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Kategorien > Kurzgeschichte > Einfach so

Begegnung

von Lillium

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Seine Schritte werden gedämpft durch den feuchten Boden unter seinen Füßen. Es duftet süß und frisch, die unberührte Natur, die er durchquert. Der Wald wirkt so schön wie noch nie, denn die untergehende Sonne taucht ihn in ein rotes Licht, das die grünen Blätter der Bäume erstrahlen lässt. Schließlich jedoch schoben sich dichte Wolken vor die Sonne. Der Wind, der nun die Bäume ächzten und bedrohlich knacken ließ, hatte sie wohl hergetrieben. Ihn überkam ein ungutes Gefühl, er beschleunigte seinen Gang. Der Wald, der eben noch so ruhig und friedlich gewesen war, verwandelte sich. Er wurde düster und unheimlich. Plötzlich blieb er abrupt stehen und wagt es nicht sich zu bewegen.
Etwas steht vor mir. Ich kenne es nicht. Der Duft ist so merkwürdig, so anders. Soll ich einen Taps nach vorne gehen? Besser nicht. Ich warte, sehe was es macht, dieses fremde Wesen.
Er versuchte ruhig zu atmen. Sein Puls raste und schließlich entschloss er sich einen langsamen Schritt nach hinten zu setzten. Der junge Wolf beobachtete ihn, musterte ihn genau mit seinen gelben Augen, die abwartend an ihm hafteten. Sie folgten jeder seiner Bewegungen, die er tätigte. Die Ohren waren aufmerksam gespitzt, nur ab und zu, wenn ein Ast knackte, zuckten sie zusammen.
Es scheint, dass es genau so überrascht ist wie ich. Was es wohl denken mag? Es macht mir Angst und dennoch verspüre ich den Drang, es mir genauer anzusehen, es zu beschnuppern.
Unsicher tappte der Wolf nach vorne. Kaum das es sich vom Fleck bewegt hatte. Er verharrte kurzen Moment und schien wohl, seine Reaktion abzuwarten. Als er keine Regung zeigte, bewegte der Wolf sich langsam auf ihn zu.
Was macht es jetzt? Wieso macht es sich kleiner? Ob das wohl eine Drohhaltung ist? Will es mich etwa angreifen, oder ist es genau so an mir interessiert, wie ich an ihm. Wenn ich in seine Augen sehe, sehe ich keine Bösartigkeit, sondern Vertrauen.
Schließlich war der Wolf nur mehr einen Pfotensatz von ihm entfernt. Er streckte die Hand aus und der Wolf setzte erschrocken zurück.
Was tut es? Will es mich verletzten? Nein es sieht mich so seltsam an, so freundlich. Dieser Duft, einzigartig.
Sein Herz pochte, als das Tier an seiner Hand roch. Der Wolf drückte seine kalte Schnauze in seine Handfläche. Plötzlich hielt er inne, sah ihm in die Augen, wendete und lief den Weg zurück, den er so vorsichtig, so unsicher gekommen war. Doch bevor er ihm Dickicht verschwand, drehte er sich noch einmal um.
Auf Wiedersehen fremdes Wesen. Diese Begegnung wird mir immer im Herzen bleiben.
Der Wolf verschwand. Als er sich auf den Weg nach Hause machte war ihm eines gewiss. Diese Begegnung würde er immer in Erinnerung behalten.

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