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Kategorien > Aus dem Leben > Gefühle

Begegnungen

von Certeinth

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Ich hatte soeben die Tür meines kleinen Ladens geschlossen, als ein heftiger Luftstoss mir meinen Hut vom Kopf riss. Ich setzte die Einkaufstüten rasch auf den Boden und rannte ihm nach. Auf dem Platz bekam ich ihn zu fassen und atmete tief durch.

Als sich meine Nackenhaare langsam aufstellten sah ich auf und es entdeckte ein junger Mann, nicht weit von mir entfernt. Er blickte mich traurig an. Ohne ein Zeichen drehte er sich um und ging davon. Ich war wie vom Blitz getroffen. Auch wenn er gut 10 Meter entfernt gewesen war, hatte ich seine tiefen grünen Augen und seine kräftigen Gesichtszüge genau erkennen können. Mein erster Gedanke war, dass ich noch nie einen hübscheren Menschen gesehen hatte. Da ich mir aber sicher war, ihn nie wieder zu sehen, dachte ich nicht weiter darüber nach und kehrte zu meinem Laden zurück.
Meine Einkaufstaschen über der Schulter machte ich mich auf zur Bushaltestelle. Die letzten paar Meter musste ich sogar einen Zahn zulegen, um den schon wartenden Bus zu erreichen. Im letzten Augenblick sprang ich hinein und setzte mich auf einen freien Platz.

Dieses Ereignis hatte ich schon fast vergessen, als mir am folgenden Donnerstag den Gedanken eines Déjà-vus hatte. Ich hatte meinen freien Tag und schlenderte ich der Einkaufsstrasse umher, als plötzlich eine Sirene ertönte und ich mich überrascht umdrehte. Aus der Menschenmenge tauchte auf einmal ein Junge auf, in einem sehr schnellen Tempo. Ihm dicht auf den Fersen ein junger Mann in Uniform. Als der Junge vor mir war, stellte ich mich ihm in den Weg und stiess ihm meine Handflächen gegen die Nase. Nicht fest genug, um ihm wirklich die Nase zu brechen, aber doch fest genug, um ihn zu Boden zu werfen. Zuerst wollte er wieder aufstehen, als der Polizist aber schon neben uns stand. Er legte ihm Handschellen an, brachte ihn zu seinem Auto und bat mich, auf der Dienststelle vorbeizukommen. Ich versprach es und machte mich auch sofort auf.

Während ich die Tür aufstiess, fiel mir die Tasche hinunter und als ich sie wie aufheben wollte, bückte sich jemand und hob sie auf. Als wir uns darauf ansahen, stockte mir der Atem – es war niemand anderes, als der junge Mann von neulich. Ich bedankte mich und er führte mich zu seinem Schreibtisch. Er fragte mich, was ich hier wolle und bot mir eine Tasse Kaffee an, die ich dankend ablehnte – ich hasse Kaffee. So kam ich auch gleich zur Sache und erzählte ihm von dem Vorfall in der Kaufstrasse. Er notierte sich die Geschehnisse und fragte um die Adresse, falls noch irgendwelche Fragen auftauchen würden. Ich verabschiedete mich und er brachte mich noch zur Tür.
Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn bald wieder sehen würde.


2

Die Zeit zog nur so an mir vorbei und irgendwann vergass ich den hübschen jungen Mann. Mein Leben ging weiter und mein Laden lief top. Wöchentlich legte ich ein Teil meiner Erträge zurück, wie ich es immer getan hatte. Ich wollte ja schliesslich im nächsten Sommer in den Urlaub fahren.

Doch dann passierte etwas, was ich nie für möglich gehalten hätte. Ich war in meinem Laden und stand hinter der Theke. Ich überprüfte die Unterlagen, da ich am nächsten Tag den Steuerprüfer erwartete. Da ertönte das Klingeln der Türglocke und ich hob den Kopf. Da stand er, so wunderschön und stark, wie ich ihn auf der Polizeistelle gesehen hatte. Er achtete nicht weiter darauf und sah sich im Laden um. Doch ich, so aufgeregt wie ich war, konnte mich nicht beruhigen und versteckte mich deshalb hinter einem Magazin. Aber ich konnte ihm nicht ausweichen. Plötzlich stand er vor mir und legte ein altes Buch auf den Tresen. Ich blickte auf und verlor mich in seinen Augen, doch urplötzlich schreckte ich auf. Wie konnte ich nur. Um meine Erschrockenheit zu überwinden nahm ich das Buch und begann den Preis einzutippen. Er reichte mir einen Geldschein und ich suchte das Wechselgeld heraus.
Während ich das tat, beobachtete ich ihn über den Rand der Kasse. Mein Herz schlug so heftig, dass ich Angst hatte, er würde es bemerken. Doch ich überwand meine Angst und reichte ihm Buch und Wechselgeld. Er nickte mir zu und lief zur Tür. Doch bevor er meinen Laden verlassen konnte, schrie ich auf. Erschreckt drehte er sich um und blickte mich fassungslos an. Er stürzte förmlich auf mich zu, mein Gesicht musste geradezu entgleist sein. Er fasste mir an den Arm, womöglich hatte er Angst, ich würde zusammenbrechen. Als sich mein Körper beruhigt hatte und mein Gesicht wieder normale Züge annahm, löste er seinen Griff langsam. Ich sah auf und blickte ihn bittend an.
Es war, als würde die durchsichtige Wand zwischen uns zerbrechen. Augenblicklich leuchteten seine Augen auf und er nahm mich in den Arm. Die Starre in mir verschwand und ich floss nur so in seinen Armen dahin. Wir standen unendlich lange so da. Er war es schliesslich, der mich von ihm weg stiess. Unverständlich sah ich ihn an. Er schüttelte traurig den Kopf und rannte dann einfach aus dem Laden. Bevor ich es richtig realisiert hatte, was er verschwunden.

Ich wusste nicht wie ich das Gefühl in meinem Herzen beschreiben sollte, als es vorhin beim Zuwerfen der Tür zerbrochen war.

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Kommentare

daniel schrieb am 2008-07-30 06:53:19:
die geschichte ist wirklich komisch, aber irgendwie lustig
anonym schrieb am 2007-02-26 17:33:00:
Häääää. Ist irgendwie komisch
Heaven schrieb am 2007-02-25 16:39:24:
Wunderschön, traurige Geschichte!!! =(

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