Blauäugig, 1. Teil, Fortsetzungsgeschichte
von
chiomara
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Eine 26-jährige erzählt von ihrer bewegten Jugend, von der ersten, unglücklichen, Liebe, der frühen Schwangerschaft, von Drogenkonsum und Selbstverletzungen
12.u.13. Lebensjahr
Zwei Monate vor meinem dreizehnten Geburtstag lernte ich den Menschen kennen, der mein Leben aus seiner ursprünglichen Bahn warf. Eigentlich war Folgendes für mich geplant: Die Schule beenden, eine Lehre (vielleicht als Erzieherin) machen und einen guten, wohlhabenden Mann heiraten, dazu ein oder zwei Kinder, zweimal im Jahr Urlaub und einen glücklichen, sorglosen Lebensabend. Der Gedanke war gut und die Voraussetzung einen reichen Mann kennenzulernen war gegeben, denn meine Eltern verkehren in recht guten Kreisen. Mein Vater ist ein in aller Welt bekannter Künstler, meine Mutter führt das Büro. Ich hatte eine glückliche Kindheit, kam als Wunschkind zur Welt und bekam alles was ich wollte. Hase, Pferd und Hund eingeschlossen. Mit meinem zehn Jahre älteren Bruder hatte ich außer fürchterlichen Streitereien nie viel zu tun. Ich hasste ihn und er mich. Das war so ziemlich das Einzige, in dem wir uns einig waren.
Den Sprung zur Realschule packte ich wegen meiner katastrophalen Mathe-Noten leider nicht. Also blieb ich auf der Hauptschule. Hätte meine Mutter damals gewusst, was alles auf uns zukommt, sie hätte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um mich auf eine andere Schule zu bekommen. Doch wer sollte das ahnen?
Alles fing damit an, dass ich während der Schulzeit ein dreiwöchiges Praktikum in einer Goldschmiede machte. Eigentlich wollte ich in einem Kindergarten arbeiten, doch der Praktikumplatz dort war belegt. Von meiner Freundin Rebecca. Halb so schlimm, man ist ja flexibel und wenn ich genug Gene von meinem Vater im Blut habe, musste ja auch in mir ein kleiner Künstler stecken.
Es war Frühling und für April schon wunderbar warm. Die Vögel zwitscherten vergnügt ihr Lied und alles begann langsam grün zu werden. Nach dem Sommer für mich die schönste Jahreszeit.
Rebecca und ich wohnten im gleichen Ort. Um zu Fuß von unserem Dorf in die Stadt zu kommen, muss man ein kleines Waldstück entlang spazieren, am Ende des Weges ist eine Bushaltestelle, von der aus man dann in so ziemlich alle Ecken von unserem Städtchen fahren kann.
Da Rebecca und ich unser Praktikum im gleichen Stadtteil absolvierten, war es selbstverständlich, dass wir uns morgens trafen und unseren Weg in die Stadt gemeinsam antraten.
Über meine Freundin Rebecca möchte ich zuerst noch eine Kleinigkeit sagen:
Bis zur vierten Klasse hatte ich, wie wohl jedes Mädchen, eine beste Freundin. Zu meinem großen Entsetzen verließ Katja mich dann, da sie auf das Gymnasium wechselte. Ich war todunglücklich. Wir versuchten noch eine Zeitlang krampfhaft unsere Freundschaft aufrecht zu erhalten, doch irgendwann ging es einfach nicht mehr. Die Interessen änderten sich schnell. Während Katja sich rasant auf ihrer neuen Schule weiterentwickelte, blieb ich auf dem alten Stand. Sie hatte plötzlich neue Spiele, neue Worte, neue Freunde.
Auf der Suche nach einer neuen besten Freundin traf ich dann nach einigen Pleiten auf Rebecca.
Sie hat noch sieben Schwestern und ihre Familie gehörte einer Art Sekte an. Meiner bescheidenen Ansicht nach hatten die Kinder es nicht besonders gut. Alle waren immer sehr ruhig und verstockt und ich meinte, auch manchmal blaue Flecken auf ihrer sonst so weißen Haut zu sehen. Das Schlimmste für mich war aber damals, als ich erfuhr, dass die Familie weder Ostern, Weihnachten, Geburtstag oder sonstige Feste feierte. In meinem sehr verwöhnten und immer reich beschenkten Kinderleben war es für mich unvorstellbar nichts zu bekommen. Keine Puppe zu Weihnachten, kein anderes schon lange gewünschtes Spielzeug. Es war mir unbegreiflich. Rebecca selbst sagte nie viel dazu. Sie sagte überhaupt immer nur recht wenig, dieses Mädchen war so ziemlich der genaue Gegensatz zu mir. Vielleicht verstanden wir uns deshalb so gut. Je länger wir zusammen waren, desto mehr lebte sie auf. Was ich fantastisch fand, doch ihren Eltern am Schluss ein ganz schöner Dorn im Auge war. Doch dazu später mehr.
Mein erster Praktikumstag verlief, abgesehen davon, dass ich fast die Goldschmiedewerkstatt in Brand setzte (nicht jeder kann gleich perfekt mit einem Lötkolben umgehen!), ganz gut.
In der Mittagspause traf ich mich mit Rebecca zum Essen. Wir legten unser Geld zusammen und gönnten uns eine Pizza. Natürlich vergaßen wir zu sagen, sie solle geschnitten werden. Wer denkt denn auch schon bei seiner ersten selbständigen Pizzabestellung an solch unwichtigen Dinge? ! Wir nahmen glücklich und stolz unseren Pappkarton und suchten uns in der Fußgängerzone ein ruhiges Plätzchen. Da natürlich auch keine von uns ein Messer dabei hatte wurde die Pizza kurzerhand zerrissen. Sie schmeckte köstlich.
Wir saßen also in der Sonne, ließen zufrieden die Backen rundgehen und genossen unsere erste Arbeitsmittagspause im Leben. Ich verrenkte mir nach jedem männlichen Jugendwesen den Hals, Rebecca wurde bei jedem, der zurück guckte, knallrot. Wir waren zwölf und ich war etwas frühreif. Keine Ahnung, woher ich das hatte, aber Jungs haben mich, glaube ich, schon immer brennend interessiert.
Doch abgesehen vom Flirtfaktor waren Jungs auch oft die, mit denen ich besser klarkam als mit Mädchen. Nachdem Katja mich verlassen hatte, war meine zweite beste Freundin der Nachbarsjunge. Mit ihm konnte ich wunderbar Barbie spielen. Wie ich, hatte auch er eine große Barbie-Sammlung. Sogar ein Pferd hatte er. Zwar nicht so schön wie das meine (damals fand ich das auch richtig so!), aber es war ein Barbie-Pferd, und er war ungeheuer stolz darauf. Mario, so hieß mein Freund, brachte seine Barbie-Sachen immer in einer großen Tüte mit. Wir spielten dann oft auf unserem Hof. Eines Tages, wir waren fertig mit spielen und Mario hatte seine Barbietüte sorgfältig eingeräumt und vor unsere Garageneinfahrt gestellt, kam mein Vater mit seinem Auto in den Hof gebraust. Was passierte, kann man sich denken. Die Tüte war platt. Vor allem das Pferd hatte es erwischt. Mario war am Boden zerstört und mein Vater recht zerknirscht. Nun ja, wie mein Papa so ist, er fuhr natürlich sofort wieder in die Stadt und kaufte Mario ein neues Pferd. Wesentlich schöner als meines.
Als nun unser erster Arbeitstag zu Ende war, fuhren Rebecca und ich mit dem Bus zurück. Bis zur Endstation waren wir in Gesellschaft von zwei Jungs, vielleicht 16, 17 Jahre. In diesem Moment endete endgültig meine Kindheit.
Die Jungs, einer klein und dick, der andere recht groß und schlank, stiegen vor uns aus. Natürlich hatten auch sie uns bemerkt. Auf unserem Weg durch das Wäldchen drehten sie sich ständig nach uns um. Rebecca und ich kicherten an einem Stück. Wir überlegten uns wilde Geschichten. Was zum Beispiel wäre, wenn die Jungs jetzt umdrehen und uns vergewaltigen würden. Ich glaube, keine von uns wusste genau, was vergewaltigen eigentlich ist. Doch es hatte irgend etwas mit Sex zu tun und davon hatten wir
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Kommentare
eli schrieb am 2008-10-03 21:46:13:
klasse geschrieben. hoffe es geht bald weiter
Schnulli schrieb am 2008-09-26 18:26:25:
ganz ganz toll =))
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