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Kategorien > Fantasy > Düsteres & Geheimnisvolles

BLUTIGE SCHRIFTEN - Prolog

von RHAZARD

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Jede Geschichte hat irgendwann und irgendwo ihren Anfang. Diese Geschichten begannen vor langer, langer Zeit in einem fernen Dorf, das so, wie es einst war, heute nicht mehr existiert. Es wurde zum Schauplatz schrecklicher Ereignisse. Und am Ende zerstört, bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Warum, oder wie so etwas passieren konnte, weiß inzwischen niemand mehr. Aber das ist mittlerweile auch bedeutungslos geworden. Wichtig ist nur, dass es dieses Dorf wirklich gegeben hat! Es wurde Lanzenfels genannt.

Und dort, genau dort, hat es sich vor langer, langer Zeit so zugetragen, dass der gute, alte Pater Bartog in seiner letzten Nacht als Mensch auf dieser Erde voll und ganz damit beschäftigt war, am Leben zu bleiben. Kein leichtes Unterfangen, wenn die Mächte der Finsternis gerade entfesselt worden sind und man von den Ausgeburten der Hölle bedroht wird. Der Geistliche sank hinter dem Altar nieder. Schweißperlen bedeckten sein Gesicht. Blut sein Gewand. Rasselnd pfiff die Luft durch seine Lunge. Er war ein massiger Mann, der Pater. Schon viele Jahre der Hirte der Lanzenfelser Gemeinde.

Wenn er das alles vorher gewußt hätte, dann hätte er so spät am Abend niemanden mehr in in die Kirche gelassen. Aber so ist es nun mal im Leben. Hinterher ist ein jeder Sterblicher immer klüger. Aber dann ist es meistens schon zu spät. Pater Bartog hustete und spie Blut aus. Vor keiner Stunde war die Welt noch in Ordnung gewesen. Der Gottesdienst gerade eben zu Ende. Und Bartog alleine. Der Priester wandelte durch seine Kirche. Vorbei an gotischen Säulen. Löschte die Kerzen aus. Mondlicht schien durch die farbigen Kirchenfenster. Andächtige Ruhe herrschte. Erhabene Stille.

Dann geschah es. Ein Klopfen ertönte. Bartog, der gerade eben die Türe abgeschlossen hatte, wandte sich um. Wieder klopfte es. Wer konnte denn so spät noch in das Haus Gottes kommen wollen? Bartog steckte den Schlüssel in das Schloß und öffnete die große, schwere, eisenbeschlagene Kirchentüre. Knarrend und ächzend schwang sie auf. Der Geistliche sah nach draußen. Es war eine kalte Nacht. Draußen stand: Niemand. Auf den Stufen der Kirche lag ein kleines Päckchen. Bartog hob es auf. Ein Zettel lag dabei. Ein Zettel, auf dem in zitternder Handschrift etwas stand. In blutigen Lettern:

Nehmet dys Dyng an Euch und verwaret es guth. Eyn Fluch wohnet in Ihm. Es brynget Todt, Verderben und Verdammnys.

Der Geistliche runzelte die Stirn. Und sah sich um. In einiger Entfernung der Kirche stand: Eine fremde Gestalt, die ihn beobachtete. Sie trug einen langen, roten Umhang und eine Pelzmütze auf dem Kopf. Als sich ihre Blicke trafen, wollte die Gestalt weglaufen, die kleine Gasse hinein, zum Lanzenfelser Friedhof.

„Halt!“, rief Bartog. Und dann, noch ein bißchen lauter: „Im Namen Gottes! Stehengeblieben!“ Die Gestalt tat, was man ihr sagte. Sie blieb stehen, verharrte einen Augenblick und wendete dann dem Mann Gottes das Gesicht zu. Doch Bartog konnte nicht genau erkennen, wer es war, denn am anderen Ende dieser kleinen Gasse war eine der Straßenlaternen kaputt.

„Wer?“, ertönte eine leise Stimme. „Ich? Meint Ihr mich?“

„Wen sonst?“, rief er. „Den Teufel möglicherweise?“

Pater Bartog trat hinaus. Die Gestalt wich zurück.

„Komm´ her!“, rief er. Die Gestalt zögerte. Drehte den Kopf. Im Nachhinein wäre es für den Geistlichen besser gewesen, nichts mehr zu sagen. Er hätte die Türe einfach zuschlagen sollen. Doch das tat er nicht. Und besiegelte damit sein Schicksal. Die Gestalt kam näher. Sie trat an ihn heran. Aber weil sie die Pelzmütze tief in die Stirn gezogen hatte, konnte Bartog immer noch nicht erkennen, wen er da vor sich hatte. Sie kam die Stufen zur Kirche herauf. Jetzt stand sie unmittelbar vor ihm, unter dem hellen Schein einer Laterne und hatte den Kopf gesenkt.

„Ich kenne Euch nicht. Wer seid Ihr? Nehmt die Mütze ab!“

Die fremde Gestalt tat es. Unter der Mütze kam das Gesicht eines jungen Mädchens zum Vorschein. Ein junges Mädchen mit blassem, schmalem Gesicht und fiebrig glänzenden, wasserblauen Augen. Lange, flammendrote Haare fielen ihr über die Schultern und hingen ihr in die Stirn. Ohren und Nasenspitze waren gerötet und die Lippen blau, was wohl an der Kälte lag. Bartog hob das Päckchen.

„Hast du mir das auf die Stufen gelegt?!“ Zaghaftes Nicken.

„Und was ist da drin?“ Bartog wollte das Päckchen öffnen.

„Nicht aufmachen!“,schrie das Mädchen. Laut und gellend. „Es ist gefährlich! Es ist ein Furchtbares Ding! Ein Furchtbares Ding, dass die Schrecklichste Macht auf Erden in sich trägt!!“

Sie wollte fliehen. Weg, nur weg von hier. Doch weit kam sie nicht. Das Mädchen stolperte und fiel über die Treppen zu Boden. Pater Bartog erschrack. Nicht so sehr vor dem, was in dem Päckchen sein könnte, sondern eher von der panischen Reaktion des kleinen Mädchens. Er versuchte sie, zu beruhigen. Irgendetwas Schreckliches musste ihr widerfahren sein. Er eilte zu ihr und half ihr aufzustehen. Sie hatte eine blutende Wunde am Kopf.

„Komm´ herein!“, sagte er zu ihr. Sie wich seinem Blick aus und biss sich auf die Lippen. Schüttelte dann stumm den Kopf.

„Hab´ Vertrauen. Vertrauen in Gott. Es wird alles gut.“

„Nein. Das wird es nicht.“ Tränen traten ihr in die Augen. „Das wird es niemals mehr.“

Sie kam dann doch in die Kirche. Saß dann da in einer der Bänke. Teilnahmslos. Stumm. Mit leerem Blick und zitternden Lippen. Pater Bartog nahm neben ihr Platz.

„Mein Kind!“, sprach er sie an. Sanft und leise. „Willst du nicht dein Gewissen erleichtern?“ Nein. Das wollte sie eigentlich nicht. Es schien ihr schwer zu fallen, über das zu sprechen, was geschehen war. Das Mädchen kämpfte mit sich.

„Ich habe furchtbare Dinge getan.“, hauchte sie schließlich. „Tod und Verderben und Verdammnis über die Menschen gebracht.“ Das wollte der Pater aber kaum glauben. Er strich dem Mädchen beruhigend über den Kopf. Wieder und wieder. Und wollte dann wissen, wie sie denn das bitteschön getan haben wollte.

„Ich habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen.“ Rasch zog Bartog seine Hand zurück.

„Wovon redest du da? Schämst du dich nicht, über solch´ gottlose Dinge zu reden? Noch dazu hier, in einer Kirche?“ Das Mädchen wandte ihm das Antlitz zu. Ganz langsam. Ihre Augen waren irgendwie ... tot. Die Pupillen ungemein groß. „Wenn es aber die Wahrheit ist?“, wollte sie von ihm mit tonloser Stimme wissen. „Die reine Wahrheit??“ Pater Bartog stand auf. Bekreuzigte sich. Was war in einer solchen Situation zu tun? Er hatte von solchen Menschen gehört. Menschen, die vom Glauben abgefallen waren. Früher, in vergangenen Tagen wurden sie der Hexerei bezichtigt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

„Es erscheint am Anfang so leicht. So unglaublich leicht. Was du dir wünschst, wird Wirklichkeit. Aber dann erkennst du, dass es eine Lüge ist. Und das ist die schrecklichste Macht auf Erden. Wenn du dich selbst belügst, dann gehen deine Wünsche niemals auf eine gute Art in Erfüllung. Immer nur auf eine schlimme

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Kommentare

Lucia schrieb am 2007-12-02 18:46:47:
Hallo, Rhazard,
Eine schöne Geschichte! Für einen Auftakt ist das genau das richtige. Man wird echt gespannt auf diesen Füllfederhalter. Allerdings könntest du den letzten Teil (der Tod ist ein Segen etc.) noch ein wenig ausbauen, das erscheint mir zu kurz und knapp gehalten. Wäre gespannt auf eine Fortsetzung!
Lg, Lucia

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