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Kategorien > Alltag > Beobachtung

Beobachtungen

von Basther

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Dummes rumgesitze.
Autos überholen mich vorwärts und rückwärts.
Mein Gegenüber steht auf, ohne sich zu verabschieden.
Türen öffnen sich. Neue Leute, keine Freunde, strömen herbei.
Ich hab einen neuen Nachbarn. Er sitzt auf meinen alten Platz, da ich mich umgesetzt habe.
Er scheint auch nicht gerade glücklich über diesen Platz zu sein. Seine Mundwinkel lassen darauf schließen.
Ist allerdings auch verständlich. Ich habe ihm ja auch mein altes Blickfeld vermacht. Unschön.
Innenwöchlich trinkende laute Menschen. Fernab von aller Welt tänzeln sie zwar in angebrachter nähe, weite, aber störend in seinem Blickfeld.
Nicht in meinem. In seinem.
Nein, er ist nicht glücklich.
Wie seine schwarzen, leicht ausgeblichene Schuhe, die von oben herab ein blaues Hosendach tragen. Aha, Hochwasser, bringt nicht viel.
Jedenfalls sieht dieses Dach auch nicht besser aus. Abgenutzt. Nichtschwimmer?
Nach seinem Blick zu äußern, der braun in der Farbe seiner Augen ist, nicht wie seine Jacke grün-blau, leicht verwaschen, kann man ersehen, dass in seinem Kopf, seiner Tasche gleich, schwarz-traurige Gedanken umherspringen.
Von nun an, kann ich jenen Begleiter nicht weiter wahrnehmen. Er ist gegangen. Hat nicht tschüß gesagt. Aber, welch Glück. Ich brauche noch nicht mal meinen Kopf zu wenden um Zeuge neuer Ereignisse zu werden.
Bevor jenes Plätzchen inseriert werden konnte, gibt es bereits einen neuen Nachmieter. Genauer genommen gleich zwei.
Verschiedengeschlechtlich. Nehmen aber auch nur einen Platz ein.
Ich frage mich ob einer von den beiden Durst hat. Immerhin, schaut es aus, als wenn eine Vogelmama ihre Kinder füttert.
Ob ich mal fragen soll?
Lieber nicht.
Komm ich auch gar nicht mehr zu.
Wird Zeit meinen Platz freizugeben.
Füße, so tragt mich.
Ich bin draußen und rieche die frische Stadtluft.
Um mich herum kreisen tausende Geschichten. Gesichter.
Doch nicht eine von denen will mir ihre verraten.
Nicht eins von denen will mich wahrnehmen.
Man sieht sich an und sieht sich nicht.
Kein wunder dass so viele Menschen einsam sind. Unter Tausenden.

Der Himmel fängt an sein Abendkleid zu tragen. Zieht sich gerade um. Er scheint recht traurig darüber zu sein. Er weint. Dicke Tropfen fallen auf die Erde.
Schirme werden aufgespannt. Es wird geflucht. Es wird sich nicht geholfen.
Die bewundernde, kontrollierte Hektik wird beschleunigt.
Forttragend.
Ich gehe los um den Himmel Trost zu geben. Ich strecke meine Arme aus. Merke seine Tränen. Merke meinen Körper. Traurige Akupunktur.
Ich gehe.
Greife in meine Tasche.
Hohle einen Schlüssel daraus.
Öffne ein Schloss.
Eine Tür.
Steige eine Treppe empor.
Werde gesehen übersehen.
Öffne ein Schloss.
Eine Tür.
Geschlossen.
Sehe mich um.
Bin allein.

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Kommentare

Leere schrieb am 2007-02-17 19:51:40:
Wow, respekt! Interessanter Schreibstil und sehr fesselnder Gedanke! Ich finde die Idee gut, einmal wirklich darzustellen, wie einsam der Mensch doch eigentlich sein kann und auch eigentlich ist. Keiner kann einen Menschen vollends verstehen, ich finde das hast du damit auch ausgedrückt =)
Deine Metaphern finde ich richtig, richtig guuuut!!! Total schön geschrieben.
Weiter so und danke für den Kommi^^
LG Vera
brummberr schrieb am 2006-11-18 02:25:33:
erst mal danke für deine stellungsnahme für mein erstlingswerk auf diesem forum.
deine beobachtung sagt alles was ich an einer großstadt verabscheue und warum ich das landleben bevorzuge,
ein jeder kennt jeden was auch ab und zu ein nachteil sein kann, aber trotzdem ist das zusammengehörigkeits
gefühl noch am stärksten.
lg brummberr
Shenna schrieb am 2006-11-15 22:27:25:
sehr gefühlstief diese metaphern, am schönsten is "traurige akupunktur", der klang der worte, die du da geschrieben
hast, ist echt total schön, vermittelt vieles unaussprechliches,
echt der hammer, wie du gefühle und eindrücke in worte vermittelts und kurze und pregnante,klangvolle,stimmige sätze
daraus bauest.
hör ja nicht auf zu schreiben!
asta, Shenna
Basther schrieb am 2006-10-27 14:12:20:
Hallo Alex!
Erstmal danke für deinen Kommentar. Ich freu mich immer sehr, wenn Leser meiner Stücke sich Gedanken darüber machen. Wie Du es anscheint auch gemacht hast.
Den stilistischen Verlauf der Geschichte hast Du bemerkt, auch dies freut mich.
Es geht darum, wenn man sein Haus verlässt, guten Mutes ist und merkt dass man doch nur ein Mensch unter anderen ist. Alleine unter einer Million. Gut, man hat Freunde, Familie, ist aber auf eine Art und Weise allein.
So viele Menschen leben aneinander vorbei ohne die anderen (sich?) wahrzunehmen. Deshalb wird es am Schluss auch düstere.
Also danke noch mal für Deinen Kommentar.

alex schrieb am 2006-10-27 01:52:44:
Danke für diese Geschichte, sie hat mich einige Zeit gefangen genommen. Ich glaube es liegt an diesen kurzen Sätzen, die sich erst allmählich dem Leser öffnen. Auch gefallen haben mir die witzigen Einschübe, wie z.B. das "vermachte Blickfeld", es lockert die pessimistische Grundstimmung auf. Nur am Ende wird es etwas sehr düster, was aber wohl auch Absicht war - wobei ich jetzt gerade überlege, ob nicht der Erzähler im ersten Teil doch relativ fröhlich ist. Dann ist der Bruch außerhalb der Straßenbahn (?) noch stärker. Auf jeden Fall bleibt man hängen ;-).

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