Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Weihnachten > Überraschungen

Bescherung mal ganz anders

von Anna

1

Weihnachten.
Dieses Wort löst bei manchen Menschen unterschiedliche Gefühle aus: Die einen denken an Liebe, Geschenke, Plätzchen und Christbaumkugeln. Die anderen an überfüllte Straßen, unechte Freunde, ewig nadelnde Christbäume und den Stress, rechtzeitig die richtigen Geschenke zu kaufen.
Kommissarin Petra Hohlmann gehörte eindeutig zu den Weihnachtsmuffeln. Schon wieder war an der Kreuzung ein Unfallstau, weil alle noch rechtzeitig zur Bescherung nach hause wollten.
Petra saß im Auto, die Heizung voll aufgedreht und den Radio an. Gut gelaunt trommelte sie mit den Fingern den Takt von „Jingle Bells“ auf dem Lenkrad mit. Seit einer Viertelstunde ging der Verkehr nur zähfließend voran. Ihr machte das nichts aus. Weihnachten verbrachte sie allein zu hause, wie schon seit 3 Jahren. Den Stress konnte sie nicht verstehen.
Das Lied hatte gewechselt und war jetzt „I wish you a merry christmas“. Draußen fing es an zu schneien. Die kleinen Flöckchen tanzten vor den Fensterscheiben auf und ab. Dann setzten sie sich auf das Glas. Petra betätigte den Scheibenwischer und fegte sie mit Schwung weg. Doch schon bald lagerte sich wieder neuer Schnee ab und die Prozedur begann von vorne.
Petra drehte die Musik lauter. Nach weiteren fünf Minuten, es war jetzt 22 Uhr, kam der Abschleppwagen. Das gelbe Licht strahlte grell durch die Dunkelheit. Später war die Kreuzung wieder frei und Petra gab Gas.
Eine halbe Stunde später parkte sie vor ihrem Haus und stellte den Wagen auf den Gehsteig. Im Haus duftete es nach Bratapfel, den sie sich dann im Ofen briet. Das war ihr einziger Weihnachtsluxus, den sie sich jährlich leistete. Mit dem Apfel und Zimtsoße setzte sie sich vor den Fernseher und sah sich einen traumhaft schönen Liebesfilm an.
Aber die Idylle wurde um Punkt 24.10 Uhr gestört. Petras Kollege und langjähriger Freund Sven rief an: „Sorry, aber wir haben eine Entführung. Alle anderen haben Familie oder sind in Urlaub geflogen. Könntest du nicht kommen?“ Petra wusste, dass Sven auch allein lebte. „Klar. Wohin denn?“ „In die Bergstraße 17. Beeil dich.“ „Bin sofort da!“ Petra stand auf, nahm ihre Waffe und stieg ins Auto. In einer Viertelstunde war sie bei der angegebenen Adresse. Ein Polizeiwagen stand verlassen vor dem Haus. Sie parkte direkt dahinter. Dann klingelte sie an der Tür und Sven machte ihr auf. Schweigend gingen sie durch die Villa. Sie war riesig groß.
Überall hingen Sterne, Lametta und Engel. Für sie war es einfach nur kitschig. „Petra, das Opfer ist 13, das macht die Sache so schlimm. Die Mutter steht unter Beruhigungsmittel. Sei nett zu ihnen, bitte. Die ganze Familie steht am Rande des Nervenzusammenbruches. Bis jetzt haben sich die Entführer noch nicht gemeldet. Kalle ist schon da.“
Kalle war der Techniker, der gerade das Telefon verkabelte. Es war wirklich so traurig, wie Sven gesagt hatte. Ein Arzt kümmerte sich um die Mutter. Die ältere Tochter starrte die Wand an und der Vater trank aus einem Glas Wasser. „Gute Nacht, ich bin Petra Hohlmann und werde Ihnen helfen. Wir werden Ihre Tochter wieder finden, das verspreche ich Ihnen. Wann haben Sie denn gemerkt, dass sie weg war?“
„Zur Bescherung. Ich hab nach ihr gerufen, aber sie kam nicht. Dann bin ich rauf und hab das offene Fenster gesehen. Wir haben ne Stunde gewartet und als nächstes die Polizei angerufen. Wir sind so froh, das die Polizei auch an Weihnachten für einen da ist.“, sagte die Tochter. „Können wir mal das Zimmer sehen?“, fragte Petra. „Klar!“ Sie stand auf und ging ihnen voraus in den zweiten Stock.
Hier war noch mehr Weihnachtszeug aufgehängt. Petra bekam fast Augenkrebs davon. Ihr wurde leicht übel. Das Zimmer des Mädchens war riesig und glich eher einem Palast als einem Kinderzimmer. Das Fenster war sperrangelweit offen und Schneeflocken tanzten sachte herein. Die Kälte war am Nullpunkt angelangt, es war eiskalt.
Aus einmal klingelte das Telefon unten. Kalle schrie: „Das ist sie!“ und alle fetzten nach unten, wobei Sven die letzte Treppenstufe übersah und im hohen Bogen auf dem Fußboden landete. Die Tochter nahm erst ab, als alle still und leise auf den Sofas saßen. „Anna, wo bist du? Wir machen uns Sorgen um dich. Ich hab die Polizei angerufen, bist du entführt worden?“ „Mensch Conni, nein. Du weißt doch noch, wo unser alter Lieblingsbaum ist? Da bei der Lichtung. Kommt alle und zieht euch warm an!“ Sie legte wieder auf.
Alle saßen wie erstarrt da. Petra meinte: „Weißt du wo der Platz ist?“ „Ja. Wir haben da immer gespielt.“ „Gut. Sven, wir nehmen die Waffen mit. Wir werden uns anziehen und dorthin fahren. Ok?“ Alle waren einverstanden und es gab im Flur ein großes Gedrängel. Schließlich passten alle in Petras VW und in Svens Dienstwagen, einen Mercedes. Petra fuhr vorne, Conni zeigte ihr vom Beifahrersitz aus den Weg. Am Anfang ging es noch durchs Dorf, aber dann mussten sie in den Wald. Da gab der Wagen auf.
„Wir müssen laufen!“ Alle stiegen aus und bahnten sich ihren Weg durch den verschneiten Wald. Schneeflocken machten die Sicht schwer. Petra fror trotz eines dicken Schals und ihrer Winterjacke. Den anderen ging es genauso. Sven hatte Taschenlampen ausgeteilt. Auf einem kleinen Pfad bahnten sie sich ihren Weg immer tiefer in den Wald. Riesengroße Bäume, von Schneeflocken behangen, wachten über sie. „Gleich haben wir es!“, sagte Conni. Ihre Stimme zitterte vor Kälte. Dann waren sie da.
Auf der Lichtung war mit Lichterketten ein riesiges Herz in den Boden gemacht. In dem Moment als sie es sahen, hörte es auf zu schneien. Die Kommissare blieben stehen und ließen wortlos die Familie vor. Anna stand weiter hinten. Es herrschte gedrückte Stille. Dann sagte sie: „Danke, dass ihr immer zu mir gehalten habt!“ Sie rannte auf ihre Eltern zu, umarmte einen nach den anderen. Auch die Herren von der Polizei. Anna packte Glühwein und Plätzchen aus und wünschte jedem Frohe Weihnachten.

ENDE

1

Kommentare

Traumfänger schrieb am 2007-05-02 11:41:46:
Eine schöne Geschichte.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.