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Kategorien > Nachdenkliches > dasein

Bestimmst du oder dein Schicksal

von Zathia

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Bestimmst du, oder dein Schicksal?

Unter husten, öffne ich das rustikale Wohnzimmerfenster, im größten Raum meiner so winzigen Altbauwohnung.
Um endlich dem hier aufgewirbelten Staub Herr zu werden, mache ich mich an dem ständig klemmenden Teil zu schaffen.
Unter einigem Kraftaufwand bekomme ich es schließlich auf.
Ich bin des Putzens langsam müde aber für heute Abend muss es einfach sein. Schließlich kann ich meinen Gästen nicht auch noch den ganzen Dreck hier zumuten. Es reicht schon dass die Möbel hier drin ihrem Alter längst nicht mehr Herr werden. Den direkten Weg zur Schrottpresse, hätten sie längst schon nehmen müssen.
Wohnlich ist es nicht mehr. Zufriedengeben muss ich mich dennoch damit.
Anderes kann ich mir mit meinem momentanen Gehalt einfach nicht leisten. An Führerschein und Auto ist da gar nicht zu denken.
Allmählich zieht der Staub ab. Vollends wird er wohl nicht verschwinden. Ich reibe mir die Augen und lehne mich aus dem Fenster.
Ein kühles Lüftchen weht draußen.
Gar nicht so kalt heute, sonnig sogar.
Ein herrliches Wetter.
Unter mir, in der Fußgängerzone herrscht wie jeden Morgen bereits reges Treiben. Viele Geschäftsleute sind unterwegs. Mit ihren Aktenköfferchen und pickfein gekleidet, schlängeln sie sich ihren Weg, durch den Passantenandrang.
Sehr lange wohne ich hier ja nun noch nicht. Knapp drei Monate dürften es jetzt sein.
Noch immer in derselben Stadt in der ich aufwuchs. Nur nicht mehr unter dem Dach meiner Eltern.
Nicht weil ich es zuhause nicht mehr ausgehalten habe, ich wollte einfach mal raus, etwas Neues, auf mich allein gestellt sein…
Aber auch nach diesen paar Monaten, konnte ich mich einfach nicht an das Leben, so mitten in der Stadt gewöhnen.
Die alten Fenster halten morgens keineswegs die Lärmkulisse dort unten ab.
Wenn ich meist so von hier oben herabsehe und mir das Treiben dort unten zu gemühte führe, ertappe ich mich oft selbst dabei, etwas Verachtendes zu empfinden. Genau kann ich es nicht sagen aber dieses Verhalten dort unten Gefällt keines Wegs...
Wie sich die Leute rücksichtslos, wie sie sind, auf die Pelle rücken, sich gegenseitig bedrängen, ja sich schon fast selbst auf die Füße treten.
Ein erbärmlicher Anblick, den man sich so früh morgens, doch lieber erspart…
Hektik und Eile bestimmt das Treiben dort unten. Man kennt sich nicht, rennt aneinander vorbei, kein grüßen, nicht einmal ein freundliches Lächeln…das alles bleibt aus.
Stattdessen immer derselbe Ablauf. Gibt es denn nicht wichtigeres oder anders, als immer das zu tun was einem die menschliche Lebensweise vorgibt?
Schule, arbeite, irgendwann eine Familie gründen oder allein verweilen und dann einmal sterben.
Man wird in diesen Kreislauf hineingeboren und passt sich an. Das einfachste was man machen kann.
Aber was soll man auch an seinem Leben verändern? Ich weis es ja selbst nicht…
Muss es denn immer ausfüllend sein? Irgendwann sterben ich und damit auch mein Individuum. Vergessen werde ich irgendwann sein, unwichtig war ich wohl, da ich nichts auf dieser Welt verändert habe…

Flügelschlagen reißt mich aus meiner Gedankenwelt.
Eine Taube kommt angeflattert und setzt sich auf die Außenfensterbank des Nebenfensters. Gurrend wendet sie ihren Kopf nach allen Seiten, senkt ihren Schnabel zu Boden. Als sie feststellt, dass nichts Essbares zu finden ist, breitet sie ihren Flügel aus und flattert munter weiter.
Was würde ich drum geben, auch so etwas zu können. Wenn es nichts mehr gibt, was mich an einem Ort hält, dann fliege ich los und suche den nächsten auf. Völlig frei und ungebunden, kann ich hin, wohin auch immer ich will…

Ich schaue auf meine Armbanduhr.
Gleich neun und da machen die Geschäfte auf. Ich könnte mich ja mal fertig machen, immerhin hab ich noch einige Besorgungen für heute Abend zu machen.

Mein Weg durch die Fußgängerzone bis zum Lebensmittelgeschäft ganz in der Nähe, wird zum Kampf gegen die Strömung. So viele Passanten wollen genau in die entgegengesetzte Richtung. Gar nicht so leicht sich durchzusetzen. Mit der Zeit aber weis man seine Ellbogen einzusetzen…

Den Laden erreiche ich zum Glück unbeschadet. Gleich schnappe ich mir im Eingang einen Wagen und schon kann’s los gehen. Auswahl genug ist von allem da. Bei so was tue ich mich immer schwer, schließlich muss ich ja auch aufs Geld achten.
Luxus ist eben nicht…
Mit halbvollem Wagen biege ich in den Nächsten Gang.
Ich halte schlagartig an. Ausgerechnet diese Person hier an zu treffen…
Genau in diesem Moment. Was für ein Zufall, immerhin wohnt er doch am Rande der Stadt.
Langsam schieb ich meinen Wagen zurück. Im nächsten Moment sieht er von dem Süßigkeitenregal ab und erblickt mich.
Fast erschrocken reagiert er auf mich. Lächelt dann aber.
„So was, gerade dich hier zu treffen“, Sagt er und kommt näher.
Jetzt gibt es kein zurück mehr. Langsam schiebe ich ihm meinen Wagen entgegen. Er hat nur einen Einkaufskorb, jedoch liegt noch nichts darin.
Ich begrüße ihn mit einem freundlichen: „Schön dich auch mal wieder zusehen und schenke ihm dazu ein lächeln.“ Seinem Blick zu begegnen meide ich jedoch bewusst. Stattdessen wende ich mich nach rechts und greife wahllos etwas aus dem Süßigkeitenregal. Ehe ich es in den Wagen legen kann, steht er neben mir.
„Ich wusste gar nicht die du neuerdings magst, dachte immer die schmeckt dir nicht…“ Verwirrt sehe ich nachdem was ich gerade gegriffen habe, nachdem er darauf deutete.
Eine Tafel Bitterschokolade. Mist, aufgerechnet etwas das ich gar nicht gern mag.
Was soll’s, ab damit in den Wagen und dann weg!
„Weist du, ich empfehle dir eher diese hier.“, Er geht um den Einkaufswagen herum, nimmt die Tafel, direkt neben der meinige und hält sie mir hin. Als ich nicht sofort zugreife verunsicherte ich ihn damit wohl.
Erwartungsvoll mustert er mich. Mein Herz schlägt immer schneller.
Wie peinlich, ich greife zu und lege die andere Tafel zurück.
„Gut, dann vertraue ich dir mal und nehme die.“ Ab damit in den Wagen.
So stehen wir uns nun gegenüber und wissen uns nichts mehr zu sagen. Dabei gibt es etwas was ich dir schon lange sagen will. Wie gerne würde ich es, doch ich bringe es einfach nicht fertig. Als wir noch kleiner waren und ständig zusammen, die besten Freunde halt, da waren meine Gefühle für dich noch freundschaftlich. Jetzt jedoch sind sie es längst nicht mehr.
Unsere Wege haben sich jedoch getrennt. Nicht nur eine räumliche Distanz ist zwischen uns entstanden…wir reden längst nicht mehr so offen miteinander wie damals.
Besorgt blicken seine blauen Augen genau in die meinigen.
Unfähig mich aus meiner Starre zu befreien, erwarte ich seinerseits eine Reaktion.
Mit einem verschmitzen lächeln tritt er dann endlich beiseite.
„Entschuldige, ich war in Gedanken versunken…du willst sicher weiter und ich blockiere dir hier den Weg.“, Verlegen fährt er sich mit der Hand durch sein braunes Haar.
Aufgeschreckt aus meinem Gedankenfluss, stottere ich vor mich hin: „A…ach was, ich hab Zeit.“, Langsam

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