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Kategorien > Aus dem Leben > Alltag

Bleeding Heart

von Stuffi

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1. Kapitel

„Im Regen schaufelte sie sein Grab. Wieder und wieder erschien ein und dieselbe Szene vor ihrem inneren Auge. Wie sie auf ihn zuging, weinend, mit dem Messer in der Hand und von einer Sekunde zur andern verstummte sein Schreien und Blut spritzte auf ihre weiße Samtbluse. Sie konnte es noch immer nicht fassen. Vor ein paar Minuten hatte sie jemanden umgebracht, nein, es war nicht nur irgendjemand, es war…“ – „Nick! Lies gefälligst leiser. Das ist ja nicht auszuhalten!“, meckerte ich ihn an. „Wieso? Ist doch spannend“, meinte er und grinste. Ich sah ihn nur grimmig an und rollte dann mit den Augen. „Langsam kann ich verstehen warum seine Eltern ihn aufs Internat gegeben haben…“, sagte Chris und schüttelte nur mit dem Kopf. „Stimmt. Vielleicht solltest du ihn in deinen Biovortrag mit einbringen. ‚Hier haben wir den lebenden Beweiß, dass der Mensch vom Affen abstammt’ und dann hälst du ihm eine Banane hin.“ Wir sahen zu Nick hinüber, der auf der roten Samtcouch saß und sich am Kopf kratzte. Bei diesem Anblick konnte man gar nicht anders außer lachen. „Okay. Lernen wir weiter. Was heißt ‚Homo proponit, sed deus disponit.’?“ – „Ähm….keine Ahnung. Wolln wir nicht lieber Mathe üben anstatt Latein?“, bat ich und sah Chris fragend an. „Na gut…“ Er stand auf und holte das Mathebuch aus seinem Rucksack, während ich aufstand und die Falten meines schwarzen Minirocks glatt strich. Nick saß nur stumm auf dem Sofa und las in einem Buch, was für ihn sehr selten war. Manchmal tat er mir schon ziemlich Leid. Wenn er einen so anguckte, mit seinen grünen Knopfaugen. Eigentlich sah er recht gut aus, dunkelblonde Haare, die immer hochgegeelt waren und so aussahen, als würde er frisch aus dem Bett kommen, und ganz, ganz leichte Sommersprossen. Wahrscheinlich war er einfach zu blöd um Mädchen anzuquatschen. Es klingt zwar fies, ist aber wahr. Seine Mutter hat ihn als er klein war nämlich mal auf den Kopf fallen lassen. Nun ist er 17 und seit zwei Jahren auf dem Internat, da seine Eltern ihn nicht mehr wollten. Aber das ist noch ein harmloser Grund. Er wohnt zusammen mit Chris in einem Zimmer. Chris ist 16 und hat schwarze Haare, die etwas über seine Ohren gehen, mit zwei oder drei blonden Strähnen drin. Sein Pony hängt immer über sie eine Hälfte seines linken Auges. Seine Augen sind unglaublich, so ein grelles blau habe ich noch nie gesehen, aber es passt sehr gut zu seinen Sommersprossen und seinen Piercings. Zwei an der Unterlippe und eins an der Augenbraue und. Vor genau einem Jahr ist er aufs Internat gekommen, da sein Vater gestorben ist und seine Mutter im Ausland lebt. Er hat eine kleine Schwester, die er über alles liebt, doch leider sieht er sie nur zweimal im Jahr, da sie bei seiner Tante wohnt.
Mein Name ist übrigens Samantha oder auch Sam. Ich bin erst seit kurzem auf dem Internat und auch sehr froh darüber. Momentan bin ich noch allein in meinem Zimmer, doch mir wurde gesagt, dass schon bald jemand neues zu mir stößt. Brian, der dritte im Zimmer von Nick und Chris, hatte mich als ich herkam zuerst angesprochen. Durch ihn lernte ich dann die beiden kennen. Ich bin 16 und habe schwarze kinnlange Haare mit roten Strähnen drin. Mein Pony hängt mir immer übers linke Auge, dadurch kann ich nur auf dem Rechten etwas sehen, aber es sieht umso cooler aus. Am meisten liebe ich meine drei Piercings, eins in der Zunge, eins an der Unterlippe und eins an der Augenbraue, ach ja und mein Tattoo, ich hab unter meinem Ohr drei untereinander liegende Sterne, hat ziemlich wehgetan, aber ich bin hart im Nehmen. Im Großen und Ganzen bin ich mit mir selbst zufrieden, nur mein Leben hasse ich. Keiner weiß alles über mich, die einzigen die etwas wissen könnten wären Brian und Chris.
„Hey Leute. Sam, ich hab grad deine neue Zimmerkameradin getroffen.“, meinte Brian, als er zur Tür reinkam. Total gelangweilt über die Neuigkeit sah ich ihn an. Wie süß er doch war mit seinen schwarzen Haaren und dem Pony, der schräg über seine Augen hing. Unglaublich, das er überhaupt noch was sehen konnte. Eigentlich sah er Chris sehr ähnlich, nur das er keine blonden Strähnen drin hatte und nur zwei Piercings hatte und die sind echt sexy.
„Was…? Nick, da sind doch gar keine Bilder drin.“, sagte er und setzte sich zu ihm. „Ja, ich weiß“, antwortete Nick und grinste ihn nur blöd an. Brian schüttelte nur mit dem Kopf und sagte nichts mehr. „Okay. Los Jungs, wir gehen dann mal. Kommst du in fünf Minuten in die Cafeteria, Sam?“, fragte Chris und stand auf. Ich nickte ihm nur zu und ging zu meinem Nachttisch. Dann verschwanden die drei aus der Tür. Genüsslich legte ich mich auf mein schwarzes flauschiges Bett und strich mit einer Hand über meine Bettdecke, die weiße Handabdrücke drauf hatte. Ich sah durch mein Zimmer. Dafür, dass eigentlich nur zwei Leute in diesem Zimmer wohnen können, war es ziemlich riesig. Jeweils Links und rechts an der Wand stand ein Bett mit Nachttisch. Rechts neben der Tür war das Sofa mit einem Glastisch der viel zu klein war. Gegenüber der Tür standen zwei Schreibtische mit Stühlen. Mir gehörte die ganze rechte Seite und das sah man auch. So gut wie alles auf meiner Seite war schwarz, außer die Wände natürlich. Ordnung beherrschte ich auch nicht wirklich, mein Schreibtisch war immer total voll. Darauf standen mein Laptop, meine Lavalampe, mein Zeichenblock, meine Bleistifte und ein Teil meiner Bücher. Der Rest war gut und sicher in meiner Schublade verstaut. In der Ecke zwischen meinem Bett und dem Sofa hing meine Hängematte. Manchmal schlief ich auch dort. Neben dem Sofa stand meine heißgeliebte Anlage. Groß, schwarz und riesen Boxen. Sie war ziemlich teuer, was aber kein Problem für mich war. Meine Eltern haben mir ein reiches Erbe hinterlassen. Es klopfte und erwartungsvoll sah ich zur Tür. Ein Mädchen trat schüchtern herein. Sie hatte braune schulterlange Haare mir grünen Strähnen drin, die ihr ins Gesicht hingen und braune Augen. „Hi…ich bin Flo.“, sagte sie und kam lächelnd zu mir ans Bett. Sie hielt mir ihre Hand hin, doch ich sah sie nur an und stand auf.
„Oh…okay. Wow….woher hast du die ganzen Narben am Unterarm? Sieht ja echt schlimm aus. Wie heißt du denn?“ Wütend drehte ich mich um und sah sie an, dann ging ich aus dem Zimmer und knallte die Tür zu. Eigentlich wollte ich diesmal nett sein, doch irgendwie konnte ich nicht anders. Alleine zu wohnen ist einfach zu schön. Ich trat in die große Cafeteria und suchte Chris, Brian und Nick. Von weitem bemerkte ich wie Nick mir zuwinkte. Grinsend schüttelte ich nur den Kopf und setzte mich an den runden Tisch zu ihnen. „Oh je…lass mich raten, du hast es vermasselt?“, fragte Chris und sah mich an. Zögernd nickte ich ihm zu. „Kein Wunder das du keine Freundinnen hast.“ – „Na und…ich hab ja euch. Ihr reicht mir.“, antwortete ich und lächelte ihn an. „Was macht er da schon wieder?“ Ich beobachtete Nick, wie er an einer rohen Kartoffel herum fummelte. Brian und Chris zuckten nur mit den Schultern.

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