Begegnung
von
Anna Kondraschenko
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Als sie an diesem Abend aus dem Fenster blickte, sah sie das gleiche Bild wie an den Tagen zuvor. Ein grauer Schleier bedeckte den Himmel und die Sonne schien den Frühling verschlafen zu wollen. Ein starker Wind wehte und kaum eine Seele traute sich auf die Straßen. Sie war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie sogar das Klopfen ihres Bruders nicht wahrnahm. Erst als seine Stimme ertönte richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf ihn. „Ich treffe mich gleich mit ein paar Kumpels zum Pokern. Du kannst nachkommen, wenn du magst.“ „Gerne doch.“ entgegnete sie ihm nach kurzem Zögern. Er verschwand wieder hinter der Tür und ließ sie allein. Auf ihrem Schreibtisch lag noch immer ein leeres Blatt Papier. Sie wollte schon seit längerer Zeit wieder mit dem Schreiben fortfahren, aber etwas hielt sie davon ab. Sie beschloss keine Zeit zu verlieren und machte sich frisch.
Es waren nur ein paar Schritte bis zu der Wohnung. Als sie ankam, wurde sie schon erwartet. Sie begrüßte jeden herzlich. Die Personen waren ihr schon vertraut. Nur einer stich heraus. Sie entdeckte ein neues Gesicht in der Gruppe. Sie stellten sich gegenseitig vor. Das Spiel hat begonnen. Anstelle sich dem anzuschließen, nahm sie sich ein Getränk und beobachtete jeden einzelnen. Sie kamen ins Gespräch. Ihre Laune stieg und sie gesellte sich bei der nächsten Runde dazu. Nach einer Weile bekam sie Hunger und bereitete sich ein Fertiggericht zu, denn mehr hatte die Küche nicht zu bieten. Alkohol wurde ausgeschenkt und die Gespräche wurden immer interessanter. Allmählich wurde ihr der Neuling sympathisch. Es wurden Späße gemacht, Erlebnisse zum Besten gegeben und Geschichten erzählt. Musik untermalte das gemütliche Beisammensein. Die Zeit verlief wie im Flug. Sie verschaffte sich einen Blick auf die Uhr und beschloss den Heimweg anzutreten. Sie verabschiedete sich von allen und ging zur Tür hinaus. Zu Hause angekommen, ließ sie den ganzen Verlauf noch einmal Revue passieren.
Einige Tage später fanden sich beide in einem Chat wieder und kamen ins Gespräch. Sie tauschten Interessen und Nummern aus. Es war Ferienzeit. Ihr Bruder nahm sie nun des Öfteren mit zu seinen Kumpanen. Auf diesen Versammlungen trafen sich die zwei wieder. Sie unterhielten sich lange und es stellte sich heraus, dass beide Hobbyautoren sind. Nach einigen Tagen nahm sie ihn zu ihrem besonderen Ort mit. Den Ort, an dem sie sich immer inspirieren ließ. Im Laternenlicht setzten sie sich auf eine Bank und lasen jeweils die Texte des anderen. Für diesen Anlass schrieb sie eine Kurzgeschichte. Das leere Blatt Papier auf ihrem Schreibtisch wurde mit kunstvoll aneinander gereihten Worten ausgefüllt.
Sie fand eine Art Seelenverwandten in ihm. Er hat lange Gespräche mit ihr geführt. Sie fühlte sich von ihm verstanden. Dank ihm hielt sie nichts mehr vom Schreiben ab. Im Gegenteil. Er inspirierte sie zu neuen Ideen. Es begann eine wunderbare Freundschaft.
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