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Augen im Spiegel
von
sina franke
1
Ich starre in deine leblosen Augen, die vor Wut und Zorn schreien. Glanzlos, tot, farblos und doch so unendlich tief…
Was ist los? Schweigend schreist du die Wand vor dir an, schaust durch mich hindurch. Ich würde dir so gerne helfen, doch du lässt mich nicht an dich ran.
Ich weiß wie es dir geht. Ich kann es nachvollziehen. Glaube mir. Deine Brust bebt vor Wut, du kannst nicht mehr klar denken, ich sehe es, an deinen ausdruckslosen Augen.
Sie glänzen vor lauter ungeweinten Tränen, die du noch nicht vergießen konntest. Die Gefühle Glück-Trauer-Hass haben sich bei dir anders abgespielt. Glück-Hass-Zorn-Gleichgültigkeit-Wut, das ist das, was du fühlst. Und ich würde dir so gerne helfen. Du suchst in diesem Raum nach deinem neuen Leben. Ohne ihn. Du suchst nach dem, was er zurückgelassen hat, und du nicht finden kannst.
Ich weiß wonach du suchst.
Deine Hände greifen zur Schere. Das Licht im Zimmer ist grell und deine Iris ist gigantisch. Doch wo ist die Farbe hin?
Schnell läst du die Dunkelheit ins Zimmer. Willst dich vor der Ausenwelt abschotten. Nicht in deiner Verzweiflung gesehen werden.
Es würde einen neuen Anfang geben. Du würdest dich neu entdecken. Ohne ihn. Er kommt nicht wieder und ich sehe es in deinen Augen, dass dich diese Erkenntnis umbringt. Du kannst nicht mehr.
Du bist nicht dran schuld, dass er nicht mehr da ist. Wie oft hast du ihm gesagt, er soll nicht betrunken fahren. Zu oft. An diesem Abend hattest du nun mal keine Kraft mehr dich zu streiten. Du hast ihn einfach fahren lassen und du standest da und hast für ihn gebetet. Doch diese Gebete wurden nicht erhört.
Leg die Schere wieder hin! Deine schwarzen Augen sehen mich lächelnd an. Du verhöhnst mich. Hörst nicht auf mich. Ich will leben! Du hast kein Recht mir mein Leben zu nehmen. Doch du verhöhnst mich nur. Hör auf zu lachen!
Langsam führst du die Schere zu deinem Arm und ich kann nichts dagegen machen. Deine Augen schauen in den Spiegel und du lachst dich selber aus.
Meine glanzlosen, toten Augen schauen in den Spiegel. Es wird keinen Abschiedsbrief geben, jeder weiß, warum ich es tue.
Es tut weh, das Blut läuft warm und rot an mir herab. Ich werde bald bei dir sein, mein Schatz. Warte auf mich. Ich habe es getan.
Mein Spiegelbild verschwimmt vor meinen Augen, ich kann meine Augen kaum noch wahrnehmen.
Ich habe mich getötet.
1
Kommentare
Jakob Welik schrieb am 2008-08-15 18:16:43:
Hallo Sina,
jetzt bin ich dran, dich zu bewerten. ;D
Ich finde es interessant warum Menschen immer wieder von Trauer schreiben, nicht das ich es nicht auch täte, aber dennoch.
Dein Stil hat Schwung in der Sprache, man liest sich durch Wellen der Gefühle und denkt an einer Stelle der Zuversicht - als würde man weinen. Der Leser schluchzt auf und atmet aus. So empfand ich deinen Text. Er liest sich lebend.
Du kannst versuchen mit deinen Gefühlen eine Welle zu erzeugen, etwas sanfter rangehen und nicht Stein für Stein in das Gesamtbild werfen. Sonst kommen unwirre Monologe heraus. Als Schreiber sucht man die Ruhe in sich selbst.
Du brauchst deine Ruhe.
Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende und viel Spaß weiterhin am kreativ sein. =)
Du hast Stil. ;D
Lieben Gruß,
Jakob Welik
nachtmahr schrieb am 2008-03-25 14:30:57:
guten tag allerseits.
muss mich einfach hier auch einmal zu wort melden.
nicht nur um meine meinung zu dieser geschihcte mitzuteilen. dass ich sie sehr interessant finde, muss ich wohl nicht extra betonen.
natürlich ist die schizophrene darstellungsweise und selbstmord an sich nichts wirklich neues, vllt schon eher in der verbindung von beidem. aber der inhalt an sich allein macht ja noch keine geschichte, ebensowenig wie der stil allein.
würde auch gerne wissen, auf welche texte und autoren im speziellen sich hier "ach ne" in seinem kommentar bezieht. denn ich finde schon, dass hier defintiv eine eigene handschrift zu erkennen ist. und ich stimme herrn beck zu, wenn er sagt, dass es nicht möglich ist, etwas komplett neues zu erschaffen. so gesehen sind nämlich alle kurzgeschichten nur die imitation von e.a. poe, der das genre ja sozusagen begründet hat.
allgemein kann man sagen, ist es einfach sehr schwer für "hobby- autoren", um den begriff aufzugreifen, etwas eigenes, völlig unabhängiges zu erschaffen und sich damit sehr stakr von der masse abzuheben. eben weil es heutzutage so eine fülle an autoren, inhalten und stilen gibt. wenn ein autor wie hemmingway seinen stil geprägt hat, seine kurze, knappe und lakonische darstellungsweise, die viel zwischen den zeilen stehen lässt, dann ist diese art zu schreiben schon vergeben. allgemeingut sozusagen, und niemand kann seine texte von andreren wirklich dadurch abheben, dass er so verknappt schreibt wie eben hemmingway. das ist eben das problem moderner autoren, und es ist kein neues. es gibt eine ganze gattung, wenn man sie überhaupt so zusammennehmen kann, die eben mit diesem problem spielt und arbeitet: die postmoderne. denn alles ist schon mal dagewesen, man hat schon alles gesehen, alles gehört... irgendwo, irgendwann.
deswegen wäre ich sehr vorsichtig, wenn ich anderen vorwerfe, plagiate zu erstellen. erstens ist das hier ein ... naja, ein "sandkasten" für autoren, in dem sie sich austoben könne ohne großartig mit konsequenzen rechnen zu müssen. um ihren stil zu üben und andre daran teilhaben zu lassen und ihre meinung zu erfahren. zweitens den vorwurf aufzustellen ist eine sache, aber er muss dann auch konkret auf einem fundament stehen.
in diesem sinne, lasst euch nicht abschrecken!
grüße,
der alte mann
Johannes Beck schrieb am 2008-01-22 14:37:47:
Hab hier grad mal den Kommentar von "Ach ne" gelesen.
Sag doch mal bitte, was konkret du damit meinst, welche Texte bzw. welcher Stil von welchen Autoren sollen hier bitte kopiert sein? Würde mich interessieren. Deine Anschuldigung is nun mal nicht so weiteres "neutral" oder objektiv.
Außerdem: wer bitte schreibt mit seinem eigenen Stil, den kein anderer jemals vor ihm geschrieben hat? Kafka vielleicht, oder Hemmingway. Aber selbst die haben gängige Stilmittel verwendet und nicht nur Neues geschaffen, das geht nämlich fast gar nicht
.
Wenn hier also ein "Hobby-Autor" seine Geschichten veröffentlicht, dann ist es nur normal, dass er einige bestimmte Themen immer wieder verarbeitet (das gilt natürlich auch für weibliche Autorinnen) und in seinem Stil schreibt!
(vgl. Kafkas Konflikte mit dem Gesetz, seinem Vater etc., die er immer wieder auf verschiedene Art und Weise darstellt)
Auf diese Geschichte bezogen könnte man anführen, dassGoethe, um nur einen von sehr vielen zu nennen, ein ähnliches Thema (Suizid im weitesten Sinne) in seinem "Die Leiden des jungen Werthers" beschreibt. Ich sage dazu: Na und? Ich kann doch etwas, das mich beschäftigt, in eigene Worte fassen und auf meine eigene Weise darstellen, ohne gleich fürchten zu müssen, als "Dieb geistigen Eigentums" angeprangert zu werden.
Also eine Bitte an dich, lieber "Ach ne": wenn du konkrete Texte und Autoren kennst, die ähnliche Texte schon lange vor Sina veröffentlicht haben, dann sei so nett und gib mir Bescheid (am besten du liest "Sie sahen mir beim Sterben zu" von mir und setzt einen Kommentar darunter, in dem du dann gleich betreffende Texte/Autoren und wo man sie finden kann, anführst). Grüße an dich, lieber Ach ne und an alle anderen, die das hier lesen.
Lg jo
P.S.: um ein Beispiel zu nennen, das HAARGENAU das gleiche Thema verarbeitet:
"Sie sahen mir beim Sterben zu"; von mir (Johannes Beck); ich garantiere, dass Sinas und meine Geschichte vollkommen unabhängig voneinander geschrieben wurden.
Leon schrieb am 2008-01-17 00:47:52:
Das Ende ist komisch wie kann sie selber wenn sie tot ist noch sehen wie sie sich umgebracht hat?
Ach ne schrieb am 2008-01-17 00:36:31:
finde es schade das du den stil anderer schreibender die ähnliche texte verfasst habe nund zwar schon lange vor dir kopierst..
naja.
Ronald schrieb am 2008-01-16 19:41:21:
Traurig, Realistisch, sehr bildhaft und eine wunderschöne Sprache. Sehr eindringlich. Die Geschichte hat mich echt berührt. Werde die anderen Texte von dir lesen.
Kevin Scharr schrieb am 2007-12-12 00:26:14:
Ich bin ein fan von deinem Einfühlungsvermögen. Verstehen heißt nicht immer gutheißen.
Du bist eine Studierende, der Kunst menschlicher Schicksale.
Auf dass deins niemals, tragisch zu deinen Werken zählt.
skol ^^
Johannes Beck schrieb am 2007-12-11 21:59:50:
wow,
hab mal ne ähnliche Geschichte geschrieben. Ich such die mal eben und stell sie hier rein...
Deine Geschichte gefällt mir gut. Wirkt teilweise wie ein Gedicht. sehr lyrisch-poetisch.
Alucard schrieb am 2007-12-10 23:21:54:
wunderschön, da bekommt man gleich Lust zu sterben... oh Death, come near me.
Silent_Lain schrieb am 2007-12-10 15:36:18:
Sehr bewegend und auf eine schreckliche Art auch nachvollziehbar.
Stern schrieb am 2007-12-09 18:00:59:
Schaurig schön, traurig, voll Melancholie. Schön!
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