Begierden
von
Stefanie Kreis
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Wie tief kann man sinken? Wie schwarz kann eine Seele sein? Wieviel Sünden können wir uns aufladen?
„Haben sie schon einmal gesündigt Pater?“, flüsterte die Stimme einer Frau durch die vergitterte Luke. Hier drin im Beischtstuhl war es dunkel und nur er konnte die Frau hören, aber nicht sehen. Auch nicht ihr vom Regen zerlaufenes Make-up, das einer Fratze glich. Nicht das hautenge, Blut rote Kleid was an ihrem Körper klebte. „Nein.“, erklang eine feste rauchige Stimme als Antwort. „Nein? Es gibt doch soviel Sünden, sogar ein Gedanke.“ „Was für Gedanken denn mein Kind?“ Ein zynisches Lächeln umspielte ihren Mund. „Lüsterne Gedanken. Gedanken jemanden zu töten. Jemanden beneiden. In Gedanken seinen Ehemann betrügen. Etwas zu klauen. Jeder Mensch hat manchmal solche Gedanken. Wäre dann nicht jeder ein Sünder?“ „Was haben sie den zu beichten?“, lenkte der unbekannte Geistlich ab. „Heute habe ich mich im Spiegel betrachtet und mich geschminkt um einem Mann zu gefallen. Auf der Party habe ich mit ihm getanzt und geflirtet. Seine dunklen Augen lagen auf mir und sogen mich einen Abgrund herab. Voller Gier schliefen wir mit einander. Noch jetzt spüre ich seinen Körper auf meinen. Ich kannte ihn nicht einmal. Um ehrlich zu sein wollte ich es mir nur selbst beweisen, dass ich noch attraktiv bin. Doch der Flirt ist irgendwie außer Kontrolle geraten. Ich habe meinen Mann betrogen und kann nicht erwarten davon losgesprochen zu werden. Heute haben sogar schon Dreizehnjährige Sex und rauchen. Sind wir dann nicht alle Sünder? Es ist kein Wunder das der Herr uns verlassen hat.“ „Er hat uns nicht verlassen. Er schweigt nur...“ Sie fing an zu lachen und lehnte sich an die kühle Wand hinter ihr. „Ach Pater, er ist unserer verderbten Seelen überdrüssig geworden.“ „Vielleicht ist es ein Test für die Menschheit. Einst schwor er Noah nie wieder eine Sintflut über die Menschheit zu bringen.“ „Test durchgefallen.“, flüsterte die Frau ironisch. „Nicht alle Menschen sind schlecht.“ „Heilige sind wir dennoch nicht, Pater. Ich denke ja jetzt noch an ihn und wo er mich überall berührte.“ „Sie sind eine Frau…“ „Evas Fehler meinen sie wohl? Ja die Kirche stempelt wohl alle Frauen als sündige Wesen ab. Aber ist der Apfel der Erkenntnis den so schlimm gewesen? Wurde dadurch nicht erst der Mensch frei? Frei zu denken und tun was er wollte? Was denkt sich die Kirche sich dabei aufzuschwingen als oberstes Organ auf Erden um Gotteswort zu verkünden? Ist er nicht überall um uns herum? Ist er so gut, weiß, rein? Welcher einst Tieropfer bekam und sogar seine eigene Schöpfung tötete. Selbst schlechte Menschen sind doch etwas besonderes. Oder Pater?“, fiel sie ihm ins Wort. „Gott vergibt allen Sündigern mein Kind. Sie sind vielleicht etwas durcheinander.“ Sie neigte ihren Kopf zur Seite und stöhnt: „ Pater die Welt ist schlecht. Gerade wenn jemand behauptet gut zu sein ist er doch meistens genau das Gegenteil. Solange es Menschen gibt… Nein“, verbesserte sie sich, „Gut und schlecht gehören zusammen. Wenn es kein schlechtes im Menschen gibt woher wollte man dann wissen was Gutes ist? Gott gibt uns die Entscheidungsfreiheit was wir sein wollen. Wir entscheiden uns immer und immer wieder im Leben. Selbst Gott muss auch das Böse lieben.“ „Er verstieß das Böse aus dem Himmel.“, berichtigte sie der Pater. Lächelnd setzte sich die Frau auf und strich sich nasse Strähnen aus dem Gesicht. „Gott liebte Luzifer bevor er ihn verstieß. Er heißt sogar: Lichtbringer. Doch wenn Macht winkt dann ist die Gier unersättlich. Das ist ein typisches menschliches Gefühl, da Gott uns Menschen auch begehren ließ. Ich verstehe ihn wenn er angewidert von uns weg schaut. Vielleicht ist er müde geworden über uns zu wachen, da wir es eh verlernt haben auf ihn zu hören. Doch er kann uns auch hassen und uns deshalb weggestoßen haben. Pater ob die Hölle nicht unsere Welt ist?“ „Nein bestimmt nicht mein Kind“ Die Frau rekelte sich und strich sich über Lippen, „Es gibt wenige gute, reine Seelen. Doch in der Welt in der er sie leben lässt, lässt sie grau werden.“ „Wir sind nur Menschen.“ „Da haben sie recht Pater. Wir sind schwach, doch auch ein schwacher kann mächtig sein, je nach dem seine Wahl ausfällt. Ich werde jetzt gehen Pater. Auf Wiedersehen.“ „Ich hoffe ich konnte ihnen helfen. Gott ist immer bei ihnen mein Kind.“ Beim hinausgehen strich sich die Frau über ihren Körper. Leicht fröstelte sie es als sie den Mittelgang entlang ging. Die brennenden Kerzen tauchte ihr blondes Haar in einem rötlichen Schimmer. In eine geheimnisvolle Aura gehüllt blickte sie auf die bemalte Kuppe über sie und lächelte. Langsam schritt sie auf das riesige Portal zu nach draußen. Vor der großen Tür blieb sie stehen und drehte sich um „Wieso tust du mir das an?“ Dann ging sie hinaus und auf der anderen Straßenseite wartete einer ihrer Untertanen auf sie. Sie bemerkte die Schatten der Flügel des Beobachters auf den Glockenturm, welcher vom Mond beschienen wurde. Einst stand sie über ihm in Gottesgunst. Doch er hatte sie zu menschlich geschaffen. Vielleicht liebte er seine Kinder die Menschen deshalb, wegen ihrer Schwächen. Anders als der Beobachter musste sie unter ihnen weilen. Wieder begann es zu regnen aber der Frau machte es nichts aus. Selbstsicher ging sie über die Straße. Ihr Untertan spannte einen Regenschirm auf und lächelte sie an. „Lilian warum waren sie dort?“ „Gehen wir nach Hause Baal.“, sagte sie und überhörte seine Frage.
Die Person auf dem Glockenturm sah ihr nach bis sie im Treiben der Menschenmassen verschwand. Menschen kamen ihm eigenartig vor. Was waren die Menschen? Was sind freie Entscheidungen? Was waren menschliche Gefühle? Fragend sah er auf die Menschen unter ihm, die ihr Leben lebten.
Dies ist nicht ketzerisch gemeint oder doch? Fantasie? Warum das Bild nicht einmal anders herum? Hauptsache meine Fiktion regt zum nachdenken an.
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Kommentare
DarkAngel schrieb am 2007-05-08 17:56:46:
echt gut geschrieben
du hast auch mit dem Inhalt recht!
bussal ju
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