konnte nichts finden - also doch jagen.
Wenig später marschierte sie auch schon durch den Wald. Sie wusste wo Tiere bevorzugt grasten und darum musste sie auch nicht lange suchen, bis ihr ein Kaninchen über den Weg lief - pardon: es sprang.
Der große Eibenholzbogen spannte sich und ein Pfeil schnellte von seiner Sehne. Es war kein Wunder, dass sie getroffen hatte, jahrelange Übung hatte ihre Technik perfektioniert. Arsarnwen packte den Hasen an seinen Hinterläufen und begab sich wieder zurück zu ihrer Behausung. Der Hase würde für diesen Tag reichen.
Ein wundervoller Duft stieg ihr in die Nase, als das Kaninchen über dem Feuer brutzelte. Nicht mehr lange und es würde durch sein.
Es war fast Mittag, als Arsarnwen an die Wand ihrer Hütte gelehnt einen Teil des Bratens - er schmeckte wirklich vorzüglich. Während sie dasaß und den Hasen verzehrte, blickte sie in den Himmel. Er war wundervoll blau, fast so blau wie Armarions Augen. Sie musste Lächeln. Niemand wusste, dass sie ihn liebte. Beide hatten sich geschworen Stillschweigen darüber zu bewahren. Schon zu lange hatte sie ihn nicht mehr gesehen, seufzend stand sie auf und wickelte die Reste des Bratens in ein großes Blatt ein, das sie dann in ihrer Hütte verstaute. Sie streckte sich und machte sich wieder in den Wald auf.
Das Licht schien durch das grüne Blätterdach und warf gelegentlich helle Flecken auf den Waldboden. Es roch wunderbar nach Frühling und Arsarnwen zog die Luft gierig durch ihre Nase ein.
Zielstrebig ging sie durch das Gehölz - sie wollte zu der Stelle, an der sie Armarion zum ersten Mal gesehen hatte - zum alten Steinaltar.
Plötzlich hörte sie eine Melodie - jemand spielte auf einer Flöte! Und es kam genau aus der Richtung, in die sie wollte. Arsarnwen beschleunigte ihre Schritte. Kurz vor der Lichtung wurde sie langsamer - sie wollte keine Aufmerksamkeit erregen, wenn es nicht nötig war. Lautlos schlich sie weiter. Hinter einem Baum versteckte sie sich und beobachtete den Flötenspieler für kurze Zeit.
Als sie erkannte wer es war ertönte ein freudiger Aufschrei und sie lief auf ihn zu.
"Armarion!", überglücklich lief sie ihm entgegen.
Armarion fuhr erschrocken herum, aber als er Arsarnwen erkannte ließ er seine Flöte fallen und eilte ebenfalls auf sie zu.
Sie verschmolzen in einem langen, innigen Kuss und nur widerwillig lösten sie sich von einander. Verliebt blickten sie sich gegenseitig in die Augen, immer noch nicht fähig den anderen loszulassen.
"Welch glückliche Fügung des Schicksals! Mein Herz verzehrte sich beinahe vor Sehnsucht nach dir!", und wieder küsste er sie.
"Ebenso erging es mir, als du nicht in meiner Nähe warst!", sie liebte es, in seiner Nähe zu sein, ihn zu riechen und zu fühlen. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände und er zuckte zurück.
"Du bist kalt.", bemerkte er und nahm ihre Hände in die seinen.
"Äußerlich vielleicht, aber innerlich glühe ich vor Liebe und Sehnsucht nach dir.", antwortete sie ihm lächelnd. Auch Armarion lächelte.
Keiner von den beiden bemerkte wie es langsam dunkel wurde und bei Dunkelheit war dieser Wald gefährlich. Der Himmel war bedeckt und kein Strahl des Mondlichts drang durch die Wolkendecke auf die Erde.
Zu spät erkannten Armarion und Arsarnwen die Gefahr, die sich im dichten Unterholz manifestierte. Von allen Seiten krochen die Kreaturen der Nacht heran und beobachteten das Elbenpärchen, das sich inmitten der Waldlichtung in den Armen lag. Ein lautes Geräusch ließ die beiden schlussendlich aufschrecken und die Todesgefahr erkennen, in der sie sich befanden. Die beiden Elben schmiegten sich enger aneinander.
Plötzlich riss der Himmel auf und der Mond erhellte die Lichtung. Am Rand der Lichtung glühten hunderte Augen auf.
"Wer seid ihr?!", wendete sich Armarion an die verborgenen Wesen. Ein Gemurmel, das aus zischenden Lauten bestand, entbrannte in den Schatten. Dann, nach scheinbar endlosen Sekunden regte sich etwas im Dunkel. Ein großer Schatten löste sich von der übrigen Dunkelheit und trat vor.
Die Kapuze des schwarzen Umhangs glitt langsam zurück. Keine Brise wehte. Die schlohweißen Haare schimmerten im Licht der Mondsichel, seine Haut war ebenholzfarben und die Augen der Nachtmahr waren ganz und gar schwarz.
"Ihr wagt es zu fragen wer wir sind? Dies ist unser Reich - unsere selbsterdachte Hölle - die Dunkelheit.", antwortete der Fremde auf Armarions Frage.
"Was wollt ihr von uns?", fragte Armarion weiter. Der Fremde schwieg und starrte die beiden Elben nur an, dann endlich regte er sich wieder.
"Ihr müsst einen Tribut an uns entrichten, wenn ihr leben wollt.", klärte er sie auf.
"Was sollen wir euch geben? Wir haben nichts Wertvolles bei uns."
"Du!", er zeigte auch Armarion "Du musst uns deine größte Kostbarkeit auf dieser Welt als Tribut aushändigen." Ein grausames Grinsen huschte über seine Züge.
"Ich gebe euch alles, nur nicht Arsarnwen!", schützend nahm er sie in die Arme.
"Dann stirbst du und sie ebenfalls. Wenn du willst, dass sie lebt, musst du sie zu uns geben!"
Armarion schien nachzudenken. Arsarnwen sah in mit einer schlimmen Vorahnung an.
"Lieber sterbe ich mit dir, als bei ihnen zu bleiben.", flüsterte sie ihm zu und Tränen rannen über ihr Gesicht.
"Nein, du darfst nicht sterben.", er sah sie an und dann blickte er wieder zu dem Fremden "Gut, aber gebt mir euer Ehrenwort, das sie leben wird."
"Ich schwöre es, bei meiner Ehre.", entgegnete der Nachtmahr, während er versuchte glaubwürdig zu klingen.
"Nein! Armarion ich bleibe bei dir, bis zum bitteren Ende!", Arsarnwens schöne Stimme klang unwirklich laut in der herrschenden Stille. Sie klammerte sich an Armarion und ihre Blicke flehten ihn an, sie nicht dieser Kreatur auszuhändigen.
"Sie hat soeben ihr Urteil gefällt.", sprach der Fremde und kam auf die beiden Elben zu. Als er neben ihnen stand konnten sie seine Kälte spüren und ihnen liefen Schauer über den Rücken.
Der Fremde streckte die Hand aus und streichelte Arsarnwens Wange, diese versuchte zurückzuweichen, aber sie konnte sich nicht bewegen. Angsterfüllt blickte sie zu Boden. Um ihre Beine rankten sich langsam Wurzeln herum, die ihr keine Bewegung ermöglichten. Ebenso erging es Armarion.
Fast hätte sie den Fremden vergessen, bis sie seine kalte Hand an ihrem Kinn spürte. Er zwang sie, ihn anzusehen.
"Lass sie in Frieden!", Armarion versuchte ihn zu schlagen, aber der Fremde war schneller, er duckte sich und stand im nächsten Moment schon hinter Armarion. Die Wurzeln, die Armarion festhielten, begannen schneller zu wachsen und hoben ihn in die Luft.
Arsarnwen blickte zu ihm hoch. Seine Arme waren ausgebreitet und der Fremde schwebte vor ihm.
"Du nimmst mir nicht das, was mir zusteht." langsam, fast genüsslich bohrte er seine Hand dann in Armarions Körper. Armarion schrie vor Schmerz und Arsarnwen schrie und litt mit ihm. Als der Nachtmahr seine Hand dann wieder herauszog und Armarion schon verstummt war hielt er das Herz in seinen Klauen. Die Wunde war groß und immer noch floss Blut über die Wurzeln zu Boden.
Arsarnwen war übel. Ihre Augen brannten vom Weinen. Sie blickte wieder nach oben - sie konnte nicht mehr anders und erbrach. Der Fremde glitt wieder auf die Erde hernieder, das Herz hielt er noch immer in seinen Krallen. Verächtlich warf er es fort und die Schatten verschlangen es.
"Nun sind wir ungestört."
Wieder hob sie den Kopf. Ihre Augen waren rot und geschwollen und sie war bleich, wie der Mond geworden.
"Stirb, elender Bastard!", brachte sie noch hervor und spuckte ihm mit letzter Kraft ins Gesicht. Lächelnd wischte er sein Gesicht ab.
Er wollte sie leiden sehen und das tat er gerade. Er hätte ihr keine größeren Schmerzen bereiten können. Langsam hob er ihren Kopf und dann küsste er sie und sog ihr die Seele aus dem Körper. Nun war sie ein Teil von ihm, ein Teil der Nacht - seine Sklavin.
Kommentare
Anne-Cathrin89@gmx.de schrieb am 2006-03-29 14:53:25:
Einige Formulierungen sind etwas seltsam, wie mit dem Blut am Anfang. Die Beschreibungen des Wetters und des Waldes sind sehr schön und detailliert. Ich stimme mit den Anderen überein, dass der Alltag der Elbin mehr ausgebaut hätte werden können, aber auf der anderen Seite ist es ja eine Kurzgeschichte, da kann man nicht so viel reinbringen. Ich finde, du hättest mehr Gedankengänge in die Geschichte mit einbeziehen können, damit man sich besser in die Figuen hineinverstezen kann. Ansonsten sind nur kleine Fehler drin, die nich ganz logisch sind. Man hätte vielleicht noch erklären können, warum der Nachtmahr so gehandelt hat, doch das Ende ist gut geworden - auch wenn mir persölich die Sache mit dem Herz-rausreißen nicht so gefällt. Was du auch gut gemacht hast, ist, dass trotz der guten Beschreibung der Nachtmahr eine geheimnsivolle Person bleibt, über die man sich nicht ganz klar ist.
PS: Armarion ist ein wunderschöner Name, finde ich.
Nelladell@gmx.at schrieb:
Hallo alle zusammen!
Ich freue mich über Kritik genauso, wie über Lob.
Zu dem Begriff Nachtmahr: Im Allgemeinen wird so ein Albtraum genannt, aber in diversen Sagen, Erzählungen, etc. ist er ein Dämonenpferd o.ä.
Lg Nelladell
judith@t-online.de schrieb:
Der Stil ist nicht schlecht, aber die Handlung verwirrt mich ein wenig. Wie kommt es, daß Elben, die in diesem wald leben, so wenig über seine nächtlichen Gefahren wissen und blindlings in die Falle tappen?
Den Nachtmahr hätte ich bei der Beschreibung (schwarze Haut, weißes Haar, Haß auf die Elben) fast für einen Drow gehalten.
Ach ja: Hase und Kaninchen sind nicht dieselbe Tierart.
Aber die Art wie Du den Wald und den Alltag der Elbin beschreibst, ist trotzdem schön.
Gruß, Judith
daratheis@web.de schrieb:
Hi Nelladell,
ich stimme Judith in sämtlichen Punkten zu, und ergänze noch um einen Punkt: Nachtmahr kenne ich nur als Dämonenpferd mit flammender Mähne, hat mich also etwas irritiert.
Im Ganzen gefällt mir deine Geschichte, sie liest sich flüssig, größere Logikfehler sind nicht drin und das Ende gefällt mir (liegt daran, dass ich schnulzige Happyends hasse *g).
Du hast an vielen Stellen Probleme mit Kommata, meistens machst du viel zu viele, aber solche Fehler lassen sich ja beheben.
Der Alltag der Elbe (oder Elbin?) gefällt mir allerdings nicht ganz so gut, du beschreibst lediglich das Jagen (deshalb verstehe ich als Leser nicht, warum sie ein einsames Leben im Wald gewählt hat). Vielleicht erklärst du, WARUM sie im Wald lebt (weil sie den Lärm der Städte nicht mag, weil sie den ständigen Wandel der menschlichen Kultur verabscheut oder was auch immer der Grund sein mag). Außerdem hat sie doch bestimmt noch ein anderes "Hobby", neben dem Jagen, einen kleine Garten oder sowas könnte ich mir gut vorstellen, sonst wird das Leben auf Dauer doch recht langweilig. *g
Was mich auch noch etwas verwundert hat, dass Armarion seine geliebte den Schatten überlassen hat. Ich könnte mir vorstellen, dass sie lieber tot ist, als Teil der Nacht zu sein (vor allem, weil du die Nacht als lebensfeindlich erscheinen lässt und Elben sind doch sehr Naturvernarrt) und wenn Armarion seine Arsarnwen wirklich liebt wüsste er das doch auch, oder? Aber er hat's ja nur gut gemeint *g
Liebe Grüße, Lanna
Fantasyia@gmx.de schrieb:
Hi!
Ich finde die Story wirklich sehr gut.
Ich kenne mich mit diesen Wesen nicht sehr gut aus, aber ich möchte dir vorallem mein Lob für deine tolle Schreibweise aussprechen!
weiter so
liebe Grüße
ina@seincher.de schrieb:
sehr bildlich gesprochen. finde ich klasse! ich schreibe selber fantasiebücher. ( Naja, bisher eigentlich nur eines. überarbeite es gerade. die Fortsetzung ist unterwegs.) ich würde mich über jegliche Tipps freuen!
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