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Kategorien > Urlaubserlebnis > Lustige Ereignisse

Besäufnis am letzten Urlaubstag

von Christian Schulz



Diese Geschichte beschreibt eine wahre Begebenheit aus einem meiner vielen Urlaube im Jahr 2003. Ich habe sie aus meinem geschriebenen Urlaubsbericht herauskopiert und daher stehen einige Namen in keinem Zusammenhang, weiterhin habe ich sämtliche Personennamen (außer meinem) und Ortsnamen geändert und einige irrelevante Stellen entfernt, aber wenn jemand mal wissen möchte, wo man RICHTIG GUT Urlaub machen und tolle Leute kennen lernen kann, dann verrate ich ihm gern den Namen dieses kleinen Dörfchens an der Ostsee J.





Küstendorf, Samstag, 21. Juni 2003



Samstagmorgen am 21. Juni 2003. Mein letzter Tag in Küstendorf im Juni. Ich wollte jede Minute davon ausnutzen, also machte ich, dass ich so schnell wie möglich aus dem Haus kam. Und der Tag ging rum wie im Nu. Genau wie am Tag zuvor hatte ich kaum fünf Minuten Zeit, mich mal ruhig hinzusetzen, ich war immer auf Achse. Um zehn ein Käffchen bei Rolfi an der Fischbude, wir freuten uns schon auf die Party in der Küstenhalle heute Abend, würden aber nicht so lange machen, vielleicht bis elf, denn Rolf musste ja wieder um halb sieben raus morgen, und auch ich spätestens um acht, denn mein Bus zum Bahnhof kam ja um fünf vor zehn. Ich verbrachte noch viel Zeit bei Rudolf, dem Strandkorbvermieter, er erzählte, ab nächster Woche würden auch wieder die Tretboote fahren. Und was war mit Thomas, dem versoffenen Tretbootvermieter vom letzten Jahr ? Immer noch ständig besoffen, sagte Rudolf. Vielleicht würde der Hamburger ja wieder die Boote vermieten. Der Tag verlief schnell, und am frühen Nachmittag besuchte ich die Kubinskys. Sie freuten sich sehr, hatten sogar noch unser Blümchen mit den beiden Spatzen im Wohnzimmer stehen. Wir unterhielten uns bestimmt eineinhalb bis zwei Stunden, sie erzählten mir viel über Küstendorf und seine Bewohner, und mir als langjährigem Urlauber sind natürlich nun auch schon viele Namen ein Begriff, so dass es für mich doch sehr interessant war. Aber ich saß auf heißen Kohlen, soviel wollte ich noch machen, und ich musste mich am Strand auch noch von dem älteren Ehepaar und Rudolf verabschieden. Am späten Nachmittag schrieb ich zuhause schließlich einen Brief an Jasmine, den ich ihr aber nicht schickte, sondern ihn in einen Umschlag packte, den ich ihr hier zurücklassen wollte, denn sie würde schon in 5 Tagen kommen, am 26. Juni, um wieder für 2 Monate hier zu arbeiten. Ich wollte den Umschlag ihrem Chef geben, in der Hoffnung, dass er nicht neugierig werden und hineingucken würde, er sollte ihn für Jasmine zurücklegen. Ach, und selbst wenn er gucken würde, es stand nichts Verfängliches darin, wir hatten ja damals hier in Küstendorf wie auch später so gut wie gar nicht über uns geredet, und nachdem wir beide wussten, dass aufgrund der Entfernung von 700 Kilometer keine Beziehung möglich war, war das ja nun auch kein Thema mehr, es war einfach nur ein netter Brief. Ich saß vorher noch lang bei Rudolf und half dem älteren Ehepaar schließlich, ein paar Sachen zu ihrem Auto zu tragen, sie würden auch morgen abfahren. Vielleicht sähe man sich ja noch mal wieder, jedes Jahr um Pfingsten herum würden sie nach Küstendorf fahren, und noch mal im Januar, oder so ähnliches sagten sie mir. Wir verabschiedeten uns, und kurz darauf ging ich auch zu Rudolf und sagte „Bis bald“, und es war ja auch wirklich nicht lange, dann würden wir uns schon wiedersehen, morgen in 6 Wochen war der 4. August. Vor der Küstenhalle war schon jede Menge los, es wurden Bratkartoffeln und Pfannkuchen verkauft, ich holte mir eine Portion von jedem, aß die Pfannkuchen auf dem Weg nach Hause. Abends fand ich mich noch einmal bei Hansi ein, auch seine Schwester Heike war da, und wer natürlich noch ? Fritz. Auch in den letzten Tagen war er stets dagewesen und hatte wieder geredet wie ein Wasserfall, aber heute Abend war es wirklich einmalig. Vorn spitz zulaufende Schuhe, eine feinstens gebügelte weiße Hose, und ein blaues Jackett mit schwarzem Kragen und darunter sein weißes Hemd, so stand er in Hansis Laden. Einerseits sah er so sehr imposant aus, andererseits aber auch zum Kringeln. Und schade, das hätte ich gern miterlebt, so war er wohl am späten Nachmittag über die Strandpromenade geschritten und hatte einen langen Vortrag gehalten, was alles im Argen läge hier und was verbessert werden müsste, angeblich wäre ihm eine ganze Schar von Leuten gefolgt. Und die Dinge, über die anschließend wieder im Laden geredet wurden und Fritz’ Redefreudigkeit (wie ein Wasserfall), es war wieder einmalig. Gut, dass ich jetzt noch mal hierhin gegangen war, dachte ich J. So, und nun nach Hause, denn bald wollte ich mich mit Rolf treffen, denn wir wollten ja mit Andrea auf diese Party in der Küstenhalle. Ein schöner, lustiger letzter Abend sollte es hier werden, nicht zu lang, denn den Koffer wollte ich heute Abend noch packen, wenn ich nach Hause kam und ich musste ja früh raus. Ich hatte dummerweise meinen Wecker daheim vergessen, also hatte ich Rolf gebeten, mir seinen auszuleihen, damit ich auch nicht verschlafen würde. Mein Handy hatte zwar auch eine Weckfunktion, aber....eben mein Handy. Und heute Abend machte ich es auch noch ganz kaputt, ich drückte mal wieder daran herum und versuchte verzweifelt, es wieder anzukriegen. Vor Wochen hatte ich es zuhause schon mal in die Ecke geschmissen und musste es danach wieder zusammensetzen, wonach es aber eindeutig besser lief. Ja, und heute ? Schmiss ich es auch in die Ecke, nicht fest, ich glaube, ich ließ es einfach nur auf den Boden fallen. Und dann ging gar nichts mehr. Nichts mehr von SIM-Karte und so, es hieß einfach nur noch : Dienstanbieter kontaktieren. Aha, seeehr interessant. Und nun sollte er losgehen : Der letzte Abend in Küstendorf, 2, 3 lustige Stündchen mit Rolf und Andrea, vielleicht bis elf, halb zwölf und 3, 4 Bierchen trinken.

Oh, es sollte ein verdammt lustiger Abend, und auch ein verdammt langer Abend werden.



Ich lief schließlich gegen acht Uhr vor dem Hauptgeschäft des Fischladens, wo Rolfi arbeitete, herum und wartete, dass er am Fenster erschien. Er kam schließlich die Treppe herunter und machte mir hinten auf dem Hof, den ich heute zum ersten Mal betrat, die Tür auf. Der Chef war glücklicherweise schon weg, ihm gehörte nämlich das Haus, und er sah es nicht so gern, wenn Rolf Besuch hatte (also mal ehrlich, was soll das ? Darf man in seiner Wohnung noch nicht mal ab und an einen Gast haben ? So langsam wurde mir dieser Biliander auch mehr als unsympathisch!).

Ich ging die schmale steile Treppe mit Rolf nach oben, überall standen Getränkekisten und es roch verdammt eklig nach Fisch. Oben aber nicht mehr, Rolf hatte eine richtig schöne Wohnung, letztes Jahr hatte er hier mit Stefan gewohnt. Jetzt war er hier allein, aber der Pole würde ab nächster Woche wohl hier wohnen. Schön, den würde ich im Sommer dann wohl auch noch kennen lernen. Rolf erklärte mir seinen Wecker und steckte ihn ein, wir tranken beide noch ein Glas Sekt, ich glaube Rolf hatte vorher schon etwas getrunken, und dann ging es los. Andrea abholen, natürlich mit Auto, denn hierzulande durfte man ja nur betrunken fahren. Die Kiste ging wieder zig mal aus, bevor sie richtig lief, wir rollten ab und zu einfach nur noch, denn der Wagen war plötzlich ausgegangen. Frau Schulz war noch nicht fertig, also bat sie uns herein. Lustig, dass wir denselben Nachnamen haben, war mir vorgestern schon aufgefallen, als ich auf die Klingel sah. Wir warteten innen drin noch etwas und dann fuhren wir los. „Mensch, wir hätten auch den Rest Sekt mitnehmen können“, sagte Rolf plötzlich. Na, würden wir ihn eben holen fahren. Andrea und ich blieben im Auto, und Rolfi rannte hoch, um die Pulle zu holen, die wir dann im Auto herumreichten. Wir parkten auf dem Parkplatz bei der evangelischen Kirche und gingen von da zu Fuß zur Küstenhalle zur „Party“. Dort trat heute eine Gospelsängerin auf, eine wirklich gute Sängerin, aber nicht so Rolfs und Andreas Fall, wir hatten jeder ein Bier, das Rolf uns großzügigerweise wieder ausgegeben hatte und saßen am Rand der Menge. Lieber woanders hingehen, meinten die beiden. Ins Hallo Hallo!! Wir gingen los und hatten nun schon so ganz schön was intus, und es war vielleicht halb zehn, als wir das Hallo Hallo! erreichten. Und wer saß an der Theke ? Der hässliche Robert-Mitchum-Verschnitt Jan Schindler! Und Andrea war nicht mehr zu halten! „Jaaan!“, schrie sie und von da an hatten wir keine Andrea mehr, sie stand nun den ganzen Abend über an der Seite von Jan Schindler. Rolf und ich setzten uns an einen Tisch und bestellten Cola-Whiskey für uns. Rolf sagte, das wäre eben Andrea, und dass sie, wenn sie total voll wäre, manchmal ihr Oberteil hochziehen und mit den Brüsten wackeln würde. Aha J. Wir tranken unseren Cola-Whiskey, und Rolf schlug vor, nach nebenan in die Dönerbude zu gehen. Dort war es auch billiger, ein Cola-Whiskey kostete hier nur 2,50 € und nicht 3 € wie hier bei Knut. Und der Dönerladen : Ziemlich kleine Bude, nebenan das leerstehende und verlassene „Dreimaster“, denn Harry hatte ja in Westenhafen eine Disco aufgemacht. Es kamen bei mir immer so viele Erinnerungen hoch, wenn ich an das „Dreimaster“ dachte oder wenn ich davor stand, schöne Erinnerungen an Jasmine, die mir wehtaten, da die Dinge damals eben nicht so bleiben konnten. Aber daran dachte ich heute Abend nicht, ich war außerdem schon viel zu angetrunken dazu, und Rolf und ich hatten den größten Spaß, als erstes ließen wir natürlich erst mal einen Cola-Whiskey kommen. Und hier sah ich auch gleich einen Bekannten wieder, Robin, den Tretbootvermieter mit der eingeschlagenen Stirn. Er arbeitete jetzt hier, und er schüttete uns die Gläser schön voll, fast halbe-halbe. Leider war in der Whiskeyflasche nicht mehr so viel drin gewesen, und mehr hatten sie nicht. Machte ja gar nichts, stiegen wir halt auf Rum-Cola um. Rolf zückte wieder einen 5-Euro-Schein, aber nun konnte ich ihn endlich mal dazu bewegen, ihn stecken zu lassen, nun war ich ja wohl erst mal dran mit Zahlen. Wir saßen da und soffen, unterhielten uns und redeten nebenbei mit dem Chef Hakan, mit Robin und mit dem anderen Typen, auch so Mitte 20, wie Robin. Robin war mir nach wie vor nicht ganz geheuer, er strahlte auch irgend so eine Kühle aus, der andere schien mir dagegen harmlos. Einmal kam Andrea hineingerannt, sie stand vor uns beiden, total besoffen und brabbelte ganz aufgeregt : „Ihr dürft mich nicht allein lassen! Sagt mir Bescheid, wenn ihr geht! Lasst mich nicht allein!“, und schon rannte sie wieder hinaus, nach drüben ins Hallo Hallo!. Das war das letzte Mal gewesen, dass wir Andreachen an diesem Abend gesehen hatten. Mittlerweile war es schon halb elf und Rolf und ich waren immer noch fröhlich bei der Sache, ein Rum-Cola nach dem anderen. Ich hatte Rolf mittlerweile auch von Jasmine erzählt, dass wir im letzten Jahr zusammen gewesen waren und kamen auf Frauen zu sprechen, und Rolf sagte mir auch nun, was ich schon länger vermutet hatte, dass er schwul sei, seit 6 Jahren hat er einen festen Freund, der in Lübeck lebt. Wir tranken munter weiter, nach jedem geleerten Glas hieß es : „Einen können wir noch!“, und die Zeit schien wie im Flug zu vergehen. Plötzlich kamen einige Mädchen hinein, feierten den Junggesellenabschied von ihrer Freundin, wir sollten Lose ziehen, denn es gab Preise zu gewinnen. Ein Los nur drei Euro. Äußerst günstig, meinten Rolfi und ich. Rolfi zog ein Los und erhielt von dem Mädchen einen Kuss auf die Stirn, natürlich mit dick Lippenstift, ein riesiger roter Fleck war nun auf seiner Stirn. Jetzt war ich dran. Und was zog ich ? Natürlich den Hauptpreis. Ich durfte dem Mädel daraufhin das Herz aus der Hose schneiden, am Hintern, so dass sie von nun an ein Loch in der Buchse hatte, und kriegte einen ebenso extrem lippenstifthaltigen Kuss auf den Mund. Ich verlangte kurze Zeit später sogar noch einen zweiten, nur war ich leider schon nicht mehr so ganz bei Sinnen, so dass ich mir den Lippenstift am T-Shirt abwischte, an meinem weißen T-Shirt mit blauen Ärmeln. Schließlich lud Rolf die drei Jungs aus der Bude alle Mann zum Bier ein, sie kippten das Bier in Kaffeetassen, damit es nicht so aussah, als sei hier eine Säuferhöhle, und setzten sich zu uns auf die Barhocker. Der andere Typ, von dem ich den Namen nicht wusste, redete am meisten, von irgendwelchen Frauen, er erzählte mit verklärtem schwärmerischem Blick, und ich unterhielt mich auch einige Zeit mit ihm, bis schließlich alle drei wieder ihrer Arbeit nachgingen. Ich guckte auf die Uhr, aha, elf. Um die Zeit wollte ich ja eigentlich spätestens nach Hause gegangen sein, aber daran dachte ich natürlich überhaupt nicht mehr. Stattdessen blickten Rolf und ich uns an : „ Einen können wir noch!“ Und es blieb wohl nicht bei diesem einen, es wurden sogar noch einige mehr, was Rolf und ich allerdings nur aus Erzählungen erfahren haben. J



Küstendorf, Sonntag, 22. Juni 2003



Klopf klopf. Was war das denn ? „Hallo?“, hörte ich eine Männerstimme rufen. Ich öffnete die Augen, oh, ich lag im Bett. Und es waren fremde Männer in meiner Wohnung! Ich kroch aus dem Bett und sah zwei verdutzte Männer in meinem Wohnzimmer stehen : „Äh, wir wollten eigentlich hier saubermachen!“ Mir kam mit einem Mal in den Sinn, dass ich wohl verschlafen hatte, die beiden Typen waren wohl dazu beauftragt, nach meinem Verlassen die Wohnung zu reinigen. Ich fragte, wie spät es sei. Zwanzig nach zehn. Oh schön. Ich hätte seit 25 Minuten im Bus sitzen sollen. Und ich war längst noch nicht abreisefertig. Die Bude sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, selbstredend hätten viele der überall herumliegenden Dinge längst in meinem Koffer sein sollen. „Geben Sie mir zwanzig Minuten, dann bin ich hier raus!“, sagte ich zu den Männern, die freundlich nickten und dann wieder verschwanden. Huuh, wie konnte das denn passieren ? Was war gestern Abend überhaupt gewesen ? Ach ja, ich war mit Rolfi in dieser Dönerbude, und wir hatten Rum-Cola getrunken. Wohl ein bisschen zu viel! Ich fand mein T-Shirt, rechts voller Lippenstift und links voller....na ja, sah aus wie Dreck. Und eine Riesenbeule hatte ich links auf der Stirn, die höllisch schmerzte, und eine dicke Schürfwunde am linken Ellenbogen. Mein Gott, was war das für ein Abend gewesen ? Wo war ich mit dem Arm denn wohl hergeschrappt ? Egal, das Wichtigste war erst mal, aus dieser Wohnung rauszukommen. Ich pfefferte alle Sachen in meinen Koffer, räumte notdürftig auf, eine Wasserflasche ließ ich im Kühlschrank, sowie die Äpfel auf der Spüle liegen. Der Vermieter hatte mir bei der Bezahlung am Mittwoch keine 50 Cent rausgeben können, die schuldete ich ihm noch, die sollte ich heute Morgen mit dem Hausschlüssel in seinen Briefkasten werfen. Ach Quatsch, die 50 Cent machten den Mann auch nicht ärmer. Und der Schlüssel ? Den konnten ihm doch die Männer mitbringen. Noch halb „dune“ packte ich meine Sachen, knallte den Schlüssel auf den Esstisch und verließ die Wohnung, immer noch halb besoffen. Meine Güte, was hatten wir gesoffen. Und ich hätte längst weg sein sollen, in wenigen Minuten fuhr in Wasserburg mein Zug los. Na, dann würde ich eben heute Nachmittag fahren, das mussten meine Schwester und ich im April ja auch. Und meine Sachen ? Die konnte ich sicher solange bei Hansi unterstellen. Klar konnte ich das, wenn ich auch verständnislose Blicke und Kopfschütteln von Hansi erntete.

Ich schleppte mich raus aus Hansis Kramladen, fühlte mich ganz und gar nicht in der Verfassung, heute noch einen 6 Stunden Trip nach Hause hinter mich zu bringen. Aber vielleicht konnte ich ja noch bis morgen bleiben! Ich erschien an der Fischbude, aber erblickte dort nicht Rolf, sondern Irina hinter der Theke. Oje. Was war denn mit Rolf ? Irina lachte, wir beide hätten wohl ein bisschen zuviel getrunken, Rolf sei gerade unterwegs, denn sein Portemonnaie sei weg, er graste wohl gerade die halbe Promenade ab und suchte. Hm, suchen würde ich auch noch müssen, denn meine Strickjacke war nämlich auch weg. Vielleicht lag die ja noch bei Hakan ? Ich machte mich auf den Weg und traf Knut und Kathy vor dem Eingang der Passage zu den Kneipen und der Dönerbude, beide grinsten mich an. Sowas hätte er noch nie erlebt, sagte Knut, was Rolf und ich letzte Nacht zustande gebracht hatten. Irgendwer von uns hatte wohl noch gekotzt, hatte auf einer Bank gekniet und über ihre Lehne gereihert, und irgendein Mann hätte dieser armen Person dabei noch helfend auf den Rücken geklopft. Das Ganze wäre für Jan Schindler ein köstlicher Spaß gewesen, die Szene muss wohl von einigen Leuten verfolgt worden sein, Jan hätte nur immer wieder gelacht : „Ey, guckt mal, da kann man umsonst von hinten!“ Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, aber mir wurde so langsam klar, dass Rolf und ich wohl das größte Besäufnis der letzten Jahre auf der Küstendorfer Promenade auf unser Konto schreiben konnten. Ich ging zu Hakan, der mich lachend empfing, ja, meine Jacke lag noch da, denn bei ihm würde nichts weg kommen. Rolf wäre auch schon dagewesen, er hätte verzweifelt sein Portemonnaie gesucht. Und schon wieder traute ich meinen Ohren nicht : Ungefähr 30 Rum-Cola hatten Rolfi und ich gesoffen, jeder 15 Stück, und bei der Mischung, die Robin uns da verpasst hatte........jeder von uns musste eine ganze Flasche Rum gesoffen haben, und davor noch das Bier und den Sekt......uhuhuuhh....ich ging lieber erst mal wieder. Zurück zur Fischbude, Rolf war inzwischen auch wieder da und hatte....ein Alster in der Hand. Zum Kreislaufanregen. Er war auch vollkommen fertig, und er zeigte mir seine Handflächen : Auch kaputtgestürzt. Aber wenigstens hatte er sein Portemonnaie wiedergefunden. Wo hatte es gelegen ? Nicht irgendwo auf der Promenade, sondern zuhause unter seinem Kopfkissen J. Und er war letzte Nacht über 50 Euro losgeworden. 50 Euro für die Cola-Rum-Mischung. Hm, da war ich mit 20 Euro ja noch gut weggekommen. Meine nächste Frage war : „Kann ich wohl heute Abend bei dir pennen ?“ – „Klar, sobald der Chef weg ist.“, war die Antwort. Wie schön, brauchte ich heute die Strapazen der Reise nicht mehr auf mich zu nehmen, und das war auch gut so, wie ich kurze Zeit später feststellen würde. Ich erzählte Rolf, was Knut und Hakan mir eben erzählt hatten, und Rolf sagte auch, er könne sich an rein gar nichts mehr erinnern. Noch nichtmal, wie er nach Hause gekommen sei, er musste ja wohl auf allen vieren die Treppe hochgekrochen sein. Und er hatte gekotzt, als er heute Morgen aufwachte, das heißt vom Chef durch Schellen geweckt wurde, da er verpennt hatte, fand er seine halbe Bude total zugekotzt vor. So was sei ihm noch nie passiert, und seit Jahren war er nicht mehr so voll gewesen. Wir konnten beide nicht anders, als darüber zu lachen, obwohl wir gleichermaßen entsetzt waren. Ich würde eben zuhause anrufen und Bescheid sagen, dass ich einen Tag länger bleiben würde, wollte schon zur Telefonzelle, als Rolf mir sein Telefon gab, ich könnte es ruhig nehmen. Mama war nicht so erbaut davon, aber es war ja nun mal nicht zu ändern. Aber ich wusste ja bislang nur die Hälfte von dem, was wir heute Nacht vollbracht hatten. Ich ging schließlich los über die Promenade, noch aufgedreht vom Alkohol, als mir plötzlich jemand lachend entgegenkam, den ich vorher noch nie gesehen hatte. Ein Türke, etwa in meinem Alter, mit ziemlich verschlagenem Gesicht, er fragte, ob ich wieder nüchtern wäre. Noch nie hätte er einen Menschen so voll gesehen, sagte er, was Rolf und ich da heute Nacht gesoffen hätten, das hatte er noch nie erlebt. Er musste wohl mit ein paar Kumpels gekommen sein, als Rolf und ich geistig schon längst abgeschaltet hatten, aber immer noch fröhlich am Trinken waren. „Einen können wir noch!“ Ich ging weiter und fand auf dem Breslauer Platz ein Fest vor, es wurden wieder Bratkartoffeln verkauft, und auch Rolfs Chef war in einer Holzbude hinter lauter Fischbrötchen zu finden. Er empfing mich lachend, was Rolf und ich uns da heute Nacht geleistet hätten. Und er durfte ja nicht wissen, dass ich heute Nacht bei Rolf übernachten würde, also antwortete ich auf die Frage, ob ich meine Wohnung noch um einen Tag verlängern könnte, einfach mit „Ja.“. Und komischerweise hatte ich Hunger, ich aß wohl ein Fischbrötchen und bestellte mir eine dicke Portion Bratkartoffeln mit Spiegeleiern. Dann lief ich so durch die Gegend, noch halb betäubt, nahm alles nur so wahr wie in einem Traum, und da stand Jasmin’s Chef an seinem Obststand. Und jetzt fragte ich ihn einfach, ob er mich und Jasmine damals wirklich nachts beobachtet hatte, als wir knutschend vor Kaufhaus Delta gestanden hatten. Er lachte und meinte, natürlich hätte er uns gesehen, er wäre im Auto vorbeigegefahren, das wäre doch nicht schlimm J. Ich war noch einmal bei Hansi, traf dort Hubert und Marie, die aber alle beide Verständnis für meine Situation hatten (der Rigotrinker Hubert wohl am ehesten J). Sie hätten mich gestern Abend gesehen, als ich mit Rolf und Andrea noch bei der Küstenhalle gesessen hatte, „Tja, wir beobachten dich!“, sagte Hubert. Als nächstes ging ich los zu Rudolf und betrat seine Bude. Er betrachtete mich erstaunt und hörte sich schmunzelnd meine Geschichte an. Ich sollte erst mal pennen, sagte er, könnte mich in einen seiner freien Strandkörbe legen. Es war noch recht warm und ich wollte mich richtig lang machen, legte mich auf mein Tuch in den Sand, direkt vor den Korb. Ich konnte jedoch nicht richtig einschlafen, und dann kamen sogar meine Strandkorbnachbarn noch mal, das ältere Ehepaar, sie wollten noch mal ans Wasser, bevor sie fuhren. Und sie lachten mich beide an, gefolgt wurden sie von einem jüngeren Ehepaar, ihren Verwandten, die mich auch beide angrinsten. Ob es mir wieder gut ginge, fragten diese ? Verwirrt sagte ich, ja, es ginge schon wieder, und fragte dann nach einiger Zeit, ob sie mich denn heute Nacht irgendwo gesehen hätten ? Der Mann lachte : „Mensch, wir haben dich nach Hause gebracht, weißt du das nicht mehr ?“ Das Ehepaar war wohl so Mitte Vierzig, und nun erzählten sie mir noch einige schöne Dinge aus der letzten Nacht. Die beiden hatten wohl auch schon leicht etwas getrunken gehabt, als sie mich fanden, ich muss wohl irgendwo auf der Promenade gelegen haben. Der Mann half mir schließlich beim Kotzen (also war ich das auf der Bank) (und der Dreck auf meinem T-Shirt war kein Dreck, sondern Kotze), und beide hakten mich ein, um mich nach Hause zu bringen. Nach Hause, und das war gar nicht so leicht gewesen, aus mir herauszukriegen, wo ich wohnte. Christian Schulz, 23 Jahre, alles hätte ich ihnen gesagt, nur nicht, wo ich wohnte. Und den Schlüssel konnte ich auch nicht mehr selbst herausholen, sagte der Mann, er musste ihn aus meiner Hosentasche holen. Er hatte mir sogar noch aufgeschlossen, aber im Haus sei ich dann wohl allein fertiggeworden, es muss da so ungefähr halb drei gewesen sein. Oh, oh, oh. Das ältere Ehepaar zeigte sich richtig verständnisvoll, Hartmut sagte nur : „Ach, Meensch, das kann doch mal passieren!“ Ich bedankte mich noch bei dem jüngeren Ehepaar und legte mich danach wieder hin. Um die Geschichte zu vervollständigen : Erst 6 Wochen später erfuhr ich von Robin, was sich noch zugetragen hatte : Irgendwann um kurz nach zwölf war bei Rolf und mir wohl der Kanal voll gewesen. Rolf kippte wohl irgendwann mit seinem Barhocker um und flog voll vor den Spielautomaten, und konnte sich wohl auch nicht mehr auf den Beinen halten, es kann sein, dass er auch noch auf dem Boden gelegen hatte, genau weiß ich nicht mehr, was Robin mir erzählt hat. Und ich ? Ich muss irgendwann kurz vorher auf dem Klo verschwunden und dort eingepennt sein, denn als ich nach einer halben Stunde nicht wiederkam, guckte Robin nach. Und ich gab keine Antwort, auf kein Rufen, auf kein Klopfen, so dass Robin schließlich das Türschloss abschrauben musste, um mich da rauszuholen. Als er mir schließlich die Richtung gezeigt hatte, in die ich gehen musste, wäre ich in der Passage noch vor Stühle und Tische gerannt, noch nie hätte er einen Menschen so voll gesehen. Und nun konnte ich mir auch den Ablauf der Geschehnisse vorstellen. Nachdem ich „gegangen“ war und noch Stühle und Tische mitgenommen hatte, musste ich wohl ein paar Meter weiter auf der Promenade lang hingeschlagen und liegengeblieben, wahrscheinlich noch mit dem Kopf auf den Boden aufgeschlagen sein, denn ich hatte ja ein ziemlich dickes, schmerzendes Horn auf der Stirn. (Und ich weiß nicht wieso, diese Stelle tut mir heute [Anm.d.Verf.: 2.11.2003] noch weh, wenn ich sie befühle.) Auf jeden Fall hatten Rolfi und ich ein Besäufnis hingelegt, von dem man in den nächsten Tagen und Wochen noch sprechen würde, das war sicher. Und nun lag ich am Strand und versuchte zu schlafen, was mir aber nicht so richtig gelingen wollte. Das war leider nun nicht so von Vorteil, denn das Allerschlimmste sollte für mich noch kommen. So gegen 13 Uhr begann meine Trunkenheit nachzulassen, so langsam wurde ich wieder nüchtern und es begann sich ein grauenvoller Kater breitzumachen. So hundeelend war mir seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen. Ich lag schließlich im Strandkorb, notdürftig zugedeckt und war am Stöhnen, versuchte, den immer stärker werdenden Kotzreiz zu unterdrücken. Ich konnte nicht schlafen, weil mir so schlecht war, ich hatte das Gefühl, mein Kopf würde platzen, ich schmierte meine Spucke in meine Taschentücher, da ich nicht schlucken wollte, mir wäre sonst noch schlechter geworden. Irgendwann wurde mir bewusst, dass es nicht anders ging, ich musste kotzen. Einerseits hatte ich Angst davor, andererseits würde es mir danach besser gehen. Ich schleppte mich aufs Strandklo und schloss die Tür hinter mir. Hoffentlich kam jetzt keiner herein. Ich blickte in den Spiegel und es bot sich mir ein Bild des Grauens. Die Haare standen mir zu Berge, ich sah aus wie ausgeschissen, mit knallroten Augen, am Schwitzen wie verrückt. Ich ging hinten auf das Klo, auf dem ich im letzten Jahr zuletzt gewesen war und ließ meinem rebellierenden Magen freien Lauf. Und ich Trottel hatte 3 Stunden zuvor noch fröhlich Bratkartoffeln mit Spiegeleiern verschlungen. Nun, das kam jetzt alles wieder raus. Und ich war heilfroh, niemand betrat den Raum, solange ich zugange war, aber die Geräuschkulisse war sicher auch bis vor die Tür zu hören. Nach getaner Arbeit ging es mir kurzzeitig etwas besser, ich schleppte mich zum Waschbecken und trank Wasser, ich sah nun noch schrecklicher aus als vorher. ZUM GLÜCK hatte ich verschlafen, nicht auszudenken, wenn ich in diesem Zustand die Fahrt verbracht hätte. Wahrscheinlich wäre ich im Zug zusammengebrochen oder sonst was, und jetzt konnte ich mich in meinen Strandkorb legen. Und das war trotzdem keine wahre Erleichterung, denn mir wurde wieder schlecht, ich spuckte in die Tücher, die ich mir vom Klo mitgebracht hatte und litt noch weitere Stunden. Schließlich wurde es kühler und frischer, was ich aber eher als Erleichterung empfand. Schließlich begann ich zu dusseln, und für eine kurze Zeit war ich fast eingeschlafen, aber schließlich lag ich doch wieder wach im Korb. Jedoch zeigte sich langsam eine Besserung meines Zustandes, ein Glück. Auf einmal erschien Rudolfs Gesicht vor mir. „Ach, du liegst noch hier drin! Ich dachte schon, der Hund ist abgehauen und hat den Korb nicht wieder nach vorn gedreht!“ Rudolf verabschiedete sich von mir, er würde fahren, es war schon halb sechs durch. Wir gaben uns die Hand und wünschten uns alles Gute, bis bald. Ich legte mich wieder hin, schlecht war mir immer noch, aber es ging, kotzen würde ich nicht mehr müssen. Aber leider würde ich gleich schon aufbrechen müssen, denn ich wollte noch mal mit Rolf besprechen, wann ich abends zu ihm kommen konnte, ich musste also noch rechtzeitig an der Bude sein, bevor er und Irina zumachten. Und das hieß aufstehen und laufen, in meinem Zustand eine fürchterliche Anstrengung, aber es half nichts. Ich musste los, und schleppte mich nun die Promenade entlang. Es ging wieder, aber wohl war mir immer noch nicht. Ich schleppte mich über die Promenade, versuchte wie immer Giovanni ignorieren, der Typ grüßte immer, aber irgendwie fand ich es nach einer Zeit nur noch nervig, diesen Pflichtgruß zu vollziehen. Und Rolfi und Irina machten gerade zu, Rolf sagte mir, er wusste auch nicht, wie er den Tag überstanden hatte, es war bei ihm wohl auch schlimm gewesen, wenn auch nicht so sehr wie bei mir, aber er hatte ja in der Nacht schon so „einiges“ aus sich rausgelassen. Wir redeten noch mal über unseren schönen Umtrunk, und als ich ihm erzählte, dass mich nachts zwei Leute aufgegabelt hätten, da erwiderte Rolf nur ganz trocken (und das war Satz Nr. 3 der drei besten Sätze!!!) : „Na ja, ich muss ja auch irgendwo gelegen haben.“ Irina fing an zu lachen, und auch ich tat dies, und ging als nächstes zu Hansi. Ich stöhnte ihm einen vor, erzählte von den 15 Bacardi-Cola, und Hansi schien wohl zu glauben, dass ich die heute Nachmittag noch getrunken hatte, weil mir jetzt so schlecht war, und heute Morgen war ich ja noch einigermaßen fit gewesen. „Dir kann doch jetzt nicht schlechter sein als heute Morgen!“, sagte er, aber bei manchen Leuten kommt der Kater eben erst immer später durch. Ich nahm den Koffer mit und ging durch die Tür, die zur Treppe rauf zu den Wohnungen führt, und zog mich da um. Und Hubert und Marie waren wieder da, sogar eine ziemlich lange Zeit, sie schienen Heike und Hansi richtig gut zu kennen. Es war sieben Uhr, und gegen acht sollte ich bei Rolfi sein, und da Hansi gleich zumachen würde, musste ich schon mal meinen Koffer mitnehmen und wohl eine Weile damit herumlaufen. Ich verabschiedete mich von Hubert und Marie, und ich fragte mich, woher Hubert diese Sicherheit nahm, er wippte mit dem Oberkörper wieder vor und zurück, zeigte mit dem Finger auf mich, guckte mich fast beschwörend an und sagte nur : „Wir sehn uns! Auf jeden Fall! Auf jeden Fall!“ Diese Worte blieben mir darüber hinaus noch lange im Ohr, wie konnte der kleine Hubert sich da so sicher sein ? Und konnte ich mich im Laden auch gerade halten und halbwegs normal wirken, so hing ich nun wieder durch. Mir war immer noch ein bisschen schlecht, und so schlurfte ich mit dem Koffer in den Kurpark, um mich dort etwas auszuruhen. Ich genoss die abendliche Kühle und setzte mich auf eine Bank, versuchte verzweifelt, aufzustoßen, was ja den ganzen Tag nicht gelungen war und auch der Grund fürs Schlechtsein war. So langsam klappte es, aber ich musste ständig auf den Boden spucken, so ging es einigermaßen. So saß ich da und stellte mir wirklich die Frage, überlegte ernsthaft, ob ich jemals wieder in meinem Leben Alkohol trinken sollte. Was hatte man denn davon ? Manchmal ist es lustig, okay, aber heute ? Und nüchtern ist es meist viel besser, das hatte ich am 8. März erlebt und letztes Jahr, als ich Jasmine kennen lernte. Irgendwann stand ich auf und ging los zu Rolf, der mir auch bald öffnete. Er hatte gerade seine Jeansjacke zum zweiten Mal in der Waschmaschine, sie war auch total vollgekotzt gewesen, und er zeigte mir die vielen Stellen in der Wohnung, die er am Morgen bekotzt vorfand : Schrank, Boden, Badezimmer..... Rolf hatte gerade geduscht, und ich duschte als nächstes, während er schon vor dem Fernseher saß. Och, er hatte schon wieder 2 Flaschen Bier getrunken, um den Kreislauf anzuregen. Würde mir sicher auch helfen. Okay, nahm ich eine. Ich würgte das Bier herunter, ich konnte einfach nicht mehr als einen Schluck auf einmal nehmen. Nun ging es mir wieder einigermaßen, aber letztendlich war ich erschlagen wie selten. Mir tat alles weh, der ganze Körper, und Hals und Magen, wenn ich schluckte, wahrscheinlich vom vielen Kotzen. Rolf meinte lachend, vielleicht hätte ich ja noch ein Glas verschluckt heute Nacht, und wir lachten noch viel über diese elende Nacht. Rolf war kurz im Nebenzimmer, kam wieder und fragte mich : „Hast du dir noch ne Pulle aufgemacht ?“ Natürlich nicht, und ich würde so dreist ja auch nicht sein und mich einfach an seinem Kühlschrank bedienen. „Ouh, dann ist das bei mir ja schon wieder die vierte!“, sagte er J. Das Bier war alle, und so ging er runter in den Fischladen, um mir da noch einen halben Liter zu zapfen. Gegen halb elf fand der Abend schließlich ein Ende, ich hatte das kleine Zimmer, wo ein Bett plus Regal und Tisch (?) drinstanden, ab nächster Woceh würde hier wohl der Pole wohnen. Ich konnte erst gar nicht einschlafen, so kaputt ich auch war, wälzte mich herum, bis ich endlich meine Augen schloss und einschlief.









Abreise-Tag, Montag, 23. Juni 2003



Ich war in der Nacht mehrmals wach, konnte nicht mehr so richtig schlafen und lag schließlich ab fünf Uhr hellwach in meinem Bett. Halb sieben erschien Rolf, wir mussten den Koffer rausbringen, da der Chef ab sieben Uhr da sein würde und er durfte ja nicht wissen, dass ich da gewesen war. Wir stellten den Koffer in Rolfs Auto, er gab mir den Schlüssel, den konnte ich ihm nachher in die Fischbude am Strand bringen. Nun war ich draußen, kurz vor sieben, es begann zu regnen, und ich dachte lachend über diese unglaublichen Tage nach. Ich stellte mich kurz unter, machte dann eine Runde über die Promenade, gerade wurden die Mülleimer geleert. Ich trank Kaffee und aß ein Brötchen in der Bäckerei mit Post. Schließlich holte ich den Koffer und ging damit etwas spazieren, denn Hansi hatte noch nicht auf, bei ihm konnte ich ihn sicher wieder einen Moment unterstellen. Ich ging den Koffer hinter mir her ziehend über die Promenade, bis ganz vorn auf die Brücke. Ich blickte auf die Bank, auf der Jasmine und ich damals gesessen hatten. Und heute in 6 Wochen würde ich sie hier wiedersehen. Ich ging durch die Stadt, brachte den Koffer nach Hansi, ging noch kurz Wasser kaufen, und dann noch mal ins Fischhauptgeschäft. Andrea und ich lachten, sie war an dem betreffenden Abend auch total vollgewesen, auch sie war gestürzt, hatte eine dicke Macke am Bein J. Wir nahmen uns in den Arm, bis in 6 Wochen. Zu Hansi und noch eine Dreiviertelstunde Zeit. Und die wurde mir auf ganz besondere Art von Fritz vertrieben. Dieser Mann ist unglaublich, das wusste ich schon seit Jahren, aber was er mir jetzt auftischte, war phänomenal. Er hat, wie ich weiß, ein sehr umfangreiches Allgemeinwissen, aber er scheint ein wahres Genie zu sein, er redete von der Zahl 9 hoch 9 hoch 9, die 369 Millionen Stellen hat, von hundertstelligen Zahlen, die er selbst addiert hatte, von Rechenschiebern, die er damals selbst gebaut hatte, von der 22-fachen Verdopplung des Universums, die nötig sei, um 9 hoch 9 hoch 9 Sandkörner unterzubringen bei 50.000 Körnern auf einen Kubikzentimeter, vom Großkreis in der Seefahrt......es war unglaublich, und unmöglich zu beschreiben, ich habe es vielen erzählt, aber es war irgendwie ein magischer Moment, ich stand da und blickte in die lachenden Augen dieses Mannes, und es war, wie wenn sich hinter diesen Augen ein unglaubliches Wissensspektrum eröffnete, zu dem ich für einen Moment Zugang hatte, wo beispielsweise die schwierigsten mathematische Gleichungen gelöst dalagen, es war unbeschreiblich. Dann noch kurz von Rolfi verabschiedet, bis heute in sechs Wochen, am 4. August. Fünf vor zehn kam mein Bus, und heute kam er wirklich, ach ja, es war ja nun zwischen dem 25.5. und dem 19.10., gut J. Die Fahrt klappte reibungslos, ich war schließlich um 16:39 Uhr wieder zuhaus in Paderborn, wo mich meine Mama und meine Schwester abholten. Jetzt war ich wieder im Lande, hatte aber erneut 5 unvergessliche Tage in Küstendorf erlebt.


Kommentare

Chrissy himself schrieb am 2009-08-25 01:24:04:
Long, long ago....
singingchris@gmx.de schrieb:
Hast genau recht, das beschreibt, wie ich mich an dem betreffenden TAG DANACH gefühlt habe ;)))

Christian

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