Aya Steal II
von
Samaellevinstone
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Aya selbst bewegt sich nicht, sie wird nicht verschont, das weiß sie. Sie hört wie Floskeln ausgetauscht werden, kleine Präsente werden an die Damen verteilt. Er hat immer eine Kleinigkeit für die Damen dabei. Dann ist er bei ihr. Sie hatte diesen Geruch an ihm bemerkt. Er benutzt ein anderes Rasierwasser als letztes Jahr. Merkwürdig dass sie sich das merkt. Sie spürt die Wärme seiner Hand auf der Rückenlehne ihres Sessels. Plötzlich schwebt eine kleine Schachtel vor ihrer Nase. Eingepackt in rotes Seidenpapier mit aufgeprägten Mistelzweigen. Die Schleife aus Gold und Rot ist so groß wie die Schachtel an sich und aus ihr strömen kleinen Bänder und goldene kleine Perlenschnüre: „Fröhliche Weihnachten, Phili!“ lächelt er. Sie sieht auf das Geschenk mit einer Mischung aus Enttäuschung, Resignation und hilfloser Wut. Sie sinkt zurück in ihrem Sessel. Er gibt nicht nach: „Komm schon, nimm es. Wenn du willst kannst du es wieder Versetzen und mit dem Geld machen was du willst! Ich habe die Quittung in die Schachtel legen lassen.“ Er sagt es ohne einen Ton des Vorwurfs. Sie hasst es so an ihm. Sie hasst es so sehr an ihm wie die Tatsache, dass er der Einzigste ist, der sie Phili nennt.
Dann, die Schachtel schwebt noch immer wie ein Damoklesschwert vor ihr, hört sie Lady of Humphert: „Ich weiß gar nicht, warum sie ihr immer noch etwas schenken James, sie hat es nicht im geringsten verdient.“
James legt die Schachtel auf ihr Buch, welches auf ihrem Schoß liegt und wendet sich an die Lady: „Victoria, sie ist meine Nichte. Warum sollte ich es nicht tun. Weihnachten ist nun einmal nicht ihr Geschmack.“
Verächtlich schnaubt die alte Dame, dass es Geldverschwendung sei, wenn dann würde sie es für Drogen oder einer Abtreibung vergeuden. Agnes versucht das leidliche Thema abzulenken, doch James meint beschwichtigend: „Jeder hat seine wilden Zeiten, Phili hatte sie auch. Warum darauf immer herumreiten?“
Mit mahnendem Finger verweist Lady of Humphert darauf, dass James immer ihre Partei ergreift, obwohl sie so giftig und undankbar ist. Auch ihm gegenüber. Was war denn letztes Jahr, als sie sein Geschenk in den Kamin geworfen hatte? Agnes wirkt nervös. Die Eskapaden ihrer Tochter werden immer zum Streitthema. Sie ruiniert jedes Fest.
„Na? Ist Schwesterchen wieder Gesprächsthema?“ Freudig über diese Unterbrechung stürzt Agnes auf ihren Sohn zu. Timothy war ein hochgewachsener, spöttisch dreinschauender 27 Jähriger. Er hatte erst heute Urlaub bekommen. Mustergültig küsst er sie zur Begrüßung, sogleich flattert Großmutter Victoria wie eine fette Hummel zu ihm: „Oh, mein lieber Timi! Endlich bist du da.“ Sie gurrt und Josephine wünscht sich, sie würde an dem Süßholzgeraspel ersticken. Timothy war wie immer adrett gekleidet. Er trug eine schwarze wollende Hose, einen hellbraunen mit irischen Flechtmustern gefertigten Pullover und ließ sich von Maria – dem Hausmädchen- gerade den Kaschmirmantel abnehmen. Seine schwarzen Haare waren einmal mehr akkurat geschnitten und sorgsam frisiert. Er sah aus wie der mustergültige Sohn, den Agnes Britton so sehr schätzte. Er war schlicht das gesamte Gegenteil von Jospehine. Er war sogar das Gegenteil von dem was Josephine als Aya war. Freundlich geht er sofort auf James zu, reicht ihm die Hand. Zu James war er immer unerhört höflich. Sein biedern hätte James schon am Schleim ersticken lassen müssen.
Nur wenig später verkündete Sherman – der standesgemäße Butler der Brittons – das Entreffen der letzten drei Gäste: „Miss Amber O’Dwyer, zusammen mit ihrem Ehemann Mr Rubëus O’Dwyer und Sohn Bradley Jonathan Alistair.“ Als Amber – eine hübsche Mitte Vierzigjährige – höfflich Agnes und Lady Humphert begrüßte, was ihr Mann ihr schlicht nachmachte um nicht unangenehm aufzufallen – lächelte Bradley den Butler verschwörerisch an. Josephin konnte ihn zischen hören: „Ich liebe Sie! Jedes Jahr bin ich der Einzige von dem sie den vollen Namen nennen – wird das nicht allmählich langweilig?“ Zwischen den herumstehenden Gästen konnte Josephin die beiden im Flur ausmachen und sehen, wie Sherman lächelte: „Nein, Sir.“ Der alte Butler machte auf dem Satz kehrt und brachte die Mäntel fort. Josephine widmete sich wieder ihrer Lektüre – sie war seltsam beruhigt, dass zumindest an Weihnachten auf eine Kontinuität zu setzen war. Jedes Jahr verlief gleich. Jedes Jahr endete gleich und begann auf die selbe Weise wie das Letzte. Wie erstaunlich simpel das Leben sein konnte.
Es war spät geworden und sie verabschiedet sich auf ihre unauffällige Art und Weise: nach dem sie alle halbe Stunde auf die Uhr geschaut hatte meint sie überrascht: „Oh, schon so spät! Tja, ich muss los!“ sie erhob sich, stellte sich an das Tischende und verabschiedet sich höflich. Das aber auch nur, weil ihre Tante Amber und Familie da war – ansonsten hätte sie es sich gespart. Sie geht und zieht sich ihre Jacke an. Aber sie geht nicht durch die Haustür, sondern nimmt den Weg durch die Küche um sich noch von Sherman und Maria zu verabschieden. Lady Humphert rümpft die Nase: „Geht sie noch immer durch den Dienstboteneingang?“ Seufzend antwortet Agnes Britton, dass sie sich das nie abgewöhnen wird. Ihre Mutter erwidert nur: „Sie verhält sich ihrem ruinierten Status gerecht. Immerhin eine Einsicht die sie gewonnen hat.“
„Ohne Status lebt es sich eh besser!“ wispert Brad. Alle sehen ihn entgeistert an. Drei schnelle Blicke verraten ihm, dass er zu vorlaut war und tut so als sei nichts gewesen, an Harry Britton gewandt: „Für das Rugbyspiel morgen sehe ich schwarz, es soll regen.“
In der Küche gibt ihr Maria wie immer eine kleine Tasche: „Damit du wenigstens die restlichen Tage noch etwas Gescheites isst. Versprich mir, dass du besser auf dich achtest. Du bist so dünn.“ Josephine sieht die Sorge in ihren Augen: „Mir geht es gut. Ich mache wieder etwas mehr Sport und ja, ich ernähre mich nur von Nährstoffarmen Fastfood und Instandgerichten.“ Mütterlich streicht Maria ihr mit ihrer von Arbeit rauen Hand über die Wange: „Du musst mehr auf dich achten.“ Sherman war schon wieder bei den Gästen. Als Butler hatte er keine andere Wahl. Nur kurz, als er weitere kleiner Desserts holte hatte sie die Gelegenheit sich zu verabschieden. Josephine verabschiedet sich mit einem Wangenkuss und geht dann. Es war kalt draußen. Der Weg war freigekehrt und gestreut. Sie zog ihr Mobiltelefon aus der Jackentasche und schaltete es an. Kurz darauf piepte es und zeigte ihr an, dass sie 9 Anrufe verpasst hatte und sie ihre Anrufbeantworter abhören sollte. Dazu kam sie nicht. Sie hatte die Hand gehoben um ein Taxi heranzuwinken, welche jetzt verstärkt unterwegs waren um flüchtende oder betrunkene Gäste nach Hause zu bringen, als er klingelt. Josephin wollte nach Hause, wie alle anderen Menschen, die mit winkender Hand am Bordstein stehen, doch das Taxi fuhr an ihr vorbei als sie ihr Handy aus der Tasche zog. Eh sie ihre Hand wieder heben konnte um es anzuhalten, war es vorbei gefahren. Am Telefonwar einer ihrer Kunden.
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Kommentare
Joul-Now schrieb am 2007-05-12 10:31:57:
den zweiten Teil find ich gut, leider wenig Spannung. Ich hoffe es gibt bald den dritten Abschnitt. mich würde interessieren was deine (Samaellevinstone) Intention ist. Aya/Josephine kommt sehr kompromisslos rüber, ihre Respektlosigkeit gefällt mir, die Frage ist nur: was fängt Josephine damit an in Moskau?
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