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Kategorien > Leben > von mir

Barbielust

von Yellow

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Barbielust

Wie kommt es, dass man mit 15 Jahren ab und zu noch immer die Lust verspürt, in Katalogen die Kinderspielzeugseiten aufzuschlagen? Oder im Einkaufsmarkt ganz unauffällig an der Barbieabteilung entlang zuschlendern?
Ich war eines Tages im Einkaufszentrum und hatte nichts mehr vor, also stöberte ich in einer Buchhandlung herum. Und dort zwischen Krimis und Biografien fand ich etwas ganz besonderes. Etwas, dass mich wirklich zum Nachdenken brachte. Es war ein Buch, dessen Cover schon ganz witzig aussah, so ein blondes Mädel mit lustiger Frisur. Ich las den Einband, um zu erfahren, worum es ging und ob auch der Inhalt so erfrischend pink war, wie das Cover. Es handelt von einer Frau, die regelmäßig im Internet Texte veröffentlicht, weil ihr langweilig ist. Dann wird sie schrecklich berühmt und trifft sich auf Blind Dates mit ihren Fans.
Ich hab schon in der Buchhandlung angefangen zu lesen und kaufte es kurzentschlossen. Zuhause las ich weiter. Auf den ersten Seiten schreibt sie einen Artikel über sexsüchtige Barbies. Oder vielmehr über ihre Kinderzeit, in der sie mit ihren Freundinnen ihren Wissensdurst in Sachen Sex an ihren Barbies stillte. Ken und Barbie wurden von ihr als “Sexbomben im Taschenformat” bezeichnet.
Ich mag diese Bezeichnung irgendwie, obwohl ich ehrlich zugeben muss, meine Barbieabenteuer waren nicht halb so versaut wie ihre. Es war mir damals schon peinlich, wenn ich spielte, dass Barbie von Ken vergewaltigt wurde. Und doch spielte ich gerade diese Szene hundertmal hintereinander. Allerdings nur, wenn ich allein war und sicher, dass meine Mutter nicht vor der Tür lauerte. Und die für mein derzeitiges Alter schon ziemlich dreckigen Dialoge liefen auch immer nur in meinem Kopf ab, solange Ken seine Bedürfnisse an Barbie stillte.
Erst wenn der Liebesakt vorüber war, lieh ich meinen Plastikpuppen wieder meine Stimme. Es wäre mir einfach zu peinlich gewesen, wenn jemand das gehört hätte. Und echt wahr, sonst saß ich immer auf meiner Schaukel und redete mit mir selbst, so laut, dass der Nachbarsjunge sich schon seine Freunde nach Haus einlud, um mit ihnen den Gedankengänge des kleinen Mädchens hinter der Hecke zu folgen. Mit anderen Worten, das soll schon was heißen, wenn mir etwas derartiges derartig peinlich ist.
Ich weiß bis heute nicht, wie es mit der Hauptfigur und ihren heißen Texten weitergeht, denn immer wenn ich das Buch mit der Absicht weiterzulesen in die Hand nehme, denke ich: ,,Ach, einmal gönnst du dir jetzt noch die Barbieseiten. Die sind zu cool und lustig. Und vor allem sehr ehrlich, was soll’s”. Und wenn ich die Seiten dann zum was weiß ich wievielten mal gelesen hab, muss ich das Buch einfach weglegen, um noch einen verzweifelten Versuch zu unternehmen, meine alten Barbiesachen zu finden.
Aber jedes Mal ist es eine einzige Enttäuschung. Im Leben einer Heranwachsenden kommt nämlich irgendwann der Tag, an dem ihr plötzlich auffällt, wie peinlich es ist, mit Barbiepuppen und Baby Born unter einem Dach zu wohnen. Meistens so um die 12-13 Jahre. Dann gibt man alles dafür, dass das Zeug verschwindet, bevor es irgendwann mal jemandem in die Hände fällt, der besser nicht wissen soll, dass man auch mal ein normales Kind gewesen ist.
Ich persönlich habe diesen Akt auf dem Flohmarkt vollführt und stolze tausend Mark für meine Barbies, meine Legosteine und meine Playmobilsammlung eingenommen.
Doch irgendwann später kommt im Leben einer Heranwachsenden auch der Tag, an dem man diesen Aufwand bereut. An dem einem auffällt, dass es gar nicht schlimm ist, wenn jemand weiß, dass man damals, wie jeder andere eine Schwäche für Puppen empfand - wenn auch in manchen Fällen eine Heimliche. Und an diesem Tag beschließt man, dass Barbie und Co Kult sind und auch im Alter von vielleicht 15-16 Jahren ein Produkt, dass man in die Hand nimmt und sich an seine sorglosen Kindertage erinnert. Man rettet sich mit der Ausrede, Barbie als sogenanntes Souvenir behalten zu haben, aber wenn man allein ist, passiert’s trotzdem, dass man Barbie wie eine alte treue Freundin ansieht, ihr aus Mitleid noch einmal die Haare kämmt und ganz leise vielleicht, eventuell, möglicherweise einen kleines fiktives Gespräch mit dem “Souvenir alter Tage” genießt.
Doch diejenigen, die dieses Souvenir in einem überschwänglichen Wutanfall pubertärer und nicht nachzuvollziehender Beschlüsse vertickt haben, können die wie aus dem Nichts aufgetauchte Lust auf Spielzeug nicht einfach so stillen. Sie müssen auf ihrem Dachboden herumkrabbeln, in der Hoffnung, sie hätten damals eine einzige kleine Blondine zurückgelassen.
In meinem Fall waren nur noch die Schuhe und Taschen, Klappstühle und Accessoires der Blondine aufzufinden. Ich war reichlich enttäuscht. Sofort musste ich natürlich bei Google Stichwort Barbie suchen. Doch dort gab es nur noch solche Superbarbies. Man könnte meinen, Barbie sei einer Horde Multifunktionisten (dieses Wort habe ich soeben erfunden) zum Opfer gefallen.
Die eine kann sprechen, die andere kann ohne Hilfe gehen oder hat nachwachsende Haare. Wenn man nach einer ganz normalen Barbie zum Liebhaben sucht, wie es damals jede gewesen war, ist man total aufgeschmissen. Und dabei ist meine Barbiezeit doch noch gar nicht so lange her, oder? Ich hatte das Gefühl, als sei ich eine alte verwirrte Greisin, die vor Angst unter den Tisch springt, wenn mein Enkel seine PS2 anschaltet. Eine von den Damen, die jeden zweiten Satz mit den Worten “Als ich jung war” ´beginnen. Und dabei bin ich auch erst 15.
Ich erinnerte mich an drei Barbies meiner besten Freundin, auf die ich immer neidisch gewesen war. Es waren Meerjungfrauen und ihre Haare wuchsen über ihre Schwanzflossen hinaus. Eine Blonde, eine Brünette und eine Rothaarige. Damals hatte ich versucht, mir diese - meiner Meinung nach, hübschesten und vollkommensten - Barbies anzuschaffen. Aber schon zu der Zeit waren die Barbies lange nicht mehr auf dem Markt und von meiner Freundin erfuhr ich, dass sie die Meerjungfrauen auch aus dem Ausland hatte. Es schien hoffnungslos.
Aber nach diesem inspirierendem Text aus dem Buch mit dem witzigen Cover, begab ich mich erneut auf die Suche nach den sagenhaften Barbies. Wie gesagt, bei E-Bay.
Nach endlosen Stunden erfolgslosen Suchens vor dem Pc-Screen und kurz vor dem Aufgeben fand ich sie unter dem Titel “Jewel Hair Mermaid - longest hair ever”.
Ich hab bei E-Bay doch tatsächlich mitgeboten. Es gab in dieser traumatischen Minute scheinbar nichts wichtigeres als wieder eine Barbie zu besitzen. Doch ich verlor das Wettbieten. Möglicherweise mit Absicht, weil mein Unterbewusstsein sich auch nach Gehirnwäsche durch Einredungen wie “Kult - Muss man haben - Erinnerungen - nur zum Angucken - überhaupt nicht schlimm - hey, so bin ich” noch vor Scham den Gürtel enger schnallte.
Ich wollte sie wirklich nur neben meinem Bett in einem hübschen Katon mit ihren Schühchen haben und sie ab und zu einfach rausnehmen. Ja, und vielleicht die Dinge mit ihr ausprobieren, die ich in

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Kommentare

RVHoppyGFeeNarzisse297199513 schrieb am 2009-09-06 13:25:16:
Ich finde deinen Text auch richtig klasse. Er ist so locker geschrieben und vor allem ehrlich.
Und ich bin natürlich froh, dass es auch andere Leute in meinem Alter gibt, die "noch" Barbies mögen.
Letztes Halloween hatte ich meine Freundin zu mir eingeladen, die einzige, die auch noch Barbies besitzt, und wir haben zusammen im Kerzenlicht eine Barbie-Halloween-Party gefeiert.
Allerdings hatte auch meine kleine Schwester ihre Freundinnen eingeladen, die wohl bei uns durchs Schlüsselloch geschaut hatten, denn wir hörten sie ganz entsetzt sagen: "Was, die spielen ja wirklich immernoch mit Barbies!?"
Ja, im Herzen bin ich noch eine Kindergartenkind.
princetongirl8189 schrieb am 2007-07-08 22:05:50:
Ich find diesen text einfach toll! ich weiß auch nicht warum aber es hat mich total mitgerissen. Ich habe mit meinen Barbies auch nicht solche "versauten" sachen gemacht bei mir haben sich Ken und Barbie höchstens geküsst aber ich war ja auch eine der spätstarterinnen ,denn ich erfuhr erst in der 4. klasse wie Baby's wirklich entstehen, naja egal auch ich besitze noch ein paar barbies aber ich glaube das kann man nicht mehr so nenen da meine schwester die wirklich verunstaltet hat.
nochmal schöner text und weiter so
LG
princetongiirl8189

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