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Kategorien > Jugendliebe > 1. Liebe

Blind

von Kathrin Schulz

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schon selbst“, antwortete ich und schaute Timo herausfordernd an, der jetzt auch zu uns schaute. Das blöde Grinsen auf dem Gesicht. Ich hatte ganz vergessen, wie leuchtend blau seine Augen waren. Für einen Moment stockte mein Atem, schluckte geräuschvoll. Er guckte zwischen Andreas und mir immer wieder hin und her und heftete seinen Blick dann auf unsere miteinander verschränkten Hände. Sicher erkannte er Andreas sofort. Er hatte schließlich meine Beschreibung gehört. Es war ihm anzusehen, dass er sich für mich freute. Aber auch seine Überraschung war nicht zu übersehen. Sein Unterkiefer klappte kurz nach unten, dann riss er sich zusammen. Am liebsten wäre ich schnell an ihm vorbei gerannt. Ich hatte keine Lust mich mit ihm zu unterhalten, wenn es auch nur kurz war. Er sollte schnellstens wieder in Vergessenheit geraten. Hätte es sich irgendwie vermeiden lassen, hätte ich direkt die Gelegenheit genutzt.
„Hey, Pauli“, sagte er da auch schon.
„Hi, Timo, ich hab jetzt keine Zeit“, sagte ich hart und blieb nicht mal stehen. Ich ging hastig, als hätte ich noch einen dringenden Termin.
„Ich sehe es“, grinste er und nickte Andreas zu. Der verzog keine Miene. Sein Gesichtsausdruck war mindestens genau so abweisend, wie meiner. Bevor Timo noch irgendetwas Sinnloses sagen konnte sagte ich:
„Und komm nicht noch einmal auf die Idee mich von der Schule abzuholen.“ Ich fauchte es beinahe. Dann drehte ich ihm den Rücken zu. Fertig, aus. Wehe er rannte mir jetzt hinterher.
„Ruf mal an, wenn du wieder du bist“, hörte ich ihn leise sagen. So leise, dass ich fast dachte, ich hätte es mir eingebildet. Ich ignorierte das und verließ mit Andreas das Schulgelände. Ich konnte ihn mir genau vorstellen, wie er mir ungläubig hinterher schaute und sein Unterkiefer erneut herunterklappte. Ich sah auch den Schmerz in seinem Blick. Er bewegte mich nicht, ich empfand nichts. Er mochte mich noch genauso gern, wie zuvor. Das hatte ich bereits auf zehn Meter Entfernung gespürt. Es hatte sich für ihn nichts geändert, aber ich wusste nichts mehr damit anzufangen, wusste nicht, wie ich ihn irgendwo in meinem Herzen unterbringen könnte. Selbst wenn ich es wollte. Und ich überlegte auch nicht lange, für mich hatte es ihn nie gegeben. Er war , wenn überhaupt, dunkle Vergangenheit. Aber eins fragte ich mich dann doch noch: was hatte er mit seiner letzten Anforderung ausdrücken wollen? Der Gedanke daran ließ sich nicht wegwischen. Dafür war er viel zu rätselhaft.
Ruf mal wieder an, wenn du wieder du bist, hallte es in meinem Kopf wieder. Was hatte er damit gemeint? Wenn ich nicht ich war, was war ich dann? Ich fand zwar, dass sich vieles geändert hatte, aber ich selbst? Das konnte ich nicht finden. Als ob mich das bisschen
Make-up mehr so sehr verändern würde. Oder hatte er das gesagt, weil ich ihn so angezickt hatte? So kannte er mich nicht, das hatte ich bei ihm noch nie gemacht. War es das, was er meinte? Oder hatte es etwas mit Andreas zu tun? Ich verstand es nicht. Mir sollte es jetzt aber egal sein. Es war nicht von Bedeutung. Wenn mir je wieder langweilig werden sollte, würde ich vielleicht noch einmal darauf zurückkommen.
Andreas brachte mich noch nach Hause.
„Und du warst echt mal mit dem befreundet?“, fragte er mich unterwegs. Ich ärgerte mich kurz, dass er nicht das Thema wechselte. Ich antwortete kopfschüttelnd und sauer auf mich selbst:
„Ja, nicht zu glauben, nicht wahr?“ Es war wirklich peinlich solche eine Klette je als Freund gehabt zu haben. Er nickte langsam.
„Ich glaube er war ziemlich erschüttert. Ihr scheint gut befreundet gewesen zu sein.“
„Auch das. Seltsam“, stimmte ich zu. Ich fragte mich, wieso ich ihn überhaupt noch mal angerufen hatte. Ich hätte es ebenso gut lassen können. Ja, es hatte nichts gebracht. Ich hatte mich mit ihm verabredet, für nichts und wieder nichts. Sinnlos. Vielleicht war ich doch ein anderes Mädchen gewesen. Ich würde nie mehr auf die Idee kommen mich mit jemand anderem zu treffen, als Andreas. Ich musste wirklich sehr verzweifelt gewesen sein. Sehr traurig. Sehr hoffnungslos.
Wieder küsste er mich zum Abschied und zum ersten Mal konnte ich mich nicht auf ihn konzentrieren. Das erste Mal empfand ich nichts und das schockte mich sehr. Es gefror mich zu Eis. Das Feuer kam und kam nicht, so lange wir auch unsere Münder aufeinander pressten. Ich wurde nicht mehr aufgetaut. Was auch immer Timo in mir verursacht hatte: es war nichts Gutes. Und es sorgte dafür, dass ich ihn nicht mehr vergessen konnte. Diesen Idioten. Ich hasste ihn doch. Ich vergaß doch alles andere so schnell. Es war anders, als sonst. Es kam mir vor, als würde jemand anderes meine Gedanken steuern und mir damit zu verbieten Timo zu vergessen. Wer war das? Wer störte meine Gedankengänge? Ich verstand nicht, wieso ich Andreas zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr richtig liebte. Irgendjemand war da oben in meinem Kopf und brachte alles unglaublich durcheinander. Die Order, die ich mit Andreas beschriftet hatte (also fast alle) kamen alle in den Schredder. Nein! , schrie se in mir. Nein! Nein! Nein! Das durfte doch nicht wahr sein. Irgendetwas demolierte da ganz furchtbar. Nach und nach wurde mein Kopf ausgelehrt. Jeder Schrank, jede Schublade wurde durchsucht.
„Und bitte vergesse mein Arbeitsblatt nicht“, riss er mich aus den Gedanken und schien glücklicherweise nicht zu wissen, was in mir vorging.
„Natürlich nicht“, versprach ich. Das war alles, was ich sagen konnte. Und es war eher eine Art Reflex. Den Sinn begriff ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich begriff überhaupt nichts mehr. Mein Gehirn war leer.

Erkenntnis

Als ich die Treppe zu meinem Zimmer hochging begegnete ich Ben. Mein verlorener Bruder, dachte ich. Aber irgendetwas gab mir unrecht. Ich hatte es doch schon eine ganze Weile so gedacht. Was brachte mich dazu, zu denken, es wäre falsch?
„Was ist denn mit dir los?“, fragte er spöttisch.
„Was soll mit mir los sein?“, fragte ich verwirrt zurück. Leere in meinem Kopf. Aber er seufzte nur kopfschüttelnd und ging weiter. Ich wusste echt nicht, was er meinte. Ich fand, dass die Welt heute besonders verwirrend war. Verwirrend und anders. Etwas, irgendetwas hatte sich verändert. Ich wollte schnellstens wissen, was das war.
Ich schleppte mich lustlos auf mein Zimmer. Und erschrak, als ich in den Spiegel guckte. Das konnte doch nicht sein! Gerade waren sie noch nicht da gewesen. Sie mussten gerade erst gekommen sein. Jetzt verstand ich erstrecht nichts mehr. Was sollte das? Was war hier los? Erst jetzt fühlte ich den Schmerz in meinem Herzen, zerrend, als hätte jemand ein großes Stück herausgerissen. War Timo doch noch in meinem Herzen gewesen, in meinem Unterbewusstsein vielleicht? Wütend starrte ich auf das tränenüberflößte Gesicht im Spiegel. Das fand ich nicht fair. Wieso warnte mich keiner vor, dass ich mit meiner Aktion gerade nicht nur Timo, sondern auch mir selbst wehtun könnte? So ein Mist! Andreas machte mich wohl so glücklich, dass ich den Schmerz in seiner

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Kommentare

AnSt schrieb am 2010-12-31 19:51:35:
Eine tolle Geschichte!!! Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Du hast das so schön geschrieben und dein Ende ist auch wirklich toll !!! großartig
Chris schrieb am 2010-07-31 17:25:04:
Diese Geschichte ist einfach wahnsinn! Sie geht wirklich tief in das Innere eines Menschen. Absolut verständlich geschrieben, mit einem Ende, das sogar einen Jungen Gänsehaut verschafft hat. ;)

Wirklich wunderschön!
wow. schrieb am 2010-01-01 07:07:35:
einfach nur wow.

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