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Kategorien > Jugendliebe > 1. Liebe

Blind

von Kathrin Schulz

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überkam eine plötzliche Wut. Ich kochte und schnaubte in die Richtung meines verhassten Aus-den-Gedanken-Reißers.
„Die Ampel ist schon dreimal umgesprungen. Noch mal guck ich mir das nicht an“, sagte ein Typ mit zugegebenermaßen wunderschönen blauen Augen, die einen atemberaubenden Kontrast zu seinen pechschwarzen Haaren bildeten. Aber das änderte nichts daran, dass ich ihn abgrundtief hasste. Mehr, als ich je etwas gehasst hatte. Seine Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden, als hätte er irgendetwas an mir entdeckt, was ihm überhaupt nicht gefiel. Was konnte das sein? War ich vor Wut rot angelaufen? Ich hoffte darauf, dass er sich umdrehte und schreiend weglief. Aber er tat es nicht. Er musste ein anderes Problem haben. Ich kam beim besten Willen nicht drauf. Bevor ich überhaupt weiter nachdenken konnte, musste er anscheinend unbedingt noch seinen Wimpernschlag vorführen. Ich hätte ihn atemberaubend genannt, wenn ich ihn hätte leiden können. Er hatte es sich mit mir verdorben. Mit nichts konnte er es wieder gut machen. Erst danach erreichte sein Geruch meine Nase, der mich völlig benebelte. Hatte ich jemals schon etwas Besseres gerochen. Aber natürlich! sagte ich zu mir selbst. Es gab tausend bessere Gerüche. Ein weiterer Atemzug. Dieser Duft! Nein, beschloss ich in Gedanken, ich hatte nie etwas Besseres gerochen. Jetzt war ich zu nichts mehr zu gebrauchen. Wie auf Droge. So fühlte es sich zumindest an. Ich sollte alles an ihm hassen, aber meine Nase konnte das nicht. „Wieso heulst du denn?“, fragte er missbilligend, aber irgendwie besorgt. Das glaubte ich ihm nicht. Ich hätte es merken müssen. Vorsichtig legte ich meinen Zeigefinger auf die Wange. Sie war nass. Prüfend betrachtete ich dann die Träne, die meinen Finger hinunterlief. Ich starrte sie schließlich ungläubig an. Das war es also. Ich weinte wirklich. Sehnsüchtig guckte ich auf die andere Straßenseite: er war weg. Und erst da begriff ich, dass alles nur ein Traum gewesen musste. Ein Traum. Natürlich. Als hätte ich das nicht von Anfang an wissen müssen Ich fauchte: „Hast du keine eigenen Sorgen?“ Er schüttelte breit grinsend den Kopf und guckte zur Ampel. Was war jetzt schon wieder los? Bevor ich überhaupt fragen konnte lachte er schon: „Jetzt ist schon wieder rot.“ Ich verzog das Gesicht und wartete darauf, dass er ging, aber er blieb neben mir stehen. Was wollte er denn jetzt noch. Hatte ich ihn nicht deutlich genug abgewiesen? Ich wollte meine Halluzinationen zurück. „Willst du nicht gehen, oder so?“, fragte ich deshalb. „Nein, ich wollte eigentlich wissen, wieso du so traurig bist.“ Das konnte ich ihm nicht wirklich sagen. Und ich wollte es auch nicht. Als ob ich einem Fremden meine Geheimnisse ausplaudern würde. Ich erwiderte: „Was geht dich das an!“ Dabei trat ich heftig gegen die Ampel. Zu heftig. Mit schmerzverzehrtem Gesicht hüpfte ich mit einem Bein auf und ab und hielt mir den Fuß. Er grinste, aber sparte sich eine abfällige Bemerkung. Sein Glück. „Ich dachte dann fühlst dich vielleicht besser.“ Als ob. Glaubte er das wirklich? Dann war er ein unglaublicher Dummkopf. „Wenn ich einem Typen, dessen Namen ich noch nicht mal weiß, meine tiefsten Geheimnisse ausplaudere?“, fragte ich und achtete nicht auf den erneuten Wimpernschlag, der seine perfekt geschwungenen Wimpern so unglaublich gut zur Geltung brachte. Ich hasste ihn doch. Ich hatte es noch nicht mal meiner besten Freundin erzählt. Warum also sollte ich es ihm sagen? Er streckte mir unverschämt die Hand entgegen: „Timo Klaaßen.“ Meine Hand legte sich und seine und meine Stimme antwortete: „Pauline Möllers.“ Was machte ich da? Mein Körper und mein Gehirn hatten mal wieder eine kleine Auseinandersetzung. Oder war es mein Herz, das es nicht schaffte meinem Gehirn zu folgen? Egal. So oder so war es nicht richtig. Ich entzog ihm meine Hand, als hätte ich mich verbrannt und zog die Augenbrauen zusammen. Ich war wütend und diese Wurt würde sich wohl erst wieder legen, wenn er aus meinem Blickfeld verschwand. Für immer. Er grinste immer noch. Ein hoffnungsloser Dauergrinser. Am liebsten hätte ich ihm dieses Grinsen aus dem Gesicht geschlagen. Es sah aus, als müsste ihm sein Gebiss dabei raus fallen, aber das tat es nicht. Zu Schade. „Willst du es wirklich nicht sagen?“ Als hätte ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt. Ich stöhnte und war froh, dass mich die Ampel genau in diesem Moment befreite. Ich lächelte schon fast, bei dem Gedanken daran ihn loszuwerden. Aber ich hatte falsch gedacht. Ich hatte ja nicht daran gedacht, dass er fröhlich neben mir hin- und herhopsen und mir weiterhin sein Gespräch versuchen könnte aufzuzwängen. Ich ignorierte ihn so gut, wie möglich. Es gelang mir nicht gut. Deshalb versuchte ich zu flüchten aber, als ich schneller ging um ihn abzuhängen änderte auch er sein Tempo. Hoffnungsloser Fall. Wie konnte man bloß so aufdringlich sein? Ich war kurz davor aufzugeben und meinen Schritt etwas zu zügeln. Ich hatte sowieso vergessen, was ich hier in der Stadt anfangs gewollt hatte. Dabei musste es irgendetwas wichtiges gewesen sein, sonst hätte ich mir doch nicht die Mühe gemacht. Es würde mir sowieso nicht mehr so schnell einfallen, jetzt war es auch egal. Ich wollte das mit Timo hinter mich bringen, ihm meine Meinung sagen. Dann würde ich noch mal nachdenken können. Ich setzte mich auf eine Bank. Sie war mit Graffiti besprüht und ich setzte mich mitleidlos auf das „Leo & Fiona 4-ever“. Die Hoffnung er würde vorbei gehen hatte ich erst gar nicht, damit meine Enttäuschung nicht so groß war. Prompt ließ er sich neben mich fallen. Langsam fragte ich mich, ob er immer so stur versuchte seinen Willen durchzusetzen. Das was er herauskriegen wollte immer so erzwang. Oder war ich die einzige Unglückliche, die er dermaßen nervte. Das würde mal wieder zu meinem Pech passen. Na, herzlichen Glückwunsch!

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Kommentare

AnSt schrieb am 2010-12-31 19:51:35:
Eine tolle Geschichte!!! Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Du hast das so schön geschrieben und dein Ende ist auch wirklich toll !!! großartig
Chris schrieb am 2010-07-31 17:25:04:
Diese Geschichte ist einfach wahnsinn! Sie geht wirklich tief in das Innere eines Menschen. Absolut verständlich geschrieben, mit einem Ende, das sogar einen Jungen Gänsehaut verschafft hat. ;)

Wirklich wunderschön!
wow. schrieb am 2010-01-01 07:07:35:
einfach nur wow.

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