Black Soul ( Teil 1)
von
Lillium
1
2
3
1
Endstation!, rief der Busfahrer und hielt den Bus an. George Dales öffnete die Augen. Los Jungchen aussteigen!, schnaubte der Busfahrer. George warf seinen Rucksack über die Schulter und noch im Halbschlaf taumelte er zur Bustür, die sich automatisch öffnete. Noch bevor er aussteigen konnte brummte der Busfahrer: Keine Ahnung warum du nicht früher geweckt werden wolltest! Üble Gegend hier!
Ich wollte nur schnell weg von zu Hause!, gähnte George. Er wollte die Stufen hinunter steigen, doch der Busfahrer packte seinen Arm und flüsterte ihm ins Ohr: Du musst vorsichtig sein! Hier treiben sich eigenartige Gestalten herum und die haben keine Hemmungen einen kleinen Jungen wie dich ab zu murxen!
George riss sich los und meinte genervt: Ich kann auf mich aufpassen!
Wie du meinst!, murrte der Busfahrer.
Die Tür schloss sich, der Bus wendete und fuhr die finstere Straße zurück. George blickte sich um. Die Straßen waren wie leergefegt. Niemand trieb sich herum. Schließlich war es schon fast vier Uhr morgens. George konnte nur hoffen, dass er einen Platz zum Übernachten fand, wirklich auf der Straße schlafen wollte er nicht.
Natürlich konnte er auf sich selbst aufpassen. Dieser dämliche Busfahrer- dachte er.
George war am neunundzwanzigsten Mai siebzehn geworden. Das war am letzten Samstag. An seinem Geburtstag hatte sein Vater zu viel getrunken und seine Mutter hatte er im Bett mit einem anderen Mann gefunden. Als sein Vater hinzukam gab es ein Getobe und viele Tränen. Das war aber in Georges Familie keine Seltenheit. Seit sein Vater seinen Job verloren hatte, trank er viel zu viel Alkohol.
Er hat sein Leben aufgegeben, dachte aber nicht daran, dass es dich auch noch gibt!, hatte Georges Großmutter immer gesagt. Sie starb vor drei Jahren, George hatte sie geliebt. Er hatte es nicht mehr zu Hause ausgehalten. Noch am selben Tag, war er weggelaufen. Eine Woche war er jetzt schon verschwunden. Er war mit dem Zug nach Rigston gefahren. Eigentlich war er nur sinnlos herumgeirrt. Hier in Chalingham wollte er jetzt länger bleiben. Chalingham war für seine hohe Verbrechensrate bekannt, aber George hatte sich diesen Ort absichtlich auf der Landkarte, die er aus dem Wagen seiner Mutter geklaut hatte, ausgesucht. Es war zwölf Stunden entfernt und dort würden sie ihn am wenigsten vermuten.
Sie werden sicher denken, dass ich nach ein paar Stunden zurückkomme, aber da täuschen sie sich! Diesmal nicht!, murmelte George und schlurfte über einen Zebrastreifen, ohne nach links oder rechts zu blicken. Jetzt würde sowieso niemand im Auto sitzen und nach Hause fahren. Er war schon öfters von zu Hause weggelaufen. Das hatte mit dem Tod seiner Großmutter begonnen. George dachte über seine Eltern nach. Er malte sich aus wie besorgt sie sein würden, kam aber zu dem Entschluss: Wahrscheinlich sind sie froh, dass ich weg bin. Einer weniger der isst und trinkt und das Bad besetzt George erinnerte sich daran, als er das erste Mal verliebt gewesen war. Er hatte nur zehn Minuten länger im Bad gebraucht, um für Cathy hübsch auszusehen. Für seinen Vater waren das zehn Minuten zu viel und George hatte die Tracht Prügel seines Lebens bekommen. Danach konnte er natürlich nicht mit Cathy Eisessen gehen. Er hatte ein blaues Auge und wenn sie ihn an der Hand hätte nehmen wollen, hätte er vor Schmerzen aufgeschrieen. Georges Augen verfinsterten sich an den Gedanken seines Vaters. Er hatte ihm viel Leid zugefügt, aber das war jetzt vorbei. Aber auch seine Mutter war kein Engel. Andauernd war sie zu spät wach geworden und konnte George nie rechtzeitig in die Schule bringen. Die Lehrer stempelten ihn als Schwänzer ab und er wurde von den anderen als Faultier beschimpft. Auch wusch seine Mutter ihm die Kleidung nicht, sie kochte nicht für ihn, obwohl sie die ganze Zeit zu Hause saß und nichts tat. Alles was für andere Kinder selbstverständlich ist, war für George Luxus pur. Frische Kleidung, genügend Essen und vor allem Liebe der Eltern, die George nie in diesem Haus verspürt hatte. Trotzdem redete er nie schlecht über seine Eltern. Er beschwerte sich nie über sein Leben. Er hätte sogar zum Jugendschutzamt gehen können und seine Situation schildern können, aber es waren nun einmal seine Eltern. Seine Mutter die ihn geboren hatte und sein Vater, der, wie er noch eine Arbeit hatte, ihm Gutenachtgeschichten vorgelesen hatte. Einen wirklichen Groll konnte er nicht gegen sie hegen, aber bei ihnen bleiben würde er nicht. Er würde eine Arbeit finden und gut verdienen. Wenn er dann ein Haus hätte und eine nette Frau, würde er ihnen jeden Monat Geld schicken, damit sie ein neues und besseres Leben führen können. Ob ab oder unabhängig von einander.
Plötzlich wurde George angerempelt. Er stolperte über seine Beine und fiel der Länge nach hin. Verdammt!, fluchte er. Alles in Ordnung?, fragte ihn jemand und reichte ihm die Hand. Als George aufsah, sah er einen Mann. Ähm
ja, danke schön!
Der Mann, sicher nicht älter als sechsundzwanzig, lächelte und zog George hoch. Tut mir Leid ich war in Eile und habe dich nicht gesehen! Tja
. Macht nichts!
Was machst du hier ganz allein?, der Mann schien sehr interessiert, etwas zu interessiert, wie es George vorkam. Hören Sie, wenn sie mein Geld wollen dann
..
Oh Nein!, er lachte. Ich habe Besseres vor, als kleinen Kindern das Taschengeld zu klauen! Ich bin kein Kind, ich bin siebzehn!, verteidigte sich George und klopfte sich ab. Der Mann lächelte wieder: Oh tut mir leid! Ich habe Besseres vor als Jugendlichen das Geld zu klauen! George musterte den Mann. Seine Haarfarbe könnte schwarz oder braun sein. Er war sehr gepflegt, ganz in schwarz gekleidet und wirkte etwas wie eine Leiche, so bleich wie er war. Er wirkte locker und war ziemlich groß. George fand auch dass er sehr gut aussah. Mädchen würden für so einen Typen schwärmen- dachte George. Sicher war er auch stark.
Du hast meine Frage nicht beantwortet!, sagte der Mann und starrte George herablassend an. Oh
. Ich
! George war sich nicht sicher, ob er dem Mann wirklich erzählen sollte warum er hier war, ganz allein. Schließlich kannte er ihn nicht und er wusste nicht, ob er vorhin gelogen oder die Wahrheit gesagt hatte. George beschloss es trotzdem zu erzählen, der Typ konnte doch nichts Schlimmeres machen, als ihm sein Geld zu stehlen, oder die Polizei zu rufen, aber so wie er sich gab und sein Auftreten war, nahm George an, dass er das wohl unterlassen würde.
Ich bin abgehauen! Meine Eltern
ich komm nicht mehr klar! Der Mann nickte, hob eine Augenbraue und fragte: Darf ich deinen Namen wissen? George entschloss sich, dem Mann zu vertrauen: George!
Nun gut George
wo willst du schlafen? Noch bevor George antworten konnte zog der Mann ihn in eine Seitengasse. Ein Polizeiwagen mit Blaulicht raste vorbei, gefolgt von drei weiteren. George atmete schnell und
1
2
3
Kommentare
Daniel schrieb am 2008-06-20 18:19:20:
Echt der Hammer... gefaellt mir gut!!!!!
David schrieb am 2007-03-16 14:07:26:
Wow...krass...xD...wüsste gern wie es weiter geht....
Kommentar hinzufügen