Auf- und Niedeggang des Willi S.
von
Ike Lepi
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Auf- und Niedergang des Willi S.
1. Entlassungswelle 1
Von 40 Mitarbeitern in der Abwicklung werden 20 entlassen. Willi S., Jahrgang 48, ist Gott sei Dank nicht davon betroffen. Er bringt seiner Frau Blumen und seinem Hund einen Knochen.
Er übernimmt zusätzlich die Arbeit von seinem ehemaligen Kollegen Harry L. Die Überstunden erhöhen sich nur unwesentlich von 20 auf 40 Stunden pro Monat.
2. Entlassungswelle 2
Von den 20 Mitarbeitern werden weitere 10 entlassen. Willi S. hat wieder einmal Glück gehabt und ist nicht dabei. Er bringt seiner Frau Blumen.
Er übernimmt zusätzlich die Arbeit von seinen ehemaligen Kollegen Albert M. und Norbert G.. Die Überstunden erhöhen sich nur unwesentlich von 40 auf 80 Stunden pro Monat.
Willi S. gibt seinen Hund ab.
3. Entlassungswelle 3
Die neue Computertechnik wird eingeführt. Diese Erleichterung führt zu weiteren, notwendigen Entlassungen von weiteren 8 Mitarbeitern der Abwicklung. Willi S. teilt sich nun das Büro mit seinem einzigen Kollegen, Erwin K.
Willi S. übernimmt zusätzlich die Arbeit der ausgeschiedenen Mitarbeiter. Um zusätzliche Arbeitszeit zu bekommen mietet Willi S. eine möblierte Wohnung direkt neben der Firma an.
Unverständlicherweise reicht seine Frau die Scheidung ein. Die Geschäftsleitung ist voll des Mitgefühls, appelliert aber an seine Loyalität gegenüber der Firma und gewährt ihm als kleinen Bonus einen Freizeitausgleich von 1 Tag. Willi S. ist überglücklich.
4. Entlassungswelle 4
Erwin K. wird gekündigt. Er konnte seine Aufgaben nicht mehr bewältigen, na ja er war ja auch schon 53 Jahre alt. Willi S. hat nun sein eigenes Büro und ist überglücklich. Er hat alle überdauert.
5. Nächster Arbeitstag
Willi S. bleibt mit einer schweren Bronchitis zu Hause. Nach einigen dutzend Anrufen aus der Firma schleppt sich Willi S. ins Büro. Dort bricht er erschöpft zusammen und kommt ins Krankenhaus. Die Firma kündigt Ihm wegen Schwäche.
6. Das leben danach
Die Firma optimiert nochmals Ihr komplettes Management. 4 weitere Kapazitäten werden angestellt. Zu aller Überraschung kommen die Anweisungen an die Abwicklung (Willi S.) allesamt zurück. Die Führungscrew ist entsetzt und ruft die „Task Force“ ein.
Und die entscheidet, daß alles so bleibt wie gehabt. Die Bilanzen können ja nicht lügen. 100%% Auftragseingang bei 0%% Abwicklungskosten, besser geht es doch gar nicht. Außerdem fallen alle anderen Mitarbeiter unter die Insgemeinkosten in Höhe von 17,2%%. Damit verbleibt eine hübsche Rendite.
Man könnte ja schon einmal neue Firmenwagen für die Führungscrew bestellen.
7. 6 Monate später
Die Führungscrew geht im Kollektiv in Kurzarbeit. Das bringt die Firma vollkommen aus dem Gleichgewicht und muß Konkurs anmelden.
Die Konkurs-Ursache ist beim Stammtisch der ehemaligen Führungspersonen schnell gefunden.
Willi S. ! Dieser Schwächling!
8. Was macht Willi S. ?
Willi S. ist jetzt in der „Psychatrischen Klinik für Abwickler“. Er wird wohl nie wieder gesund. Durch Personaleinsparungen fehlen der Klinik ca. 40 schauspielende Vorgesetzte, die zur Therapie von Willi S. notwendig sind.
Im Sinne von Willi S. kann nur auf Verbesserung der Sozialausgaben des Staates gehofft werden.
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