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Kategorien > Humor > Schicksal

Bauer Huber

von Stefan Browatzki

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“Bauer Erwin Huber”
von Stefan Browatzki
Wenn alle Unterehrenbacher aus der Dorfkirche kamen, mussten sie
zwangsläufig bei Bauer Hubers Hof vorbei, um in den angrenzenden
Dorfkrug zu gelangen. Erwin Huber war seit mehreren Wochen das Ge-
sprächsthema Nummer eins, denn er hatte durch sein Leben als auch
durch seinen Tod, das Dorf Nachhaltig sehr verändert. Leise tu-
schelnd gingen sie an dem alten, abbruchreifen Bauernhaus vor-
bei,dass ich mittlerweile, mein eigen nannte. Die Mütter ermahnten
Ihre Kinder, Pfarrer Merkel betete mit Dr.Maier und Bürgermeister
Alois zusammen um Gottes Barmherzigkeit und dann bekreuzigten sie
sich demütig. Dieses Verhalten, irritierte mich natürlich und des-
halb beschloss ich eines Abends, meiner netten älteren Nachbarin
einen Besuch abzustatten und sie zu bitten, mir die Hintergründe,
für dieses merkwürdige Verhalten zu erörtern. Erst weigerte sie
sich vehement darüber zu reden, fing dann aber doch noch nach zwei
Flaschen Korn an zu erzählen:
Es hatte alles so schön begonnen. Bürgermeister Alois hielt extra
eine Festrede und begrüsste Dr. Maier höchstpersönlich. Dr. Mai-
er,ein junger Zahnarzt aus der Stadt, hatte sich glücklicherweise
dazu entschlossen in Unterehrenbach, seine Praxis zu eröffnen und
wurde so zum wichtigsten Steuerzahler der Gemeinde, die noch nie
vom Geld gesegnet war. Natürlich hatte er sein Haus für einen
Spottpreis bekommen, da es aus der Konkursmasse von Alois Schwager
stammte, aber das spielt hier jetzt keine Rolle. Alois war glück-
lich, denn er konnte den Bewohnern demonstrieren, dass er die
Wirtschaft ankurbele und der Zahnarzt war froh über das Schnäpp-
chen, dass er dem “Bauerntölpel”, abgequatscht hatte. Auch Erwin
Huber freute sich und feierte mit den Anderen auf der Festwiese.
Ab Mitternacht standen alle bei Dieter im Dorfkrug und kippten ein
Bier nach dem anderen, bis sie gegen Ende vor dem Kotzbecken in
der Toilette, Schlange standen. Alois stellte sich in einer Kabine
auf die Klobrille und verkündete in einer unvergessenen Rede die
grosse Wende in Unterehrenbach, bevor er mit einem Bein in der
Scheisse von Bauer Hermann stand. Am Ende der Nacht umarmten sie
sich, tanzten die “Unterehrenbacherpolka”, die zu jedem guten Fest
dazu gehörte und dann versuchten alle mehr oder weniger, ihre Bet-
ten zu erreichen. Am nächsten morgen sprangen die Traktoren zwar
erst um elf Uhr an, aber wen interessiert das in Zeiten des wirt-
schaftlichen Aufschwungs. Erwin Huber war zu diesem Zeitpunkt noch
ein aktiver Grossbauer in der Gemeinde. Er wurde zwar von den
meisten Dorfbewohnern als “verhuscht” und “irgendwie merkwürdig”
eingestuft,aber da diese Merkmale auf fast alle Unterehrenbacher
zutrafen, akzeptierte man ihn auf seine Art und wunderte sich nur
manchmal im Stillen. Erwin war seit zwanzig Jahren mit seiner Frau
Hilde verheiratet. Sie war die Tochter eines angesehenen Gutsbe-
sitzers und hatte einen grösseren Hof als auch Traktor mit in die
Ehe eingebracht. Hilde die eine sehr attraktive junge Frau gewesen
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war, hatte sich ausgerechnet den Huber ausgesucht, der laut seiner
damaligen Konkurrenten, den “Charme einer Kartoffel” besass. Neid
und Missgunst begleiteten die ersten und einzigen ihrer glückli-
chen Jahre. Hilde wurde trotz der Ehe von allen Männern angebag-
gert,blieb aber standhaft und Huber wurde gehänselt, weil er die
dicksten Kartoffeln erntete. Ausgerechnet als sich alle,zähneknir-
schend an die Harmonie im Hause Huber gewöhnt hatten und das Gere-
de aufhörte, verlor die Ehe ihre Leidenschaft. Aus kleinen Stiche-
leien wurden im Lauf der Zeit handfeste Auseinandersetzungen.
Manchmal bedurfte es sogar den Einsatz von Bürgermeister Alois um
die Streithähne zu beruhigen. Erwin und Hilde gingen sich so gut
es ging aus dem Weg und begegneten sich nach einer Weile nur noch
selten auf ihrem grossen Hof. Alle Dorfbewohner waren sich einig
darüber, dass es so hatte kommen müssen und man beobachtete das
Paar nur noch mit Mitleid und einer Spur von Hohn. Huber stürzte
sich in die Arbeit und Hilde fing heimlich mit dem Trinken an. Oft
dachte sie an Scheidung, blieb dann aber, aus Angst ihre Existenz
zu verlieren,trotzdem bei ihrem Mann. Dieter, der Wirt aus dem
Dorfkrug versuchte eine Zeitlang zwischen beiden zu vermitteln,
gab aber nach ein paar desaströsen Versuchen auf. Beide durften
fortan, das Lokal nur noch einzeln betreten und bekamen, weil sie
sich nicht einigen konnten, von Dieter feste Tage zugewiesen.
Durch die jeweiligen Einzelgespräche am Tresen, blieb den Dorfbe-
wohnern kein Detail aus ihrer katastrophalen Beziehung vorenthal-
ten. Huber hatte zu der Zeit noch Geld und schmiss,wenn er besof-
fen war, eine Runde nach der anderen und wurde so zumindest bei
den Trinkern im Ort immer beliebter. Die anderen lauschten wieder-
um interessiert seinen intimen Offenbarungen, weil keiner den
Zeitpunkt von “Hildes Freigabe”, verpassen wollte. Hilde war zwar
durch den übermässigen Alkoholkonsum schon leicht aufgedunsen und
etwas wirr im Kopf, ging aber immer noch als “heisser Feger”
durch. Sie hatte sich mittlerweile angewöhnt zu später Stunde,ge-
gen ein paar Schnäpse, ihre Bluse auf zu knöpfen und “die Bälle
hüpfen zu lassen”, wie sie es nannte. Die Männer vom Stammtisch
waren natürlich begeistert und der eine oder andere Half den “Bäl-
len” mit seiner Hand beim Hüpfen. Hilde fühlte sich wieder begehrt
und geliebt und verlor nach und nach alle Hemmungen. Nachdem sie
mit Bauer Hermann auf der Toilette gebumst hatte, war der letzte
Knoten geplatzt und sie knöpfte sich einen Herren nach dem anderen
vor. Es gab Abende, da war sie mit drei Männern hintereinander auf
der Toilette zu Gange, weshalb sich mittlerweile schon jeder, der
“nur” auf Toilette ging, Rechtfertigen musste um nicht als “nim-
mersatter Lustmolch” zu gelten. Erwin bekam zunächst von dem Trei-
ben nichts mit, denn er durfte die Kneipe an den “Hildetagen” ja
nicht betreten und die Männer aus dem Dorf erzählten ihm logi-
scherweise auch nichts. Hilde brauchte sich mittlerweile auch kei-
ne Sorgen mehr um Ihre Existenz zu machen, denn sie hatte diverse
Heiratsanträge auf der Toilette bekommen und überlegte nur noch
wann und wie sie Erwin verlassen würde.
Erwin wurde immer sonderbarer,denn der übermässige Alkoholkonsum
bekam Ihm überhaupt nicht. Mittlerweile trank er schon Vormittags
sehr fleissig und dadurch unterliefen ihm zunehmend gravierende
Fehler. Eines Tages, zum Beispiel, fütterte er im Suff die Rinder
mit Unkrautex und verlor so schlagartig seinen grossen, ertragrei-
chen Viehbestand. Erwin betrank sich daraufhin aus Verzweiflung
und versuchte in seinem Vollsuff, die Spuren des Desastsers zu
Verwischen. Mit seinem Traktor wollte er die Rinder entsorgen fuhr
jedoch beim dritten Versuch in die Stallung zu fahren den kräfti-
gen

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