Autobahnfahrten in der Nacht
von
AdmiralohneBoot
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Autobahnfahrten in der Nacht
Ich bin Aussendienstmitarbeiter eines äusserst erfolgreichen Unternehmens. Mein Beruf verlangt von mir kreuz und quer durch das Land zu fahren. Ich fahre gern mit dem Auto. Am allerliebsten nachts. In der Nacht sind die Strassen nur halb so voll wie am Tag. Man kommt viel schneller voran. Zudem läuft nachts, ausser den üblichen Verkehrsmeldungen, nichts ausser Musik im Radio und wenn es etwas gibt, was ich gern tue, dann ist es Musik zu hören. Ich singe dann immer lauthals mit. Angesichts meiner eher beschränkten gesanglichen Qualitäten, ist es von Vorteil, dass ich alleine unterwegs bin.
In einer Nacht, die mittlerweile drei Jahre zurückliegt, fuhr ich wieder einmal von einer Stadt in die nächste. Die weissen Fahrbahnstreifen tauchten leuchtend aus der Dunkelheit auf und ehe ich sie genauer in Augenschein nehmen konnte, verschwanden sie schon wieder unter meinem Wagen. Das Blinken der Benzinanzeige veranlasste mich an der nächsten Tankstelle anzuhalten. Das Auftanken und bezahlen war schnell erledigt und mein Bauch meldete mir, dass er auch noch existierte. Ich ging notgedrungen in das, der Tankstelle angeschlossene, Schnellrestaurant, um ihn zum Schweigen zu bringen. Das Schnellrestaurant hatte schwarzweisse Schachmuster auf dem Boden und an den Wänden weinrote Sitzecken, an denen man sein schnelles Essen schnell essen konnte. Ich holte mir ein riesiges Thunfischsandwich und eine Flasche Mineralwasser, um sicherzugehen, dass mein Magen sich für den Rest der Fahrt nicht mehr melden würde. Ich setzte mich an eine dieser weinroten Sitzecken. Die Sitzfläche war aus irgendeinem billigen Holz, das man schwarz angemalt hatte. Die Rückenpolster waren aus falschem Leder. Der Tisch sah aus, wie die Tische aus meiner Schulzeit. Vollgekritzelt mit irgendwelchen Äusserungen und übersät mit Messerspuren.
Alleine zu essen ist eine ziemlich langweilige Beschäftigung. Man isst, um die Bedürfnisse des Körpers zufrieden zu stellen und nicht, um sich mit jemandem zu unterhalten. Ich suche mir, wenn ich alleine esse, gerne eine Nebenbeschäftigung, um mich abzulenken. So auch in dieser Nacht. Ich nutzte die Gelegenheit und sah mich im Restaurant um. In der Mehrzahl der Fälle sind die Leute, die sich nachts in einem Schnellrestaurant an einer Autobahn aufhalten, interessanter als die, die tagsüber dort verweilen. Dieses Mal war meine Ausbeute an interessanten Sichtungen jedoch mager. Sicher die junge schwarzhaarige, die an einem Tisch in der linken Ecke zusammen mit jemandem, den ich für ihren Vater hielt, sass war ziemlich hübsch. Aber hübsch zu sein reicht nicht um auch interessant zu sein. Ihr Vater war auch nicht jemand an den ich mich erinnern würde, wenn ich morgen in meinem Hotelzimmer liegen würde und meinen privaten Reisebericht verfassen würde. Ausser den beiden waren noch ein etwas dicklicher Lastwagenfahrer, der mit riesiger Verzückung Schweinshaxen verspeiste, und eine alte Frau, die einen seltsamen rosa Plüschmantel trug und ihre mitgebrachte Katze liebevoll fütterte, anwesend.
Nachdem das Thunfischsandwich in meinem Magen darauf wartete, dass es verdaut würde, bezahlte ich die Rechnung und ging zur Toilette. Während meiner Geschäftserledigung bemerkte ich zum ersten Mal etwas, das meine Aufmerksamkeit spürbar erregte.
Es war ein Geräusch. Ein leises, fernes Grollen, das plötzlich mit explodierender Intensität völlig unvermittelt in mein Gehör Eingang fand und mich dazu brachte mir, mit den Händen gegen meine Ohren zu schlagen. So schnell es gekommen war, so schnell war es auch wieder entschwunden.
Ich dachte nicht weiter darüber nach, nachdem ich die Toilette verlassen hatte. Als ich durch den Essbereich zum Ausgang schritt, bemerkte ich, dass die Schwarzhaarige und ihr Vater verschwunden waren. Das Seltsame daran war, dass ihr Essen immer noch auf dem Tisch stand, an dem sie gesessen hatten, und es aussah als wäre es gerade erst gebracht worden. Ich sah mich um. Die Bedienung, die eben noch hinter der Theke gestanden war, war verschwunden. Es waren nur noch die alte Frau, der Lastwagenfahrer und ich anwesend. Mit einem Schulterzucken quittierte ich die Situation und verliess daraufhin das Schnellrestaurant.
Ich fuhr weiter durch die nächtliche Landschaft. Mein Verstand schlief langsam ob der Eintönigkeit ein. Mein Fahrvermögen glücklicherweise nicht. Ich dachte darüber nach, wie ich es geschafft hatte, in diesem absurden Beruf zu landen, in welchem ich jede Nacht wie ein Irrer von einer Stadt aus zur nächsten fuhr, um am darauffolgenden Tag in der jeweiligen Stadt Aufträge der Firma auszuführen und danach darauf zuwarten, dass sie mir anriefen und mitteilten, wohin mich mein Beruf als nächstes führen würde. Ursprünglich hatte ich geplant mir einen langweiligen, dafür gut bezahlten und sicheren, Bürojob zu angeln mit dem ich meine Frau und meine zwei kleinen Töchter versorgen konnte. Den hatte ich auch für kurze Zeit. Und zwar solange bis meine Frau mir, ohne irgendeine Erklärung, in einem Brief auf dem Küchentisch mitteilte, dass sie mich verlässt und die Mädchen mit sich nimmt. Seit diesem Abend bin ich rastlos. Ich liess mich vom Innen- in den Aussendienst versetzen, um ja nie allzu lange am selben Ort zu sein. Wenn ich irgendwo zulange bin, denke ich immer wieder an meine Frau und an meine beiden Töchter. Deswegen fahre ich auch so gerne Auto. Egal wie sehr ich über Vergangenes nachdenke, ich muss immer einen Teil meines Verstandes dazu benutzen, mich auf der Fahrbahn zu halten und keinen Unfall zu bauen.
Ich überholte gerade einen einsamen Lastwagen, als das Geräusch aus der Toilette wieder kam. Dieses Mal jedoch, blieb es beim fernen Grollen. Anstatt der explodierenden Lautstärkeintensität kam etwas anderes. Ein Klopfen. Klopf, Klopf. Klopf, Klopf. Das Klopfen wiederholte sich die ganze Zeit. Ich versuchte auszumachen woher es kommt, aber ich konnte keinen Anhaltspunkt für die Quelle entdecken.
Das Klopfen begleitete mich bis zu nächsten Stadt und auch als ich nachts im Hotel lag, hörte es einfach nicht auf. Ich fing schon an mir Gedanken bezüglich meiner Gesundheit zu machen. Man hört ja immer wieder, dass solche Sachen Anzeichen für eine höchst seltene, unglaublich tödliche und natürlich höchst ansteckende Krankheit sind. Wie auch immer. Mir gelang es einzuschlafen und das Klopfen verschwand bis zum nächsten Morgen aus meinem Kopf. Ein höchst skurriler Traum füllte die Zwischenphase zwischen meinem Einschlafen und meinem Erwachen.
In meinem Traum war ich eine Maus. Nicht irgendeine Maus, ein regenbogenfarbene Maus. Ich kroch mit meinen Mäusebeinen durch ein Loch in einer Scheunenwand und gelangte so in die Scheune hinein. In der Scheune reckte ich mich in die Höh, um einen besseren Überblick zu erhalten. Ich entdeckte mehrere Heuballen, sowie sechs gestapelte Fässer, die nach ihrem Geruch zu urteilen, mit Essig gefüllt waren. Ich ging auf die gestapelten Fässer zu, wieso? Ich weiss es nicht. Dann hörte ich es zum dritten
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Kommentare
The Ghostman schrieb am 2010-02-24 17:07:14:
gute Geschichte sowas liest man gern,mehr davon
The Ghostman schrieb am 2010-02-24 17:07:07:
gute Geschichte sowas liest man gern,mehr davon
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