Auf den Straßen
von
Sarafina Lübkemann
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Mabel.
„…dies wird der Sommer unseres Lebens, oh yeah.“, singt Sebastian Hämer aus dem Radio und ich summe leise mit. Ich summe mit und lächele, und dass nur weil ich mit ihm da völlig einer Meinung bin. Dieser Sommer wird der beste Sommer meines Lebens werden. Und ich werde ihn immer in Erinnerung halten, zumindest habe ich das am letzten Tag um halb Acht schnell in mein Tagebuch geschrieben. Als große und nicht übersehbare Überschrift thront über den klein geschriebenen Worten ‚Der Sommer meines Lebens.’
„Mabel?“, meine Schwester beugt sich nach vorne, so dass sie ihr Kinn auf meinem Sitz abstützen kann. Ich höre auf meiner linken Seite wie sie nachdenklich Kaugummi kaut. Wie ich das hasse. „Glaubst du sie sprechen noch von der Party am letzten Freitag? Ich würde sterben wenn sie immer noch davon sprechen würden, wo ich ja nicht kommen konnte.“ Sie tut so als wäre es dass schlimmste auf der ganzen Welt, dass sie leider eine Party verpassen musste, aber so ist das Leben nun einmal.
Schulter zuckend klappe ich den Sonnenschutz hinunter und betrachte mich eingehend im Spiegel. Ich fahre mir ein wenig durch die Haare, bis sie endlich wieder so sitzen, wie ich es gerne hab. Zwei große grüne Augen schauen mich durch den Spiegel wissend an. Sie wissen dass heute ein besonderer Tag ist. Alles an mir scheint es zu wissen. Der volle Mund, mit der leichten rötlichen Färbung, der mich nur ganz leicht anlächelt. Sogar die beiden Ohren, die ein wenig abstehen, aber gut hinter dem dichten Haar versteckt sind. Ich muss schmunzeln, was mir einen verärgerten Blick von meiner Schwester einbringt, die tatsächlich denkt ich würde mir immer noch Gedanken um ihr Fehlen auf der Party machen. Dass ich nicht lache.
Gerade will sie anfangen zu zetern, als unser Vater ihr einen strengen Blick zu wirf und sie damit zum schweigen bringt. Dass kann er gut. Blicke verteilen, die andere Menschen mehr als alles andere einschüchtern. Nur unsere Mutter nicht. Vielleicht weil sie es auch kann. Sie sind auf einer Höhe. Weswegen sie wohl auch geheiratet haben, überlege ich. Klingt nur logisch.
Zu meiner Freude hält Hazel wirklich den Mund. Sie weiß dass Papa, bevor er seinen Kaffe und sein süßes Brötchen nicht bekommen hat, ungesprächig und sehr leicht aufzuregen ist. Sie hebt sich ihre Motzerei für später auf, wenn Papa uns aus dem Auto gelassen hat und zu seinem Lieblingscafe fährt. Nicht weit von unsere Schule.
Eher aus Gewohnheit als aus Zeitdruck schaue ich auf meine kleine silberne Armbanduhr, die ich letztes Jahr zu Weihnachten bekommen habe. Es ist Acht Uhr Fünfundfünfzig. Noch lange Zeit bevor die Schulglocke ertönt und wir uns in unsere Klassenzimmer begeben müssen. Trotzdem taucht kaum zwei Minuten von uns entfernt die Schule auf. Mit ihren hohen Türmen und hellen Steinen hat sie etwas von einem Schloss. Weswegen sie auch oft liebevoll ‚Schloss Schlaftein’ genannt wird. Obwohl alles an ihr immer noch ehrfürchtig und gut erhalten aussieht scheint es wie in dem Märchen Dornrösschen zu schlafen. Tief und fest.
Unser Vater stoppt den Wagen sanft, genau vor dem riesigen dunklen Tor. Er scheitet auf den ersten Gang runter, während er wartet, dass ich und Hazel aussteigen.
Hazel ist schneller als ich, eilig drückt sie unseren Vater einen Kuss auf die Wange und verschwindet nach draußen. Wie ich aus den Augenwinkeln sehen kann, dass sie sofort zu ihren Freundinnen rennt, die sie alle mit herzlichen Küssen begrüßen.
Ich lasse mir mehr Zeit. Liebevoll hauche ich meinem Vater einen Kuss auf die Wange und sagte freundlich. „Bis später, Papa.“ Dann steige ich aus. Eleganter und aufmerksamer.
Ein paar Jungen und Mädchen drehen sich um als ich den überfüllten Schulhof betrete. Manche Mädchen sind neidisch, manche Jungen wollen mich. Aber ich ignoriere diese Blicke gekonnt, ab und zu lächle ich jemanden freundlich zu, mit dem ich mich vielleicht mal unterhalten haben könnte. Ich weiß es nicht genau.
Plötzlich hält mir jemand die Augen von hinten zu. Ich rieche ihr Parfum und weiß sofort wer es ist. „Abby.“, rufe ich freudestrahlend aus und umarme meine beste Freundin sobald ich mich aus ihren Klauen befreit habe.
Abby grinst und küsst mich freundschaftlich auf die Wange. „Na? Wie geht’s? Wie waren die letzten Wochen deiner Ferien? Ist irgendetwas passiert, was ich wissen sollte?“
Natürlich weiß ich worauf sie anspielen will, aber ich weiche ihrer Frage geschickt aus, indem ich sie mit anderen Themen ablenken. Abby konnte man schon immer prima ablenken. „Mir geht es besten. Weißt du was heute für ein Tag ist?“
Sie schüttelt nachdenklich den Kopf. „Montag so weit ich weiß. Wieso?“
„Heute ist der erste Tag vom Rest unseres Lebens, Abigail.“, ich grinse sie verschwörerisch an. „Kapierst du nicht? Heute ist der beginn vom besten Sommer unseres Lebens.“ Strahlend drehe ich mich um und deute auf den Himmel, an dem die Sonne schon sehr hoch steht und die Luft erwärmt.
Abby steht neben mir, folgt zwar meinen Blick scheint mir aber nicht wirklich folgen zu können. Sie runzelt sogar die Stirn. „Also, für mich ist es ein Tag wie der andere. Ich meine…“, sie holt eine Zigarette aus ihrer Packung und steckt sie sich in den Mund. Während sie in ihren Taschen nach dem Feuerzeug sucht, spricht sie weiter. „…ein neues Schuljahr hat begonnen. Wie jedes Jahr, Mabel.“
Einerseits erbost über dass rauchen, andererseits darüber, dass sie meinen vollen Namen benutzt und wiederum weil sie mich nicht verstehen zu scheint, verschränke ich die Arme vor der Brust und schaue sie entrüstet an. „Du hast eben keinen Sinn für diese feinen Sachen. Abby, dass ist unser letztes Jahr an dieser Schule. Dann haben wir Abitur. Und dann gehen wir in die Welt hinaus und studieren. Vielleicht in Paris. Oder in Italien. In Rom.“ Schwärmerisch seufze ich, während meine Arme ausstrecke und tue als könnte ich die Welt umarmen. Denn so fühle ich mich wirklich gerade.
Abby hat es endlich geschafft ihre Zigarette anzuzünden und nimmt einen vollen Zug, bevor sie die Luft genießerisch wieder auspustet. Irgendwann wird sie noch am Lungenkrebs sterben. „Na wenn du meinst.“
Über diese gleichgültige Antwort ärgere ich mich noch mehr. Und wenn sie nicht meine beste Freundin wäre, hätte ich sie stehen lassen. Aber sie ist trotz allem meine beste Freundin, auch wenn ich sie manchmal echt zum Mond schießen könnte.
Als ich ihr die Zigarette wegschnappen will, umklammert plötzlich eine viel stärke Hand mein Handgelenk. Ein wenig zu fest, so dass ich überrascht „Aua.“, rufe.
Empört drehe ich mich um und sehe in seine tümpelfarbende Augen. Entschuldigend sehen sie mich an, während sie den Griff um mein Handgelenk lockern. „Tut mir Leid, Süße.“, sagt er leise und küsst mich zärtlich auf den Mund. Mason. Mein Mason. Zwei Worte die mit M beginnen. Wie unsere Namen. Mason und Mabel. Schön.
Lächelnd löse ich mich von ihm. Jetzt gleitet meine Hand, befreit von seiner, zu seinen Fingerspitzen empor und verknotet unsere Finger miteinander. Meine dünnen
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Kommentare
caro schrieb am 2010-03-13 09:24:00:
GROßARTIG!!!!! weiter schreiben!!!
Bringt super Spaß zu lesen!!!
Supi Fini!!!! :)
Nelly schrieb am 2010-03-11 08:26:58:
WOW. Deine geschichte ist der Wahnsinn :)
Schreib bitte so schnell es geht weiter :)
Ich freu mich auf die Fortsetzung und bin total gespannt wie es weiter geht :)
Lieben Gruß, Nelly.
Moon Dancer schrieb am 2010-03-09 16:12:55:
echt hamma!! schnell eine fortsetzung=)
lg
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