Baumzauber
von
Kalliope
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Windmähne lief so schnell sie konnte über den Hang. In ihrem wut- und schmerzverzerrtem Gesicht brachen sich die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Sie konnten doch nicht wirklich!...dachte sie voller Verzweiflung. Aber oben angekommen sah sie, dass sie konnten: zwei Bauern aus dem Dorf waren damit beschäftigt, die knorrigen Äste der riesigen Weide, die Jahrzehnte lang dem Wind auf dem Bergkamm gestrotzt hatte, einzusammeln. An den langen Ästen hingen kaum noch Blätter, und nun stand nur noch der tote, raue Stamm auf der Wiese.
Ihre Weide. Der Baum des Lichts, ihr geweihter Schutzbaum. Tot. “Das werdet ihr mir büßen!”
schrie Windmähne voller Zorn. Dann öffnete sie erneut den Mund und diesmal klangen laute, hohe Töne in einer fremden Sprache aus ihrer Kehle. Ein Klagelied für ihren Baum.
Und schon hob sich der Wind an und zerzauste Windmähnes lange, blonde Haare, angestachelt von dem magischem Gesang. Geschwollen zu einem mächtigen Sturm ergriff er schließlich die beiden Bauern, die sich voller Pein, weil sie die Beschwörung nicht ertragen konnten, die Ohren zuhielten. Und sie schrien vor Angst, als der Wind sie hoch in die Lüfte wirbeln ließ und den Berg hinunter trug, bis an dessen Fuß, wo man vom Dorf aus nur einen schmalen Wasserlauf in der Sonne blitzen sehen konnte.
Erst da erstarb Windmähnes Gesang und wich verzweifelten Schluchzern. “Es tut mir so leid”, sagte sie zu der Weide, “Es tut mir so leid. Ach wär ich doch nicht zum Weiher gelaufen, um den
Menschenmädchen beim Baden zuzusehen! Ich weiß, das nützt dir nun auch nichts mehr. Doch so kann ich nicht weiterleben! Ich wurde entzwei gerissen von diesen verfluchten Menschen!” Der
Schmerz wurde unerträglich für sie. Schutzsuchend schmiegte sie sich an den rissigen Stamm des Baumes, oder an das, was von ihm übrig war. Warum hatten sie das nur getan? Windmähnes Tränen rollten an der Rinde hinunter. Warum erkennen die Menschen das Licht der Bäume, die Schönheit der Natur nicht mehr? “Doch diesen Fehler werde ich nie mehr machen!”, schwor sie dem Baum. “Ich tue alles, um es wieder gut zu machen!” Dann kam ihr eine Idee. “Von nun an werde ich dich nie wieder verlassen”, murmelte sie in den Stamm. Und mit einem letzten Seufzer löste sich ihr Körper auf und der Wind trug den glitzernden Staub davon. Die Baummaid hatte sich für ihren Schutzbaum geopfert.
Über den Herbst wuchs der Baum auf wunderliche Weise, wie die Bewohner des Dorfes auf dem Berg erzählten, wieder und wurde noch größer und mächtiger als je zuvor. Im Frühling keimten aus den neuen Zweigen frisches Grün, und der Baum blühte im Glanz der Sonne. Nur an düsteren, nebeligen Tagen, die Herbsttage, die Naturgeister so liebten, konnte man im ganzen Dorf klagende Seufzer aus dem Baum hören. Seit dem rührten die Dörfler die Weide nie mehr an und an Festtagen konnte man fröhlich kleine Mädchen mit Blumenkränzen im Haar um sie herum tanzen sehen.
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Kommentare
Leanyka_kreativ@web.de schrieb am 2006-04-02 17:45:20:
Hey,
deine Geschichte ist echt schön geschrieben, hat mich berührt.
;-)
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