Berchtesgadener Begebenheit 2
von
Rue - Tigre
Wenn der Abend alpenglühend sich dunkelrot auf die Zimmerwände niederschlägt, wenn das Hundegekläff aus der Nachbargasse verjault und schwanzeingezogene Schatten das Kellerfensterkreuz verwischen, wenn schliesslich harter Stiefeltritt dem Kopfsteinpflaster Migräne einhämmert, klopft es verstohlen an die Tür.
Fingerbreit öffnet sie sich, türmt den Staub zu einer kahlen Düne.
Eintritt der Kerl, zwei Spannen hoch, obgleich er auf Zehenspitzen tänzelnd sich mir nähert.
Anmutig, formtreu, mich nur allzugut erinnernd, drückt es den Hänfling samt seines Hüpfens, seiner krachledernen Hose, seiner Pirouetten auf der Netzhaut ab, weckt dann elektrochemisch Assoziationen.
Bergsteigerkönig Louis Trenker!
Was erinnert mich ?
Die Nase! Dieser Zwerg hat Trenkers Nase.
Doch seine Augen, das ist Nietzsche, diese Tiefe. Starnberger See - - - !
Keine Zeit, mich zu erinnern.
Säuselnd erklingt nun seine Stimme, formt Melodien, kaum vermögen sie dem Trommelfell sich mitzuteilen. Unverhoffte Klänge, so süß, so süß, was sag ich, süßer noch als süß, die wahre Süße ist in höchster Reinheit ihnen eigen.
Ich danke ihm lächelnden Mundes, der er mich ermuntern will, ewig ermuntern will. Ahnt er doch nicht, daß er nur Mehltau streut auf schwärende Wunden.
Kommentare
sabrina.capaul@bluewin.ch schrieb:
Etwas seltsame Wortwahl, jedoch absolut passend. Kompliment!! Ausgezeichneter Schreibstil. Wie wärs mit einer Veröffentlichung bei einem Verlag? Ich würde das Buch sofot kaufen.
Gruss Sabrina
rising_venus@earthdome.com schrieb:
Naja, zu ausgezeichnet fehlt noch etwas. Der Schreibstil ist in seinen Ansätzen durchaus vielversprechend, die Metaphern und Wortkombinationen wirklich ungewöhlich (Kopfsteinpflaster-Migräne gefällt mir sehr gut), im Ganzen wirkt es jedoch viel zu pompös. Das gezielte name-dropping verfehlt hier seine Wirkung, die Geschichte wirkt wie heiße Luft, gebildete Wörter um ihrer selbst Willen, ohne Inhalt. Der Autor kennt also Nietzsche... so what?
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