Blauäugig, 1. Teil, Fortsetzungsgeschichte
von
chiomara
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diesmal machte ich es meinen Eltern nicht so leicht! Meine Beziehung zu Hermann rutschte schon gaaaaanz langsam von der ersten Liebe zu Abhängigkeit und vielleicht auch Hörigkeit. Irgendwann später war da überhaupt keine Liebe mehr, einfach nur der Drang bei ihm sein zu müssen, weil es gar nichts anderes für mich gab. Das alles wurde mir aber erst klar, als ich schon eine Weile von Hermann getrennt lebte. Die Erschütterung über diese Erkenntnis war groß und sollte Folgen haben, doch dazu später mehr.
Ich war also nicht bereit, klein bei zugeben und freiwillig mit meinen Eltern in Urlaub zu fahren. Ich tobte, weinte und drohte mit Abhauen. Es half alles nichts. Gemeinsam mit Bonny wurde ich, immer noch tobend, morgens ins Auto verfrachtet. Dort stellte ich dann den Rekord in 10-stündigem Dauerheulen auf! Ich weinte von unserer Abfahrt im Dorf über sämtliche Autobahnen durch zwei Länder hindurch bis zum Hotel in Italien. Warum mich meine Eltern nicht einfach an der Straße ausgesetzt haben, ist mir noch heute ein Rätsel.
Der Urlaub war natürlich eine einzige Katastrophe! Ich machte meinen Eltern die Tage zur Hölle. Irgendwann, in Hoffnung auf Besserung meiner Laune, erlaubte mein Vater mir dann kurz mit Hermann zu telefonieren. Das war ein schwerwiegender Fehler. Die Telefonrechnung betrug am Ende des Urlaubs über 600 DM und mein Benehmen gegenüber meiner Eltern änderte sich auch nicht sonderlich!
Das erste Telefonat mit Hermann lief ebenfalls schief. Er erzählte mir irgend etwas über eine Klassenkameradin von mir, die Gefallen an ihm gefunden hatte. Vor lauter Wut darüber machte ich sofort Schluss mit ihm. Das hatte zur Folge, dass ich am nächsten Tag erfuhr, Hermann läge im Krankenhaus, er hätte einen Selbstmordversuch mit Tabletten hinter sich. Dies hatte die gewünschte Wirkung, ich machte mir Vorwürfe, war verzweifelt und rief im Krankenhaus an. Dort wurde ich von einer sehr lieben Krankenschwester mit Hermann verbunden und ich konnte ihm meine ach so große Liebe beteuern. Heute weiß ich, dass das alles nur Berechnung war. Hermann hatte nie vorgehabt sich umzubringen, dafür liebte er sich und das Leben viel zu sehr. Er wollte mir einfach nur einen Schrecken einjagen, damit ich nicht wirklich mit ihm Schluss machte. Absolut bescheuert!
Endlich waren die drei Wochen unseres bisher letzten gemeinsamen Familienurlaubs vorbei. Als wir in unseren Hof einfuhren, atmeten meine Eltern und ich gleichzeitig auf. Wir stiegen aus und ich stürzte sofort los, um Hermann zu treffen. Wir wollten uns nun nie wieder trennen.
Selbstverständlich hatten wir auch sofort wieder Streit. An die Auswirkungen eines Streits erinnere ich mich noch genau. Wir hatten mal wieder Schluss gemacht. Ziemlich ernsthaft. Ich war verzweifelt. Meine Eltern waren an diesem Abend ausgegangen und ich war mit Bonny allein. In meiner Trauer kam ich auf die glorreiche Idee in den Keller zu gehen und das erste Bier in meinem Leben zu trinken. Bonny begleitete mich runter. Ein Bier trank ich im Sitzen, das zweite schon im Liegen. Einiges davon wurde verschüttet und da wir immer alles gemeinsam gemacht hatten, schloss sich Bonny mir beim Biertrinken an. Kurze Zeit später waren wir beide betrunken. Im Rausch beschlossen wir einen Spaziergang zu machen. Dieser endete damit, dass Bonny und ich im Dorfbrunnen saßen und vergnügt planschten. So lange, bis es uns fürchterlich schlecht wurde. Torkelnd und überhaupt nicht mehr vergnügt machten wir uns auf den Heimweg. Im Haus angekommen, verschwand ich sofort in meinem Bett und Bonny im Körbchen. Es war für viele Jahre das letzte Bier für mich, Bonny bevorzugte es, nie mehr in ihrem Leben Alkohol zu trinken!
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Fortsetzung folgt
Die Erzählung „Blauäugig" ist urheberrechtlich geschützt. Eine Verwendung des Textes egal in welcher Art ohne die schriftliche Zustimmung der Autorin wird straf- und zivilrechtlich verfolgt.
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Kommentare
eli schrieb am 2008-10-03 21:46:13:
klasse geschrieben. hoffe es geht bald weiter
Schnulli schrieb am 2008-09-26 18:26:25:
ganz ganz toll =))
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